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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gifte - Wieso generell geächtet?



FrankBlack78
13.10.2005, 13:12
Hi Folks,

ich habe eine Feststellung gemacht. Immer wenn ein SC Gifte verwendet, wird es so dargestellt, als ob die Verwendung von Giften generell böse wäre. Da stellt sich mir die Frage, wieso das so ist.

Klar. Wenn ich Gifte verwende um einen heimtückischen Mord zu begehen, dann ist das böse und sollte geahndet werden. Das liegt aber nicht an dem Gift, sondern an der Mordabsicht.

Was aber, wenn ich Gifte - auch tödliche - nur verwende um mein Leben zu verteidigen? Es macht in dieser Situation doch gar keinen Unterschied wie ich meinen Gegenüber töte. Ob ich ihn langsam mit einem Schwert besiege oder das Risiko schwerer Verletzungen damit umgehe, dass ich meine Klinge mit einem Waffengift eingerieben habe.

Obwohl mir die o.a. Darstellung recht logisch erscheint, habe ich immer wieder das Gefühl, dass Anwender von Gift generell als Böse angesehen werden und, und damit kommen wir zum rollenspielerischen Anspekt, auch von Spieler und SL so behandelt werden.

Mich würde eure Meinung hierzu interessieren. Allerdings eher bezogen auf tatsächliche Gegebenheiten, also weniger bezogen auf Würfelwürfe und etwaige Modifikationen. Als Beispiel was ich meine, dient vielleicht die Hexerei, welche ja auch in unserer realen Welt teilweise mit dem Tod bestraft wurde. Was führt dazu, dass Giftmischen generell als böse einzustufen ist? Lediglich die Ungewissheit? Die Möglichkeit des Missbrauchs?

Gruß
Hansel

Hornack Lingess
13.10.2005, 13:17
Ein Schwert, das jemand gegen mich erhebt, kann ich sehen.

Speisegift und viele andere Gifte wirken subtil.

Jemanden hinterrücks zu erschlagen gilt auch als feige und wird geächtet. Genau dasselbe ist mit Giften der Fall.

Hornack

Lord Chaos
13.10.2005, 13:19
Hi!

Eines der groessten Probleme beim Einsatz von Giften duerfte der Ehrenkodex sein, der in den meisten Gesellschaften Midgards existiert. Der Einsatz von Gift ist UNEHRENHAFT! In einer mittelalterlichen Welt ist es schlimmer als ehrlos zu gelten als zu sterben! Man gilt nicht mehr als vertrauenswuerdig, geschaeftsfaehig, usw.... praktisch der gesellschaftliche Tod.

Gruss

Chaos

Adjana
13.10.2005, 13:24
Gift hat immer den Aspekt der Heimtücke - übrigens bis in die heutige Rechtssprechung. Giftmord braucht mehr Vorbereitung und Vorplanung als die meisten anderen Morde - mordmildernde Umstände wie der Affekt werden gänzlich ausgeschlossen. Wer vergiftet wird, hat keine Möglichkeit, sich zu verteidigen oder sich zu schützen. Zudem geht jeder, der mit Gift "arbeitet", das Risiko ein, dass dritte geschädigt werden. Giftmord galt als feige und unehrenhaft.

Wo Gift grassiert, grassiert immer auch Paranoia. Das sollte man Abenteurern klar machen: Wenn sie mit (tödlichem) Gift arbeiten, müssen sie damit rechnen, dass ihre Gegner es ebenfalls einsetzen. Dieser Straßenhändlicher, der gerade die Äpfel verkaufte... hat der nicht gerade so heimtückisch gegrinst, als du den ersten Bissen genommen hast?

Aus diesem Grund dürfte Giftmord für Ritter, Krieger, Barbaren und andere "ehrenhafte" Streiter völlig indiskutabel sein.

Gruß von Adjana

Lars
13.10.2005, 13:32
Ich kann mich den Aussagen meiner Vorredner nur anschließen.

Allerdings ist das Ächten des Einsatzes von Giften kulturspezifisch, so dass einem Wa oder BW aus Minangpahit oder dem Ikengabecken mit Blasrohr das Verwenden von Gift (von anderen SCs) eher nachgesehen werden kann, als dem albischen Ritter, der seine Lanze vergiftet.

Entsprechende Kulturen sind daher in Bezug auf Gifte, übrigens wie im Hinblick auf viele andere Dinge auch, mehr oder weniger restriktiv (man beachte z.B. Verhaltensvorschriften in Eschar (Glauben), Rawindra (Stände), Waeland (Zauberei) oder KTP (Zauberei, Stand)).

Lars

Myrath der Kurze
13.10.2005, 14:10
Auch der 'sich nur verteidigende Giftbenutzer' muss damit rechnen, dass seiner Tat im Volksmund eine andere als die 'wahre' Darstellung zu Teil wird. Die Gerüchteküche ist halt oft mächtiger als die Wahrheit:disturbed: .

Tuor
13.10.2005, 14:42
Als „böse“ gilt, was geeignet ist an (unschuldigen) Menschen in besonders hohen Maße Schaden anzurichten. Die trifft auf die Anwendung von Gift eben so zu wie auf schwarze Magie. Für das Schwert gilt dies nur in soweit, als ihm Unschuldige zum Opfer fallen. Auch das Erschlagen wehrloser unschuldiger Kinder gilt als böse.

Beim Gift kommt noch die vielfach bereits angesprochene Heimtücke hinzu. Gift ist für das Gegenüber nicht erkennbar, man kann sich nur schwer gegen eine Giftattacke schützen.

Beides zusammen sorgt halt dafür, dass Gift in den meisten Gesellschaften Midgards geächtet ist. Immer nach dem Motte währet den Anfängen.

Als SL habe ich aber keine Probleme damit, wenn Spieler Gift verwenden. Gift ist bei mir auch relativ problemlos in jeder größeren Stadt zu erhalten. Jeder Spieler sollte nur bedenken, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch hinaus. Wenden Spieler Gift an, tun es ihrer Gegner auch.

Solwac
13.10.2005, 15:20
Gift ist deshalb geächtet, weil es heimtückisch ist. Gegen ein Schwert kann sich selbst ein Bauer verteidigen (auch wenn seinen Chancen sehr, sehr schlecht stehen, aber er weiß wie es gehen könnte), gegen Magie und Gift fehlt aber das Wissen. Magiergilden haben in einigen Regionen durch ihre Kontrolle soweit für Verständnis gesorgt, dass Zauberer nicht sofort geächtet werden. Eine ähnliche Instanz fehlt aber bei Giften.

