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Triggerwarnungen - wann und wie


Ma Kai

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Bitte um Rat/Diskussion. 

Hypothetischer Fall, es gebe in einem Abenteuer eine wichtige Nichtspielerfigur, deren Motivation wesentlich durch eine „Trigger“-Aktivität geprägt sei.
Das ist für manche Leser unangenehm, weshalb dazu geraten wird, im Falle z. B.  von bildhafter Gewalt, unerwünschter sexueller Handlungen, Schaden gegenüber Kindern u. a. m. „Triggerwarnungen“ zu geben, damit Betroffene solche Situationen vermeiden können. 

Ich bräuchte Rat zur konkreten Ausgestaltung. 

Den ganz einfachen Weg „dann motivier‘ die Figur halt anders“ möchte ich nicht gehen, weil er nicht einfach ist (mir fällt schlicht kein passender Bühnenumbau ein) und weil Weichspülen. 
Die besagte Motivation bleibt im Abenteuer im Hintergrund und wird bestenfalls bei der Auflösung am Ende heraus kommen, d. h. von jemand als Erinnerung erwähnt werden. 

Sollte ich dafür eine Triggerwarnung machen und wenn ja, wie mache ich das, ohne Spannung heraus zu nehmen bzw. in der falschen Weise aufzubauen (d. h. dass sich Leute dann die ganze Zeit fragen, wann kommt denn jetzt das „xxx“?). 

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Bei Selfpublishern in der Belletristik kenn ich die folgende Methode: Man schreibt vorne sowas rein wie "Triggerwarnungen finden sich auf der letzten Seite". 

Und da steht dann: "Dieser Text enthält sexuelle Gewalt gegen Ameisen. Bei wem dieses Thema traumatische Erinnerungen triggert, sollte es nicht lesen." 

So können Menschen mit Triggern sich vorher informieren, und allen anderen wird nicht die Spannung genommen. 

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Braucht es in diesem Fall überhaupt eine Triggerwarnung? Wird z.B. ein Vergewaltigungsopfer bereits durch die loße Erwähnung einer Vergewaltigung getriggert? Oder braucht es dafür eine detaillirtere Beschreibung des Vorgangs?

In Deinem Fall wird das Ereignis ja "nur" erwähnt, dass es stattgefunden hat ohne tiefer in die Detailbeschreibung zu gehen wenn ich es ricchtig verstanden habe.

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Für mich als Leser reicht übrigens normalerweise ein passend gestaltetes Cover mit passendem Klappentext. Wenn ich einen blutigen Teddy auf dem Cover sehe und im Klappentext steht: "Ein fünfjähriges Kind ist verschwunden", dann kann ich das Buch meiden, wenn ich nicht über tote oder misshandelte Kinder lesen will. Als Spieler eines Abenteuers bräuchte ich irgendeinen anderen Hinweis - und sei es nur "FSK 18 wegen speziellen Gewaltszenen" oder so.

 

PS Vermutlich ist die Triggerwarnungs-Diskussion bei den Selfpublishern deswegen so ausufernd, weil sie oft so bescheuerte und unprofessionelle Cover haben. :silly:

Bearbeitet von Adjana
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Da das Thema in der SL-Ecke ist, beschreibe ich mal, wie es eine SL macht, bei der ich ab und an spiele. Die beschreibt eingangs, was es in ihrer Spielwelt nicht gibt, weil sie es dort nicht haben will. Weil sie sich nicht in ihrer Freizeit, bei ihrem Hobby mit solchen Themen beschäftigen will. Und wenn ich mich richtig erinnere, sagt sie das auch als Mitspielerin am Anfang einer Spielrunde, z.b. auf einem Con. D.h. sie äußert sich selbst pro aktiv, damit sie nicht von Beschreibungen getriggert wird, die sie nicht in ihrem Hobby haben will. 

