Hallo,
hier möchte ich noch etwas genauer schreiben, wie ich meine Fortsetzung von Sturm über Ägypten geplant habe und wie es dann ablief. Bei einigen Punkten werde ich etwas vage bleiben, da sie genau auf meine Gruppe angepasst waren und wie sie nicht nur den Sturm über Ägypten bestanden haben, sondern auch wie bei uns das Abenteuer Im Bann der Mumie* gelaufen war. Damit möchte ich auch vermeiden, für letzteres Abenteuer noch mehr Spoiler setzen zu müssen, da es ja nicht in allen Gruppen eine feste SL gibt. Ich hoffe, dass die Grundidee trotzdem interessant ist.
Die Idee für die Fortsetzung war, dass es eine größere Expedition geben würde, die die Fundstelle aus dem Sturm genauer untersucht. Die SC sollten (und wollten ) dabei sein, aber nicht so fest eingebunden, dass sie sechs Monate nur mit Graben beschäftigt wären. Wir haben das so definiert, dass jeder SC eine Beraterfunktion innehat:
- Archäologin für die eigentliche Grabung
- Soldat für die Sicherheit
- Entdecker für die Logistik
(Eigentlich hätte ich lieber Medizin gewählt, aber die Archäologin ist auch die Ärztin der Gruppe und Doppelfunktion wollte ich vermeiden.)
Für die eigentliche Grabungsperiode (ohne An-/Abreise) hatte ich sechs Monate angesetzt. Zu Beginn und dann nach jedem Monat musste ein Würfelwurf gemacht werden, der für den Erfolg/die Aufmerksamkeit im jeweiligen Bereich ausschlaggebend war. Die jeweiligen Proben waren Archäologie, Kampftaktik und Überleben und wurden genau notiert. Das System ist zwar etwas „meta“, hatte aber den Vorteil, dass sowohl die Proben die Handlung beeinflussen konnten als auch umgekehrt die Handlungen die Proben. Dafür hatte ich festgelegt, dass für jede (angebrochene) Woche, die ein SC unterwegs oder anderweitig abgelenkt war, die Probe um 1 erschwert würde (maximal also -4). Damit hatten es die Spieler selbst in der Hand zu entscheiden, ob sie sich mehr um die Expedition kümmern wollten oder eigenen Aktivitäten nachgehen. Umgekehrt hätte z.B. eine misslungene Sicherheitsprobe Sabotageaktionen gegen die Expedition erleichtert.
Expedition
Neben der Gruppe hatte ich für die Expedition folgendes Personal angesetzt:
- Leiter (Flinders Petrie, die Ausgrabung von Tanis verschiebt sich also etwas )
- 2 wissenschaftliche Assistenten
- 1 Zeichner
- 1 Arzt
- 40 einheimische Arbeiter (für das Graben)
- 10 einheimische Arbeiter (für Küche, Bedienung etc.)
- 10 Mann zum Schutz (2 europ. Söldner, 8 Araber)
Viele Leute davon hatte ich als NSC etwas ausgearbeitet. Die Gruppe hätte außerdem noch die Chance gehabt, den deutschen Persienexperten Ferdinand Justi dabei zu haben (was ein +1 auf den Archäologiewurf gebracht hätte). Ein deutscher Bekannter hatte ihnen angeboten, den Kontakt herzustellen. Sie hätten das auch gerne gemacht, es aber nicht geschafft, sich in London damit durchzusetzen. Dort war man noch immer sauer, (Spoiler für das Abenteuer Im Bann der Mumie).
Dazu hatte ich mir einige Sachen überlegt, die passieren könnten.
Funde
Je nach Erfolg beim Archäologiewurf konnten unterschiedliche Funde entdeckt werden. Angefangen bei Metallteilen, über Kamel-, Pferde- und Menschenknochen über Gefäße, Waffen und Rüstungen bis hin zu Bronzeschmuck und Goldmünzen (in grob aufsteigender Reihe des Erfolges und entsprechend meiner Schätzung, wie hoch damals ein entsprechender Fund bewertet worden wäre). Ich hatte mir eine Sammlung von passenden Bildern aus dem Internet zusammengesucht, die ich entsprechend sortiert hatte und jeweils nach dem Archäologiewurf ausgeben konnte.
Aktionen des Affrit
Es war klar, dass sie mit den Ereignissen von Sturm über Ägypten den Affrit ziemlich verärgert hatten. Ich hatte mir also ein paar mögliche „Strafaktionen“ seinerseits überlegt, die je nach Verlauf der Ereignisse eintreten würden. Dafür hatte ich mir auch ein „Budget“ an Leuten festgelegt, das ihm zur Verfügung stehen würde:
- 10 Schläger in Kairo, falls sich die Gruppe dort länger aufhält
- 5 „Spezialisten“, die sich in die Expedition einschmuggeln
- 12 Räuber + 1 Anführer, die in der Wüste der Gruppe oder den Versorgungstrupps der Expedition auflauern
Sonstige mögliche Ereignisse
Außerdem habe ich mir noch ein paar weitere Ereignisse überlegt, die passieren könnten (zum Teil zurückgehend auf frühere Abenteuer der Gruppe).