@Hansel: Eine Bäuerin, die die Räuber, die den Hof besetzt halten, mit Fliegenpilzsuppe umbringt, dürfte nichts zu befürchten haben. Ist sie in den Augen der Mitmenschen aber eine Giftmischerin, dann hat das sicher schon eher einen faden Beigeschmack. Und eine Frau, deren dritter Ehemann unter mysteriösen Umständen stirbt, braucht kein Gift. Sie wird auch so in der öffentlichen Meinung verurteilt. Selbst dann, wenn alle Ehemänner ihr bekannterweise das Leben zur Hölle gemacht haben.

Solwac

FrankBlack78
13.10.2005, 15:40
@Hansel: Eine Bäuerin, die die Räuber, die den Hof besetzt halten, mit Fliegenpilzsuppe umbringt, dürfte nichts zu befürchten haben. Ist sie in den Augen der Mitmenschen aber eine Giftmischerin, dann hat das sicher schon eher einen faden Beigeschmack. Und eine Frau, deren dritter Ehemann unter mysteriösen Umständen stirbt, braucht kein Gift. Sie wird auch so in der öffentlichen Meinung verurteilt. Selbst dann, wenn alle Ehemänner ihr bekannterweise das Leben zur Hölle gemacht haben.

Solwac
Genau um diese Differenzierung geht es mir. Die Anwendung von Gift muss nicht zwingend mit dubiosen Hintergedanken verbunden sein.

Die Frage kam eigentlich auf, weil ich mir mal Gedanken darüber gemacht hatte, dass Magier/Hexer i.d.R. akzeptiert werden, Anwender von Gift jedoch nie (auf Spielebene. Das in der Realität beide nicht akzeptiert wurden, weiß ich ja).

Gruß
Hansel

Jürgen Buschmeier
13.10.2005, 15:47
Gift ist deshalb geachtet, weil es heimtückisch ist.
Solwac

Das ist nicht dein Ernst, Solwac!

Die Sache mit dem Gift ist doch eindeutig. Wie meine Vorschreiber schon schrieben, es geht vor allem um die Heimtücke, in der mittelalterlichen Rechtsprechung war es zum beispiel so, daß Taschendiebe mit dem Verlust einer Hand rechnen konnten, aber Strassenräuber nicht so hart bestraft wurden.
Warum?
Der Taschendieb kann nicht bemerkt werden, er ist feige und arbeitet nicht offen, der Strassenräuber wurde da anders bewertet.

Und genauso sehe ich es auf Midgard für Gift, welches nur feige und heimtückisch ist, auch als Hilfsmittel auf der Waffe.

Die Menschen sehen auch die Tiere, welche Gift als Verteidigungswaffe oder Jagdwaffe einsetzen meist als böse an.
Beim Menschen muss das also zumindest genau so schlimm bewertet werden.

Prados Karwan
13.10.2005, 15:49
Die Geschichte der MIDGARD-Gifte ist ein kompliziertes Thema. (Ich klinge wie eine grauenvolle Werbung ...)

Nein, im Ernst: Das Thema Gifte wurde in M3 fast völlig ausgespart, wohingegen es in M2 noch behandelt wurde, dort allerdings mit dem eindeutigen Hinweis, der Spielleiter möge seine Abenteurer darauf hinweisen, Gifte sparsam und durchdacht einzusetzen, da ansonsten die Spielwelt entsprechend reagieren könnte. Das wäre, unter Berücksichtigung der sozialen Ächtung (Spielweltelement), aber vor allem der geringen Gifttoleranz, recht tödlich für die Spielerfiguren geworden.

Nachdem also M3 kaum spielrelevante Aussagen zu Giften machte, verband sich damit eine 'Ächtung' der Giftanwender: Es darf nicht sein, was das Regelwerk nicht erlaubt. In M4 gibt es nun recht komplexe Regeln zu Giften, wodurch sie sich wesentlich feiner dosieren und vor allem deutlich leichter ins Spiel integrieren lassen. Nicht jedes Gift ist nun gleich lebensbedrohend. Die Ächtung der Giftanwender sollte also zumindest teilweise überdacht werden.

Grüße
Prados

Raistlin
13.10.2005, 15:59
Ich sehe vor allem Schlafmittel oder Lähmgifte als weniger zu ächten an, wenn sie sowohl medizinisch, als auch in anderen Aktionen verwendet werden können. Ein stumpfes Waffengift, daß nur Schaden verursacht, wenn die Klinge die Haut ritzt, sehe ich hingegen als eher ächtenswert an, weil da die Heimtücke nur auf das Verursachen von Schaden gerichtet ist.

Was aber den Wandel von M3 zu M4 Giften betrifft, in M3 wirkten etliche Gifte quasi sofort. Gibt es diese sofortige Wirkung in M4 eigentlich auch noch, oder dauert es immer einige Runden, bis das Gift seine Wirkung entfaltet?

Dann wäre es nach M4 auch mit entsprachenden Zaubern auch noch einfacherer möglich, sich gegen Gifte zu wehren, bevor dort ernsthafter Schaden entsteht.

Solwac
13.10.2005, 16:01
@Jürgen: Äh, was willst Du mir damit sagen?

@Prados: Wenn Du meinst, dass Gifte als Element im Spiel nicht mehr so tabu zu sein braucht, dann volle Zustimmung. Aber auf gesellschaftlicher Ebene habe ich da Bedenken (in einem Land wie z.B. Alba oder in Candranor, in Minangpahit oder im Ikenga-Becken mag es anders sein).

Innerhalb einer Abenteurergruppe kann ein Giftmischer akzeptiert werden, muß es aber nicht. Im Zweifelsfall wird eine andere Figur von meinen nicht danach beurteilt, was sie kann, sondern was sie macht. Wenn das Gefühl besteht, dass man sich ruhig schlafen legen kann und dass man nicht in der nächsten Stadt in Probleme läuft, dann reicht das schon. Andere Figuren hingegen sehen Gift als gänzlich unmöglich an usw.

Solwac

P.S. Vielen Dank für die Beschreibung der Entwicklung von M2 an!

Prados Karwan
13.10.2005, 16:03
[...]

Was aber den Wandel von M3 zu M4 Giften betrifft, in M3 wirkten etliche Gifte quasi sofort. Gibt es diese sofortige Wirkung in M4 eigentlich auch noch, oder dauert es immer einige Runden, bis das Gift seine Wirkung entfaltet?

[...]
Das ist ein Irrtum, auch in M3 wirkten Gifte erst nach einiger Zeit, üblich waren 1W6 Minuten. Allerdings war diese Information an etwas versteckter Stelle untergebracht. In M4 ist dieser Zeitraum aber deutlich verlängert worden, die Behandlung von Vergiftungen damit tatsächlich einfacher geworden.