Wenn ich so drüber nachdenke, sollte ich das bei Cons als SL vielleicht auch zukünftig machen, das ich bei mir unbekannten Mitspielenden sage, was bei mir in Abenteuern vorkommen kann, wenn ich es denn in der von mir gedachten Story drin habe. :notify:

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Hallo Ma Kai, 


als ein Beispiel fällt mir da der deutsche Schnellstarter von Lex Arcana ein. Dort befindet sich eine solche Warnung direkt am Anfang des Einstiegsabenteurs. Die entsprechenden Themen werden kurz genannt, zusammen mit einem Ratschlag dies im Zweifel mit allen Beteiligten zu besprechen und ggf. Szenen abzuändern. Allerdings hätte ich das eher am Anfang des ganzen Schnellstarters gesetzt.


Der Spielleiter, vermutlich damit also der Leser, kann das vor dem Kauf dann sehen und die Kaufentscheidung abwägen. Spannung sehe ich als vernachlässigbar an. Ich persönlich möchte als SL sowieso alle Informationen haben.

Zusätzlich gibt es nochmal den entsprechenden Hinweis, solche Themen mit den anderen Mitspielenden abzuklären. Das ist ja der Knackpunkt und liegt letztlich in der Verantwortung der SL. Ich persönlich befürworte aber den freundlichen Wink in der Triggerwarnung.

 

Wenn es sich nur um einen einzelnen Punkt handelt, kannst du mMn aber auch auf die Warnung verzichten. Wenn du die Motivation des NSC entsprechend bereits in der Übersicht des Abenteurers aufführst. Ich Spoiler mal für den GB63

Spoiler

Der Überblick von „Die verlorenen Ehre“ nennt den Hintergrund prominent und prägnant. Ich habe direkt die Möglichkeit das Abenteuer wegzulegen.

 

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Geht es eigentlich um ein Abenteuer in deiner Spielrunde oder mit unbekannten SpielerInnen auf einer Con oder um eine Veröffentlichung?

Bei ersterer würde ich das abenteuerunabhängig klären, bei zweiterem es allgemein in die Ausschreibung schreiben und bei drittem finde ich einen Hinweis vorne auf eine genauere Erläuterung hinten okay. Wobei: Bei einer Veröffentlichung kann der SL ja ermuntert werden, das vorab grundsätzlich mit seiner Gruppe zu besprechen.

Ich muss sagen, dass ich als Spieler nichts inhaltlich vorher über ein Abenteuer wissen möchte.

Und ich staune inzwischen, wofür inzwischen alles Triggerwarnungen ausgesprochen werden (z.B. Schmidteinander oder Ein Herz und eine Seele)

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Sowas wurde ich in ein session zero behandeln. Session Zero kann man immer einbauen es muss nicht direkt zum kampagne Beginn laufen. Es gibt mehre Möglichkeiten solche Themen anzusprechen. Gibt jeder eine Tabelle mit diverser Gewalt und Triggerende Themen dann können sie ausfüllen wie detailliert es sein darf. G/PG/PG13/R/NSK17/no-gos oder vor und hinter der Schleier. Was darf "on camera" passieren was darf "off screen" passieren. 

 

Wenn du mehre Themen im Vorfeld hiermit abdeckst dann ist kein wirkliches spoiler.

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Es geht am Ende um eine Veröffentlichung und ich werde es der SL überlassen, die ihrerseits hoffentlich durch den einen, nicht beschreibenden, Satz in der Vorgeschichte nicht getriggert werden wird. Ich könnte mir zwar einen extremen Fall vorstellen, in dem auch das bereits Kopfkino auslösen könnte, aber da ist bald jede Tagesschau schlimmer und in der Abwägung entscheide ich mich in dem Fall dafür, dem Vermeiden von Verwirrung für fast alle den Vorzug zu geben. 

Vielen Dank für die Kommentare und Diskussion, die hoffentlich auch anderen helfen mögen. 

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vor 4 Stunden schrieb Ma Kai:

Es geht am Ende um eine Veröffentlichung und ich werde es der SL überlassen, die ihrerseits hoffentlich durch den einen, nicht beschreibenden, Satz in der Vorgeschichte nicht getriggert werden wird. Ich könnte mir zwar einen extremen Fall vorstellen, in dem auch das bereits Kopfkino auslösen könnte, aber da ist bald jede Tagesschau schlimmer und in der Abwägung entscheide ich mich in dem Fall dafür, dem Vermeiden von Verwirrung für fast alle den Vorzug zu geben. 