- Fatima fordert ihre beiden Gefallen ein, die die Gruppe ihr nach Sturm über Ägypten schulden.
- Sandsturm
- Ereignisse in Sakkara, die ein Agieren der Gruppe auslösen könnten
Verlauf
Während der Vorbereitung bekommt die Gruppe Besuch von (Spoiler für Im Bann der Mumie)
D. bietet an, seine Kontakte zu nutzen und mit Ferdinand Justi zu reden. Gruppe ist interessiert, doch kann die Finanziers/Leitung des British Museum nicht überzeugen.
Europäische Expeditionsteilnehmer werden vorgestellt.
Am Tag vor der Abreise bekommt die Gruppe ein Telegramm, (Spoiler für Im Bann der Mumie)
Die Gruppe bleibt bei ihrer Planung.
Anreise bis zur Grabungsstelle ohne besondere Ereignisse, Vorstellung der ägyptischen Expeditionsteilnehmer (ich hatte natürlich nicht alle detailliert ausgearbeitet, aber zumindest exemplarisch den Anführer der arabischen Söldner, einen Koch, den Sprecher der Arbeiter und alle Spione).
Erste Probewürfe (alle ziemlich gut)
Es wurde der erste Spion des Affrit erwischt, wie er die Sachen der SC durchwühlt (der gute Wurf auf Sicherheit, aber vor allem hatte er gepatzt)
Ein Bote von Fatima kommt, die ihren ersten Gefallen einfordert. Sie möchte von der Gruppe Informationen über eine gewisse Person haben, die sich derzeit in ihrem Umfeld aufhalte. Die Gruppe braucht etwas, um sich zusammenzureimen, dass es sich dabei um (Spoiler für IBdM)
Durch die Verzögerung geht er ihnen durch die Lappen. Sie finden aber einige Schriftstücke in seinem zurückgebliebenen Gepäck und erfahren, dass er jetzt nicht ihretwegen abgehauen ist, sondern weil er eine Nachricht erhalten hatte. Diese besagte, dass (Spoiler für Im Bann der Mumie)
bei Grabungen in Sakkara gesichtet wurde. Die Gruppe beschließt, hinterher zu reisen. Dort kommen sie knapp zu spät an, denn dort war Folgendes passiert (Spoiler für Im Bann der Mumie):
Immerhin hatte sie vom überlebenden Helfer auch genug Infos über die Organisation erhalten (Spoiler für Im Bann der Mumie),
um damit Fatimas Gefallen abgelten zu können.
Zweite Probenwürfe (Archäologie gepatzt, daher noch keine Funde, Rest gut trotz Abzug für Abwesenheit)
Der zweite Anschlag des Affriten geht wieder voll in die Hose (schon wieder ein Patzer, dazu die guten Würfe auf Sicherheit und Logistik vorher). Beim Versuch, einen Teil des Wassers mit Cholera zu verseuchen, hat er es geschafft, sich selbst anzustecken. Aufgrund erfolgreicher Medizinwürfe des Expeditionsarztes und der Archäologin kann ein Ausbrechen der Seuche verhindert werden.
Dritte Probenwürfe (nur so mittelprächtig, aber es gab zumindest erste Funde bei der Grabung [immer noch Abzüge wegen des Abstechers nach Sakkara])
Ein Sandsturm wurde erfolgreich überstanden (außerdem kamen ein paar Briefe an, die hier irrelevant sind)
Vierte Probenwürfe (alle geschafft, vor allem Archäologie sehr gut, weshalb es jetzt etwas spannendere Funde gab)
Der Bote von Fatima kommt erneut, um den zweiten Gefallen einzufordern. Die Gruppe soll auf dem „Friedhof der Riesen“ in der Nähe der Oase Dakhla ein Tongefäß bergen und ungeöffnet Fatima zukommen lassen. Mit einigen Hinweisen, wo sie das Gefäß genau suchen müssten. Bei dem „Friedhof der Riesen“ hatte ich mich von einem Spiegelartikel inspirieren lassen. Vor einigen Jahren haben ägyptische Archäologen/Paläontologen bei Dakhla nämlich Knochen von Dinosauriern und Urzeitfischen gefunden. Das war ideal, weil es einen interessanten Fundort ergab, aber noch halbwegs in Reichweite von der Grabungsstätte der Expedition war (ca. 1 Woche mit dem Kamel).