Grüße
Prados

Tuor
13.10.2005, 16:56
Ich habe es weder bei M3 noch bei M4 so gehandhabt, dass Gift sofort wirkt (mit wenigen Ausnahmen). Leider ist die Auswahl an Giften im Regelbuch sehr gering. Aber zum Glück gibt es ja das Forum. ;)

:guck: Giftalmanach (http://www.midgard-forum.de/forum/showthread.php?t=9018)

sayah
13.10.2005, 17:31
Hiho,
ich habe ein ziemlich grosses Problem damit Gifte freizugeben sprich weniger stark zu ächten. Ihr argumentiert hier in dem ihr verschiedene Gefährlichkeiten unterscheidet, in dem ihr auf mögliche Behandlungen hinweist, und dem ihr auf die Zeit verweist die es dauert bis das Gift wirkt. Das widerspricht aber, denke ich den Tatsachen. Es geht um die Aengste in der Bevölkerung und darum dass die Mischung zwischen Nichtwissen und Hörensagen den Giften alles mögliche zuschreibt so dass rationale Ueberlegungen nicht mehr möglich sind und auch gar nicht beachtet wird.
Es spielt also keine Rolle was das Gift macht sondern nur wieviel Angst die Bevölkerung davor hat. Dass möglicherweise der Arzt (so man ihm denn überhaupt vertraut) der selbe Wirkstoff abgibt der ein Giftmischer auch verwendet spielt keine Rolle, da das eine Medizin und das andere Gift ist.
Zugegeben, Gifte sind in der Natur häufig und ohne Probleme zu beschaffen. Nur wird am Beispiel der Wycca darauf verwiesen, dass Kräuterfrauen, die vielfach mit Giften (oder was die Bevölkerung dafür hält) arbeiten, einerseits hoch angesehen werden (wegen der Macht die sie haben) andererseits sehr schnell in Verruf geraten (weil einfach weder verstanden noch differenziert wird was sie eigentlich tun).
es grüsst
Sayah el Atir al Azif ibn Mullah

Raistlin
13.10.2005, 19:42
Das ist ein Irrtum, auch in M3 wirkten Gifte erst nach einiger Zeit, üblich waren 1W6 Minuten. Allerdings war diese Information an etwas versteckter Stelle untergebracht. In M4 ist dieser Zeitraum aber deutlich verlängert worden, die Behandlung von Vergiftungen damit tatsächlich einfacher geworden.Der Einsatz von Todeshauch (oder Serkefs Sendbote) ist ja nicht "geächtet", trotz des offensichtlichen Gifteinsatzes. Der Zauber Todeshauch ist auch weder nach M3 noch nach M4 schwarzmagisch. Aber nach M3 waren die 3W6 doch sofort wirksam, während nach M4 die Wirkung über mehrere Runden hinweg eintreten kann, oder?

Gibt es eigentlich Gifte, die innerhalb von 10 Sekunden ihre volle Wirkung entfalten? Gibt es nicht tödliche Gifte, die dies tun? Macht die Art und Wirkung des Giftes einen Unterschied, ob es Gesellschaftlich geächtet wird

Zu Letzterem würde ich sagen, ja. Denn sofern das Gift auch eine heilkundliche Anwendung hat (z.B. Betäubungsmittel), dann wird es wohl eher als Medizin und nicht als Gift betrachtet, oder? Was ist aber mit den "Medikamenten", die in anderer Dosis wiederum Schaden zufügen? Vielleicht sollten die Alchimisten, Ärzte, Heiler, Priester, etc. da eine ähnliche Funktion übernehmen, wie die Magiergilden bei Zauberei? Mißverständnisse sind natürlich nie ausgeschlossen...

Haegrin
13.10.2005, 20:34
Auch "Gifte" die zur Heilung eingesetzt werden sind gesellschftlich nicht unbedingt angesehen. Nicht umsonst zählte der Bader/ Wundheiler neben z.B. Scharfrichter, Abdecker, Huren, Spielleute oder Müller zu den Unehrlichen Berufen... Und selbst gutmütige Kräuterweiblein werden aufmerksam beobachtet...

Jürgen Buschmeier
14.10.2005, 07:47
@Solwac:
geachtet <-> geächtet?

Gifte, Medizin, Alchimie, alles geheimes oder kompliziertes Wissen, welches der Normalbevölkerung Angst einflößt, weil zu schwierig, nicht durchsichtig, sie verstehen das einfach nicht, sind misstrauisch, überall werden böse geister, Dämonen, Teufel vermutet.

Die Leute sind sehr abergläubisch und vorurteilsbeladen.
"Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht."

Und dann soll eine solche Gesellschaft Gifte hoch schätzen?

Die suchen doch schon einen Schuldigen, wenn ein Kalb tot zur Welt kommt.
"Haben wir hier Fremde, am besten einen Zauberer?"

Was sollen die sagen, wenn jemand einfach so stirbt, an einem kleinen Schnitt an der Hand?
"Oh! Den kenne ich, der hat nur eine Überdosis seiner Medizin genommen! Ist schon gut, regt euch nicht auf!"

Solwac
14.10.2005, 07:54
@Solwac:
geachtet <-> geächtet?
Umlaut nachgetragen.

Solwac

FrankBlack78
14.10.2005, 08:57
OK, der Grund weshalb Gifte, sofern sie denn Schaden zufügen, geächtet sind, ist mir etwas klarer geworden. Bei der Hexenjagd sind ja ähnliche Motive ausschlaggebend.

Dennoch bleibt bei mir die Frage, welche vermutlich auch nicht allgemein beantowrtet werden kann, wieso recht viele Spieler und natürlich Spielleiter, den Gifteinsatz stärker ahnden als z.B. Magieeinsatz. Dieser wird größtenteils völlig normal empfunden, ganz im Gegensatz zu Giften.

Dies ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung. Kann sein, dass ich da einfach nur "schlechte" Erfahrungen gemacht habe.

Meine Meinung ist aber, dass man die Realität nicht 100%ig auf die Spielwelt übertragen kann. Entweder man ächtet alles, was die gemeine Bevölkerung anscheinend nicht versteht, oder gar nichts. Wenn ich Anfange Gift flächendeckend zu ahnden, wäre es m.E. nur konsequent dies auch auf Magieanwender auszuweiten, oder? Das würde dem Fantasyrollenspiel aber auch nicht besonders gut tun, finde ich.

Gruß
Hansel

AzubiMagie
14.10.2005, 09:14
Auf Midgrad gibt es die Magiergilde, die dem Lynchen der Magiewirker entgegenwirken. Das bedeutet, die Magier sind teil des Etablishements geworden, ein n&#252;tzlicher Teil der Gesellschaft und weitgehend geachtet und nicht ge&#228;chtet. (Ob das ein Zufall ist, dass diese zwei Worte sich so &#228;hneln?).

Bei uns gibt es keine Magiergilden, daf&#252;r aber die Apothekervereinigungen. Wenn ich mich nicht allzu sehr irre, geh&#246;ren die Midgard-Apotheker gr&#246;sstenteils auch unter den Schirm der Magiergilden.

sir_paul
14.10.2005, 09:22
OK, der Grund weshalb Gifte, sofern sie denn Schaden zufügen, geächtet sind, ist mir etwas klarer geworden. Bei der Hexenjagd sind ja ähnliche Motive ausschlaggebend.

Dennoch bleibt bei mir die Frage, welche vermutlich auch nicht allgemein beantowrtet werden kann, wieso recht viele Spieler und natürlich Spielleiter, den Gifteinsatz stärker ahnden als z.B. Magieeinsatz. Dieser wird größtenteils völlig normal empfunden, ganz im Gegensatz zu Giften.

Hi Hansel,

kannst du mir mal ein parr Beispiele für die Ahndung durch Spieler/Spielleiter geben (vor allem Ahndung durch Spielleiter würde mich mal interressieren)?

Ansonsten kann ich mich meinen Vorrednern nur anschliessen, Gift hat was mit heimlichkeit zu tun, ist für mich also ähnlich anzusehen wie jemanden hinterrücks erschlagen oder jemandens Wohnung ausrauben.

Ach ja, ich würde es auch jedem übel nehmen der mich ausraubt, egal wie nachvollziehbar die Gründe sind. Raub ist Raub und Gift ist Gift ;)

Gruss
sir_paul

Raistlin
14.10.2005, 09:28
Bei uns ist es zumindest so, da&#223; in den K&#252;stenstsaaten der Giftmord die Dom&#228;ne der "High Society" ist. Der Adel meuchelt sich gerne gegenseitig mit Gift. Darum ist die Verwendung von Gift dort gesellschaftlich relativ aktzeptiert, w&#228;hrend es in Alba absolut ge&#228;chtet ist. Es h&#228;ngt halt ein wenig von der Kultur ab. :dunno:

Aber prinzipiell sollte man das vielleicht auch soweit relativieren, wie das mit Magie auch geschieht, da im Volk beides doch &#228;hnlich aufgenommen wird. :notify:

FrankBlack78
14.10.2005, 09:39
Hi Hansel,

kannst du mir mal ein parr Beispiele für die Ahndung durch Spieler/Spielleiter geben (vor allem Ahndung durch Spielleiter würde mich mal interressieren)?
Wie ich schon sagte, kann es durchaus sein, dass mich hier mein subjektives Empfinden ein wenig narrt. Und man muss auch bedenken, dass der Gifteinsatz nicht alltäglich ist. Wenn er aber erfolgt, z.B. in Form eines Waffengiftes (egal wie stark), kam es schon vor, dass übertrieben oft darauf reagiert wurde. Sei es, dass die Leichen der getöteten Wesen untersucht wurden und dabei Gift entdeckt wurde. Sei es, dass Gift bei einem Abenteurer entdeckt wurde. Die Folge war recht häufig die, dass der Abenteurer um sein Leben bangen musste, zumindest aber schleunigst die Stadt verlassen konnte.

All dies ist mir bei der Anwendung von Magie noch nie passiert. Ich frage mich, ob dies die Folge einer übertriebenen Handhabung durch den SL ist, oder ob tatsächlich ein Unterschied besteht, der dies rechtfertigt.

Azubi hat schon einen möglichen Grund in die Runde geworfen. Die Magiergilden. Gibt es darüberhinaus Argumente die das eine mehr das andere weniger schlimm erscheinen lassen?


Ansonsten kann ich mich meinen Vorrednern nur anschliessen, Gift hat was mit heimlichkeit zu tun, ist für mich also ähnlich anzusehen wie jemanden hinterrücks erschlagen oder jemandens Wohnung ausrauben.
In Bezug auf Magie habe ich die Auswirkungen bisher nie so erlebt.


Ach ja, ich würde es auch jedem übel nehmen der mich ausraubt, egal wie nachvollziehbar die Gründe sind. Raub ist Raub und Gift ist Gift ;)

Gruss
sir_paul
Da stimme ich dir zu.

Nicht das man mich falsch versteht. Ich möchte nicht, dass nun jeder SL anfängt jeden Magier für die Anwendung von Magie zu bestrafen. Ich fand nur die unterschiedliche Handhabung interessant und fragte mich nach dem Grund hierfür.

Gruß
Hansel

Bart
14.10.2005, 09:42
OK, der Grund weshalb Gifte, sofern sie denn Schaden zuf&#252;gen, ge&#228;chtet sind, ist mir etwas klarer geworden. Bei der Hexenjagd sind ja &#228;hnliche Motive ausschlaggebend.

Dennoch bleibt bei mir die Frage, welche vermutlich auch nicht allgemein beantowrtet werden kann, wieso recht viele Spieler und nat&#252;rlich Spielleiter, den Gifteinsatz st&#228;rker ahnden als z.B. Magieeinsatz. Dieser wird gr&#246;&#223;tenteils v&#246;llig normal empfunden, ganz im Gegensatz zu Giften.

Dies ist nat&#252;rlich nur meine pers&#246;nliche Erfahrung. Kann sein, dass ich da einfach nur "schlechte" Erfahrungen gemacht habe.

Meine Meinung ist aber, dass man die Realit&#228;t nicht 100%ig auf die Spielwelt &#252;bertragen kann. Entweder man &#228;chtet alles, was die gemeine Bev&#246;lkerung anscheinend nicht versteht, oder gar nichts. Wenn ich Anfange Gift fl&#228;chendeckend zu ahnden, w&#228;re es m.E. nur konsequent dies auch auf Magieanwender auszuweiten, oder? Das w&#252;rde dem Fantasyrollenspiel aber auch nicht besonders gut tun, finde ich.

Gru&#223;
HanselMagie ist in einigen L&#228;ndern weitgehend ge&#228;chtet und wird toleriert soweit es Institutionen gibt, die dar&#252;ber wachen, dass kein Schindlider mit Magie getrieben wird.
Wenn du es schaffst eine Giftmischergilde zu etablieren die weitgehend das Vertrauen der Regierung und Teile der Bev&#246;lkerung erlangt ist es um den Giftmischer vielleicht auch besser bestellt. ;)

Jakob Richter
14.10.2005, 10:20
Hallo zusammen,

ich bin mit den Kulturspezifka, die bei der Anwendung von Gift in den unterschiedlichen Ländern zum tragen kommen, sehr zufrieden.