Die Gruppe ist mit dem Boten nach Dakhla gereist, wo er auf sie warten wollte. Beim Friedhof der Riesen hatten sie nach einigem Suchen (das ihnen unter anderem auch den versteinerten Zahn eines riesigen Urzeithais einbrachte) die Stelle gefunden, wo nach den Hinweisen das Tongefäß begraben sein sollte. Während sie anfingen zu graben, kam plötzlich Wind auf und eine Windhose bildete sich, die offensichtlich versuchte, die Gruppe zu stören und (immer stärker werdend) auch anzugreifen. Bevor es zu spät war, hatte die Gruppe aber das Gefäß geborgen und rechtzeitig herausgefunden, dass alles ruhig blieb, so lange jemand das Gefäß berührte.
Und damit den Insassen kontrollierte. Darin war nämlich ein Dschinn gefangen, der unkontrolliert zumindest einen kleinen Teil seiner Fähigkeiten außerhalb des Gefängnisses einsetzen konnte, weil über die Jahrhunderte das Siegel langsam brüchig geworden war. Als Dschinn war er ein alter Widersacher des Ifrits, mit dem Fatima zusammenarbeitet (und dem die Gruppe streng genommen eigentlich die beiden Gefallen schuldete), weshalb dieser den Ausbruch unterbinden wollte. Die Gruppe entschloss sich, dass Tongefäß in Dakhla dem Boten (mit strengen Sicherheitsauflagen) anzuvertrauen und direkt zurückzureisen.
Das erwies sich als sehr gute Entscheidung, denn so kamen sie gerade zur rechten Zeit um den Wasserversorgern der Expedition zu Hilfe zu kommen. Die waren zwischen Grabungsstelle und Farafra beim Abstieg ins Wadi von den 13 Räubern attackiert worden. Mit nur drei Mann von der Schutztruppe als Begleitung wären sie den Räubern hoffnungslos unterlegen gewesen, obwohl von denen nur der Anführer moderne Waffen hatte. So konnten die Helden die Räuber aber von hinten angreifen, sodass diese zwischen Schutztruppe und Helden in der Zange saßen. Am Ende sind die letzten überlebenden Räuber abgehauen. Der Sieg war aber unter schweren Verlusten erkämpft. Drei Arbeiter waren tot, außerdem einer der arabischen Söldner und der Entdecker schwer verletzt (was dann später auch Auswirkung auf die Ruhm- und Ruchwürfe hatte). Zum Glück konnten erfolgreiche Medizinwürfe noch Schlimmeres verhindern.
Fünfte Probenwürfe (Archäologie und Sicherheit geschafft, trotz Abzügen, zu den Funden gehören jetzt u.a. einige Waffen)
Nicht zuletzt dank des gelungenen Sicherheitswurfs wurde aufgedeckt, dass ein Teil der Ausgrabungsfunde gestohlen worden war (von weiteren Agenten des Affrit). Letzten Endes wurden die Täter aber überführt.
Sechste Probenwürfe (alle geschafft, weitere schöne Funde)
Da der Affrit keine Leute mehr vor Ort hat, passiert nicht mehr viel, nur ein weiterer (gut überstandener) Sandsturm und ein paar Rückmeldungen von Kontakten in Deutschland und England, die man wegen Auftauchen und Flucht von (Spoiler für IBdM)
gewarnt hatte.
Siebte Proben (klappen auch, letzte Funde)
Im Endeffekt hat die Expedition fast alle möglichen Funde entdeckt, bis auf das Gold (es gab Goldmünzen und Goldschmuck). Die Rückreise verlief dann ohne weitere besondere Ereignisse. Die Gruppe hat viel Ruhm geerntet (aber nicht den maximal möglichen, da kein Gold gefunden wurde).
Insgesamt hatte das Abenteuer etwa 15 oder 16 Stunden reine Spielzeit. Die Gruppe hatte etwas Glück, dass ich für die Schergen des Affrit so schlecht gewürfelt hatte. Auch die Räuber haben ziemliche Luftlöcher geschossen, bis auf den Treffer, der den Entdecker fast erledigt hätte. Etwas frustriert war die Gruppe, dass ihnen der eine Gegenspieler entwischt ist, nachdem ihnen im Abenteuer davor auch schon wichtige Personen durch die Lappen gegangen waren. Aber ansonsten hat es allen Spaß gemacht und ich konnte gleich mehrere Plot-Entwicklungen vorantreiben. Jetzt wird erst einmal fleißig gelernt und geforscht, während sie auf das nächste Abenteuer warten.
*Wer genau aufpasst, wird merken, dass sich bei uns manchmal die Zeitlinien etwas verschieben. Wenn man nach den originalen Zeitvorgaben spielt, müsste Im Bann der Mumie nach Sturm über Ägypten stattfinden.