Ich kann mir z.B. gut vorstellen, dass in der Oberschicht der Küstenstaaten Gift zu den bedenkenswerten Mordmethoden gehört, während es in Alba völlig verpönt ist. Was im Ikengabecken normal ist, kann in Clanngardan ein Verbrechen sein. In Nahuatlan z.B. sind die im Volk beliebten Tolucanpriester sogar verpflicht eines ihrer beiden kultischen Kurzschwerter zu vergiften, während es einem nahuatlanischen Adlerritter als höchst unehrenhaft ausgelegt würde - man sieht selbst einer Kultur gibt es Gesetzte und Tabus zur Giftbenutzung, die sehr unterschiedlich sind.

Schwierig wird es sicher, wenn z.B. ein Tolucan Priester in Alba mit einem vergifteten Obsidian-Kurzschwert erwischt wird, aber das sind ohne Zweifel Kulturspezifika, die es für andere Charakterklassen und Kulturen auch gibt. Ein Schwertkämpfer im TsaiChental ist z.B. auch ziemlich lebensmüde, wenn er nicht SaMurai ist.

Insgesamt halte ich Gifte für kein größeres Problem des Spielgleichgewichts: Ich glaube nämlich, dass es - auch wenn Gifte in der Natur nicht allzu selten sind - gar nicht so einfach ist sie zu verwenden. Glücklicherweise schmecken nämlich sehr viele natürlichen Gifte ausgesprochen penetrant und wirken nur in etwas größeren Mengen. Außerdem verlieren viele Gifte bei Bearbeitung - z.B. durch kochen im Essen ihre Wirkung. Ich stelle es mir auch nicht so einfach vor, eine harzige Paste zu finden, die als Träger für ein Schwertgift dienen kann, eine Konsistenz hat, die das Gift in einer Wunde kleben lässt, bezahlbar ist und dann noch wirkt. Außerdem verlieren Gifte relativ schnell ihre Wirkung – ob sie z.B., eine wochenlange Karawanenreise durch die Wüste Gond oder eine Schiffsreise nach Nahuatlan überstehen, ist fraglich.

Ich mache als Spielleiter immer schon die Beschaffung von Gift und Gegengiften schwierig. Die „übliche“ Giftmischerapotheke gibt es bei mir nicht ohne weiteres zu kaufen – auch nicht in großen Städten. Das gilt bei mir übrigens für sehr viele Dinge: Ein albisches Langschwert bekommt man in Ulwar schwer bis gar nicht, ein heilige Symbol des Ormut ist in Isarjurd kaum aufzutreiben usw.

Kurzum, ich halte die Handhabung von Gift – wie von sehr vielen Midgardregeln – letztlich für eine Frage des Spielstils. Und der sollte halt möglichst konsistent sein.

Gruß

Jakob

Myrath der Kurze
14.10.2005, 11:05
Das historische Vorbild Erde l&#228;sst sich imho in dieser Diskussion nicht sinnvoll auf die Spielwelt anwenden. Magie und &#252;bernat&#252;rliche Ph&#228;nomene sind doch auf Midgard viel "allt&#228;glicher" als auf der Erde und sie spielen eine ganz andere Rolle.

Zwar glaubte man (vielleicht tut man es immer noch) in der irdischen Verganenheit auch an Hexenk&#252;nste und Magie. Allerdings waren diese Ph&#228;nomene nie ein normaler Teil des allt&#228;glichen Lebens, sondern immer dubios und zweifelhaft.

I.d.R. hat sich niemand gerne &#246;ffentlich dazu bekannt, magische F&#228;higkeiten zu besitzten (die er vielleicht dazu noch einen &#252;bernat&#252;rlichen Mentor zu verdanken hat:disturbed: ). Die Folgen d&#252;rften klar sein. Die Magie-Situation auf Midgard ist dagegen eine etwas andere, wie wir ja wissen.

Im Falle der Gift-&#196;chtung k&#246;nnte das irdische Vorbild schon eher passen.

Jürgen Buschmeier
14.10.2005, 11:18
@Hansel:
Auswirkungen von Giftnutzung in den Gruppen waren bei mir bisher, daß eine Figur, die erbeutetes Gift gegen die Nutzer einsetzen wollte ungefähr folgenden Satz zu hören bekam.
Mein Assassine zu einem Küstenstaatler (Magister von Adel):"Du kannst es aufheben und nicht vernichten, um später ein Gegengift herzustellen oder herstellen zu lassen. Sollte ich dich jedoch dabei erwischen, daß du Gift einsetzt, dann hast du richtig Ärger am Hacken!"
Es geschah bislang noch nicht oder ohne Entdeckung meines Assassinen.

Zur Magie:
Es gibt zum einen Gilden und z. B. die Kirgh in Alba, die das regeln.
Andererseits ist es bisher in meinen Gruppen so gewesen, daß die Spieler der Zauberer durchaus darauf geachtet haben, nicht besonders oft zu zaubern und je nach Schauplatz auch zurückhaltend in der Auswahl der Zauber sind.

Zu deinen Beispielen:
Normalerweise, wenn in einer Stadt gekämpft wurde, kommen Stadtwachen, um aufzuräumen. Manchmal taucht dann auch ein Priester, Heiler, Feldscher oder Arzt auf, der durchaus etwas von Wunden und anderen Gebrechen verstehen kann. Und wenn eine Figur Gift einsetzt, dann kann das entdeckt werden, wie Gifteinsatz gegen die Figuren auch zu entdecken sein muss.

Und wenn ein Gegner so merkwürdig blaue Lippen habt oder die Schnittwunde deutlich verfärbt und angeschwollen ist, dann können das durchaus leicht zu entdeckende Folgen des Gifteinsatzes sein.
Warum klebt die Kleidung an der Schnittstelle ein wenig?
Harziges Waffengift?

Bei Magie sehe ich die Sache ähnlich, wenn man mal von den Gilden absieht. Bei besonders gefährlicher Magie, wenn Unbeteiligte zu Schaden kommen, würde ich auch eine Chance zur Entdeckung sehen, entweder ein Zeuge, der gesehen hat, wie das Kind in den Feuerkugelbereich gelaufen ist oder es entdeckt jemand dieses Kind, bei dem schreckliche Brandwunden zu sehen sind. Dumm für den Ormutpriester, der sich im gerechten Zorn mitten in Beornanburgh austoben musste, weil er von einem Taschendieb bestohlen wurde. Diesen hat er auch erwischt, aber leider tauchte da plötzlich dieses Kind auf.

Jakob Richter
14.10.2005, 13:06
Bei Magie sehe ich die Sache ähnlich, wenn man mal von den Gilden absieht. Bei besonders gefährlicher Magie, wenn Unbeteiligte zu Schaden kommen, würde ich auch eine Chance zur Entdeckung sehen, entweder ein Zeuge, der gesehen hat, wie das Kind in den Feuerkugelbereich gelaufen ist oder es entdeckt jemand dieses Kind, bei dem schreckliche Brandwunden zu sehen sind. Dumm für den Ormutpriester, der sich im gerechten Zorn mitten in Beornanburgh austoben musste, weil er von einem Taschendieb bestohlen wurde. Diesen hat er auch erwischt, aber leider tauchte da plötzlich dieses Kind auf.

Das halte ich für ein gutes Beispiel. Natürlich setzt man eine Feuerkugel nicht in einer belebten Strasse Beornanburghs ein (ohne ein Risiko einzugehen) und genauso natürlich verwendet man in derselben Situation kein Gift (ohne ein Risiko einzugehen).

Danach tauchen aber viele Fragen für tolles Rollenspiel auf: Ist der Einsatz einer Feuerkugel gegen eine Dieb "gerechter Zorn" oder ungerechtfertigte Übertreibung. Ist der Einsatz von Gift gegen einen Schwarzmagier angemessen oder untergräbt er die Moral. Auch Spielercharaktere müssen nicht alles machen, was möglich ist. Sie haben moralische Werte und wollen diese womöglich für die Gesellschaft in der sie Leben erhalten.

Ein bisschen hört sich die Diskussion um Gift so an, als wenn es jemand ungerecht findet, dass er seinen Charakter nicht folgenlos so skrupellos spielen kann, wie er will. Dem ist - jedenfalls in meiner Midgardrunde - so. Das gilt aber für alle möglichen Dinge, nicht nur für Gift. Z.B. pinkelt man auch nicht folgenlos an die Tempelmauer des Xan Tempels von Crossing (ich argumetiere jetzt hier nicht, dass es sich bei dem Inhalt der Blase um Gift handelt ;) ) . Was geht und was nicht, weiß man doch in seiner Spielwelt am besten.

Gruß

Jakob

Jürgen Buschmeier
14.10.2005, 13:54
Dreht sich das Rollenspiel nicht immer um:
Was ist gut, was böse?
Gift ist nach Midgardkonvention böse, schlecht, feige, hinterhältig, denkt euch weitere Attribute aus.

Vielleicht ist es ja nur eine Verklärung meinerseits, aber ich finde in einer mittelalterlichen Welt sollten deutlich strengere und andere Moralvorstellungen gelten als die, die wir heute gewohnt sind.

Wer sich in vergangenen Jahrhunderten gegen die Gemeinschaft stellte (Diebstahl, Mord usw.) musste mit Ausschluss aus der Gemeinschaft rechnen oder Brandmarkung/Verstümmelung.

Man war abergläubisch und hatte Angst, daß einem der Himmel auf den Kopf fällt, böse Geister Besitz von einem ergreifen, kleine Fehler oder große vom Lieben Gott bestraft werden, schlechte Erlebnisse waren also Strafe Gottes.
Da man mit Gift Leuten schadet und sie dies nicht deutlich erkennen können, wenn es eingesetzt wird, ist es geächtet.
Wer so etwas aber benutzt, ist ein Handlanger des BÖSEN.
Es sind ja sogar selbst Leute gefährdet, die sich damit nur zum Schutz beschäftigen, Gegengifte herstellen, weil es den Leuten unheimlich ist, womit sich dieser mensch beschäftigt.
Er ist nur noch ein kleines Stückchen vom BÖSEN entfernt, bzw. BÖSES zu tun.

Heute werden Übeltäter resozialisiert oder man versucht es zumindest und man kann sich manchmal fragen, was hat das mit Gerechtigkeit/Wiedergutmachung/Rache zu tun.
In früherer Zeit gab es andere Maßstäbe als heute und das war einfach so.

Früher war der Schutz der Gemeinschaft wichtiger als heute, heute versucht die Gemeinschaft niemanden auszugrenzen oder die Leute wieder ins Boot zu holen.

sir_paul
14.10.2005, 14:10
Wie ich schon sagte, kann es durchaus sein, dass mich hier mein subjektives Empfinden ein wenig narrt. Und man muss auch bedenken, dass der Gifteinsatz nicht allt&#228;glich ist. Wenn er aber erfolgt, z.B. in Form eines Waffengiftes (egal wie stark), kam es schon vor, dass &#252;bertrieben oft darauf reagiert wurde. Sei es, dass die Leichen der get&#246;teten Wesen untersucht wurden und dabei Gift entdeckt wurde. Sei es, dass Gift bei einem Abenteurer entdeckt wurde. Die Folge war recht h&#228;ufig die, dass der Abenteurer um sein Leben bangen musste, zumindest aber schleunigst die Stadt verlassen konnte.

Ok, da kann ich jetzt was mit Anfangen (obwohl wir hier ja dein subjektives Empfinden diskutieren).

Nur weil ein Spieler &#246;fters Gift benutzt, sollte man als Meister nicht &#252;bertrieben reagieren. Nicht jeder Giftmord d&#252;rfte bemerkt werden, allerdings besteht nat&#252;rlich immer eine gewisse Wahrscheinlichkeit das jemand das Gift bemerkt. Hier muss man als Meister schon auf ein gewisses Gleichgewicht achten. Soweit kann ich dir also zustimmen.

Sollte ich aber als "ehrenvoller" SC einen anderen SC bei einem Giftmord (oder mit vergifteteten Schwertern) erwischen wird er ganz sch&#246;n was zu h&#246;hren bekommen. W&#228;re mein SC eher zwilichtig veranlagt wurde er den anderen eventuell nach dem Rezept fragen ;)

(Kulturspezifische Besonderheiten habe ich nicht beachtet)

Gruss
sir_paul

Stephan
14.10.2005, 14:16
Ich habe gerade mal bei Google das Wort 'Waffengift' eingegeben. Es schien mir, dass da fast nur Fantasyrollenspielseiten ausgespuckt wurden. Kann es sein, dass das Vergiften von Waffen in unserer realen Welt kaum eine Rolle gespielt hat (vermutlich, weil es einfach nicht sinnvoll ist)?
Da auch die Midgradregeln wenig Ansatz dafür bieten, dass es auf Midgard anders ist, nehme ich für Midgard einfach mal das selbe an.
Das Vergiften von Waffen ist unüblich, da es im Allgemeinen keinen Vorteil bringt (oder die Nachteile die Vorteile überwiegen). Daher brauche ich keine Regeln dafür und die Spielfiguren dürfen es einfach nicht.

Haegrin
14.10.2005, 14:21
... Wer sich in vergangenen Jahrhunderten gegen die Gemeinschaft stellte (Diebstahl, Mord usw.) musste mit Ausschluss aus der Gemeinschaft rechnen oder Brandmarkung/Verstümmelung...

Meistens beides damit auch andere Gemeinschaften den Übeltäter erkennen können und nicht auf ihn hereinfallen.


... Heute werden Übeltäter resozialisiert oder man versucht es zumindest und man kann sich manchmal fragen, was hat das mit Gerechtigkeit/Wiedergutmachung/Rache zu tun.
In früherer Zeit gab es andere Maßstäbe als heute und das war einfach so...

Es gab damals vor allem keine Gefängnisstrafe. Gefängnisse dienten loediglich zur Verwahrung bis das Urteil gefällt/ vollstreckt wurde. Die eigentlichen Strafen waren Verbannung, öffentliche zur Schaustellung(z.B. Pranger), Züchtigungen (z.B. Auspeitschen), Verstümmelungen (z.B. Gliedmassen, aber auch Zungen, Ohren, Nasen je nach vergehen), Tod (teilweise recht Qualvoll z.B. Hängen, Teeren und Federn, Rädern, Häuten, Sieden, Schächten, Köpfen war dem Adel vorbehalten). Die Motivation dahinter war zum einen Abschreckung und zum anderen konnte der Gemeinschaft das Gefühl der Genugtuung durch Rache zu teil werden.


... Früher war der Schutz der Gemeinschaft wichtiger als heute, heute versucht die Gemeinschaft niemanden auszugrenzen oder die Leute wieder ins Boot zu holen.

Richtig. Und die eigene Gemeinschaft war immer im Recht!

AzubiMagie
14.10.2005, 14:22
Zumindestens in der Literatur wird &#246;fters von vergifteten Waffen berichtet. Hamlet und Dune, der W&#252;stenplanet mal als Beispiele genannt. In beiden kommen vergiftete Waffen vor und die, die Gifte einsetzen (wollen) sind da meiner Erinnerung immer die B&#246;sen.

Ich weis, man soll nicht &#252;ber Realismus reden, aber vor Erfindung des Penicilins bzw. einer erfolgreichen Wundbehandlung war eine Wunde immer potienziell t&#246;dlich. Stichwort "Wundbrand". Von daher, was soll man sich die M&#252;he machen, noch extra zu vergiften?

Und es gibt wirksame, leicht zu handhabende Pfeilgifte im Amazonasgebiet, die auch eine gewisse Mindeshaltbarkeit haben. Waffengifte sind nicht ganz unm&#246;glich.

Aber: In einer Gesellschaft, in der Gifte ge&#228;chtet werden, wo eignet man sich da das erforderliche Wissen an und wie kommt man an sein Gift? Schliesslich gibt es in Midgard kein Google, das einem bei der Recherche helfen kann.

Belchion
14.10.2005, 16:50
Gift ist geächtet und verdorben, egal zu welchem Zweck es eingesetzt wird. Ich möchte hier noch kurz einwerfen, dass Gift im normalen Sprachgebrauch nicht anhand seiner chemischen Zusammensetzung, sondern anhand seiner Wirkung eingestuft wird -- was schadet ist giftig, was nützt ist Heilmittel. Von daher ist der Einsatz von Gift aus dem Wortverständnis her immer schädlich.

Warum ist Gift böse? Weil es eigentlich nur hinterrücks sinnvoll eingesetzt werden kann. Anders als ein bei einem Schwertkämpfer ist die Gefahr durch einen Giftmörder nicht offensichtlich. Bei Zauberern sieht es ähnlich aus: Der Typ von der örtlichen Magiergilde, der sich mit Feuerkugeln verteidigt, trägt eine Kutte und einen spitzen Hut. Er ist als Zauberer (und damit als Gefahr) ersichtlich. Außerdem wirkt Gift im verborgenen, ich sehe keine Wunde und sieche trotzdem dahin. Fast alle Zauber mit einer entsprechenden Wirkungsweise (etwa "Böser Blick") würden auch als Böse eingestuft und entsprechend geahndet.

Hornack Lingess
27.10.2005, 09:21
Noch ein Punkt, weshalb Gifte ge&#228;chtet werden:

Die meisten Spieler, die Gifte einsetzen, wollen damit ihren Schaden vergr&#246;&#223;ern bzw. den Gegner damit t&#246;ten. Auf die Idee, L&#228;hm- oder Schlaftgift einzusetzen, kommt selten jemand. Das w&#228;re viel leichter zu erkl&#228;ren als t&#246;dliches Gift.

Hornack

Akeem al Harun
27.10.2005, 11:55
Beim Thema Gifte und Gegegifte gebe ich zu bedenken, dass die meisten Gegengifte für sich betrachtet ebenfalls Gifte sind, welche einem Menschen schädlich sind, wenn sie falsch (oder richtig, je nach Standpunkt) eingesetzt werden. Insofern ist es verständlich, dass eine Kräuterfrau oder eine andere Person, die sich mit Gegengiften auskennt, immer mißtrauisch behandelt wird. Zumal eine solche Person ja auch erst einmal ein Gift kennen muss um über ein entsprechendes Gegengift bescheid zu wissen. Das ist alles höchst verdächtig. Woher weiß die Frau von einem Gift, dass einen so schlimmen Schaden zufügen kann?

Hinzu kommt - neben der Komplexität des Themas - dass die meisten, wenn man über Gifte spricht, an Qualen und Tod denken. Dass Gifte auch andere Einsatzzwecke haben können (Schmerzen, Krankheit, Lähmung, Schlaf etc.) ist den meisten Personen aus der Landbevölkerung wohl eher nicht bewußt.

Außerdem wird es in den meisten Fällen nicht so sein, dass durch ein Gift eine Bestrafung herbeigeführt (Todesstrafen werden auf Midgard offensichtlicher und "unterhaltsamer" gestaltet) oder das eigene leibliche Wohl verteidigt wird. Wer Gift einsetzt, ist in den Augen der meisten immer der aktive Angreifer, der nur den Schaden seiner Gegner im Sinn hat.

Bereits mehrfach genannt wurde, dass dem Gift der Ruf anhängt, heimlich und hinterrücks eingesetzt zu werden.

Viele Grüße
Harry

Tuor
27.10.2005, 12:09
Selbst die Kräuter- und Giftkundigen, die ihr Wissen nur zum Vorteil ihrer Mitmenschen einsetzen dürften von der Mehrheit mit Argwohn beäugt werden. Ihre Kenntnis verleiht ihnen die Macht über Leben und Tod zu entscheiden. Dies klingt jetzt etwas pathetisch, dürfte aber die Ängste des Pöbels gut beschreiben. Aus dieser emotionalen sicht heraus verwundert die Ächtung nicht.

FrankBlack78
27.10.2005, 12:35
Also inzwischen schließe ich mich wohl der Mehrheit der hier vertretenen Meinungen an. Nach nochmaligem, genauem Überdenken meines Anfangspostings, muss ich zugeben, dass der Einsatz von Gift in der Tat bei den Meisten zumindest Unverständnis auslösen dürfte.

Den Terminus Gift, verwendete ich in dem festen Gedanken an Schadstoffe. Das damit auch geheilt werden kann (ggf.) war mir zwar bewusst, allerdings denkt man bei Gift eben nicht direkt daran.

Auch wenn jemand auf die Idee käme, sich mit Gift lediglich zu verteidigen (im Fall der Waffengifte), dürfte dies dem außenstehenden Beobachter nur schwerlich vermittelbar sein.

Fazit: Ich als Spieler habe Gifte ohnehin kaum eingesetzt. Als Spielleiter würde ich evtl. nun auch härter durchgreifen, wenn die Situation es erfordert. Allerdings in dem Bewusstsein "Wo kein Kläger, da kein Richter."

Der Thread hat mir aber auch insofern neues Wissen vermittelt, dass es wohl nicht so einfach sein dürfte, an Gifte generell heranzukommen. Entweder man stellt sie selbst her, was unter Umständen gefährlich sein kann oder man käuft sie, was, aufgrund der Unpopularität nahezu unmöglich sein dürfte.

Hansel

Akeem al Harun
27.10.2005, 12:51
Ich denke mit einem gelungenen EW:Tierkunde oder EW:Kr&#228;uterkunde (evtl. modifiziert) kann man durchaus sicher herausfinden, ob sich ein Tier oder eine Pflanze ein geeignet scheinendes Gift enth&#228;lt. F&#252;r den richtigen Umgang mit diesem Gift, sprich: wie man es ohne Gefahr f&#252;r das eigene Leib und Leben gewinnen kann und damit umgehen muss, ist allerdings ein EW:Giftmischen erforderlich.

Gifte, welche in bestimmten Dosen verabreicht, auch Heilmittel sein k&#246;nnen, wird man sicher irgendwo kaufen k&#246;nnen. Aber zum einen wird das nicht jeder einfach so k&#246;nnen und zum anderen ist ein EW:Giftmischen erforderlich um zu wissen, dass das Heilmittel auch als Gift verwendbar ist.

Das Abstruse ist, dass z.B. sogar Kochsalz, in entsprechend gro&#223;en Mengen verabreicht, ein t&#246;dliches Gift f&#252;r den Menschen ist. Es sind auch schon mal Arktisforscher nach dem Genu&#223; einer Eisb&#228;renleber an Vitamin A Vergiftung verstorben... (Damit wollte ich sagen: nicht alles, was giftig ist, kann man auf den ersten Blick als solches erkennen.)

Viele Gr&#252;&#223;e
Harry

Al Shadan
30.09.2006, 01:16
Ein Schwert, das jemand gegen mich erhebt, kann ich sehen.

Speisegift und viele andere Gifte wirken subtil.

Jemanden hinterrücks zu erschlagen gilt auch als feige und wird geächtet. Genau dasselbe ist mit Giften der Fall.

Hornack
Ein Assasine tut beim meeucheln dasselbe und niemand sagt was

Dakeyras
30.09.2006, 03:17
Weils im Idealfall auch niemand sieht. Und wenns jemand sieht, dann wird jemand auch was sagen, wenn nicht sogar schreien oder handgreiflich werden.

Hornack Lingess
30.09.2006, 09:08
Seit wann ist Meucheln gesellschaftlich akzeptiert?

Außerdem geht's hier um Gifte. Wenn du Meucheln diskutieren willst, mach das in einem eigenen Strang (und benutz vorher die Suchfunktion, ob es nicht schon so eine Diskussion gibt).

Hornack

OliK
30.09.2006, 10:10
Moin,
wo wir gerade bei Giften, sprich chemischen Kampfmitteln, sind, wie sieht's mit den Biologischen aus?
Kleine Erweiterung des Diskurses :)
Gifte wurden im mittelalterlichen Europa, das die meisten hier scheinbar als Standard wählen, tatsächlich kaum als Waffengift benutzt. Wie schonmal bemerkt taucht es eher in der Literatur auf, z.B. bei Hamlet. Aber auch da ist das vergiftete Rapier nicht sicher genug, so dass Claudius lieber auf Nummer sicher geht und auch den Kelch mit dem Siegestrunk vergiftet. Und somit versehentlich seine Frau Gertrude, Hamlets Mutter, umbringt.
Auch hier, wenn auch nicht mehr im Mittelalter (um und bei 1600), ist Gift mit dem Bösen verknüpft.
Eine weit wichtigere Rolle spielten Gifte jedoch nicht im individuellen töten, sondern in der Kriegsführung, t.ex. vergiftete Brunnen usw.
Und da tauchen auch biologische Methoden wie Pestratten u.ä. auf.

Die Grundfrage ist eigentlich, ob sich das MIDGARD in dem man spielt eher an historischen Tatsachen oder an literarischer Phantasie orientiert :)

Phantastisches Gift gibt einfach ein zusätzliches Spannungsmoment :) Aber damit eben nicht eine Paranoia zwingenderweise auftauchen muss, sollten Gifte selten und schwierig zu handhaben sein. Ansonsten muss man wirklich bei jedem Strassenhändler davon ausgehen, dass die Äpfel vergiftet sind;) Und eine Methode Gift effektiv selten zu halten ist eben sie gesellschaftlich zu ächten.
Anyway, sie sind spannend, zumal sie Wirkungen haben können, die mit "realen" Giften nicht zu erreichen sind, wie z.B. bei
http://www.drosi.de/md/md2002_012.htm

Bei mir sind Gifte möglich, allerdings sehe ich zu, dass Zutaten und Zubereitung genug Probleme darstellen, damit man sich ernsthaft überlegt, ob es nicht einfachere Wege gibt, zum Ziel zu kommen.

BTW, gut recherchierter Literaturtip für giftliebende SLs
Dorothy L. Sayers: Documents in the case

/olik