Vielen Dank für die Kommentare und Diskussion, die hoffentlich auch anderen helfen mögen. 

... ich hebe mal den Satz hervor und führe weiter: Wir spielen Midgard-Abenteuer. Das heißt: Bis auf ganz, ganz wenige Abenteuer spielen Gefahr und Gewalt im P&P-Bereich immer eine Rolle. Ich meine doch, dass Midgard allgemein von einer FSK von 14 Jahren ausgeht. Besondere, gewaltfreiere Abenteuer auf Cons für Kinder sind doch eine Ausnahme.

Wenn auf einem Klappentext dann noch steht, dass man auf einen Auftraggeber oder Gegenspieler mit einem "dunklen Geheimnis" trifft, dann weiß man, dass da etwas betont Unangenehmes im Busche ist.

Vorsichtige Andeutungen eines eher düsteren Charakters, vielleicht eine FSK-Angabe oder eine Eignung, müssten ausreichen. Dass man generell alles und jeden vor einer Konfrontation mit einer für sie subjektiv bedrohlichen Szene schützen kann, ist vielleicht auch eine behütende Allmachtsvorstellung. Im Tatort wird gemordet (was eigentlich immer verstörend sein sollte), in der Tagesschau wird immer vom Krieg berichtet und auch in Fantasy-Abenteuern geht es per se um bedrohliche Situationen.

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vor 12 Stunden schrieb Eleazar:

...

Und ich staune inzwischen, wofür inzwischen alles Triggerwarnungen ausgesprochen werden (z.B. Schmidteinander oder Ein Herz und eine Seele)

Das sind keine Triggerwarnungen. Das sind Einordnungen, dass der Humor damals ein anderer war und das man das so heute nicht mehr machen würde, weil sich dort z.B. über Minderheiten lustig gemacht wird. 

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An sich sind Triggerwarnungen doch nichts anderes als eine spezifische Form der Inhaltsinformation. Nur halt nicht im Sinne klassischer Werbung, warum (in dem Fall) das Abenteuer total genial ist, sondern welche Themen vorkommen (könnten).

Wichtig: können heißt nicht: wird eintreten. 

Das hilft beim Erwartungsmanagement und erhöht die Zufriedenheit aller Beteiligten. 

Es ist dabei eigentlich unerheblich, warum jemand in dem Moment dieses Thema nicht haben möchte. Es geht hier ja um Freizeitgestaltung. 

Sinnvoll finde ich solche Warnungen bei One-Shots, auf Cons und in Abenteuerveröffentlichungen. Überall da, wo Leute aufeinander treffen, die nicht eh schon ewig miteinander zusammenspielen.

Generell ist das aber auch nur ein Hilfsmittel und auch nur eines für das (negative) Erwartungsmanament im Voraus, in der Phase, wo Abenteuer und Spielende zueinander finden. 

In real existierenden Gruppen halte ich zwei andere Tools für wichtiger: Im Vorfeld einer Kampagnen die gemeinsame Erwartungshaltung an Themen und deren Intensität generell abstimmen. Da gehören z.B. auch die Fragen rein, ob PvP gewünscht ist, ob romantische Szenen okay sind und wenn ja, ob diese nur angespielt werden sollen oder es auch tiefer gehen darf. 

Und, weil eben doch nicht immer alles planbar ist: X-Karte. (Bzw. ein Common Sense darüber, dass jeder Spielbeteiligte jederzeit 'Stopp' sagen darf und dann ohne Diskussion Themen oder Szenen ausgeklammert werden. (Wichtig: für diese Session, nicht zwingend: für alle Zeit).

Bearbeitet von Kazzirah
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  • 6 Monate später...

Danke fürs Ansprechen dieses Themas!

Ich überlege deswegen gerade, für die nächste Con einen vor Ort anonym ausfüllbaren Bogen zu gestalten. (Wobei es nicht sehr sicher ist, die anderen könnten sich ja untereinander absprechen.) Ich kann mir vorstellen, dass es vor einer Gruppe mit unbekannten Menschen unangenehm sein kann, gerade diese Themen aktiv anzusprechen.

Die Antworten würde ich sammeln und dann, ohne dass klar ist, ob es von mir oder wem anderes kommt, vor Beginn einmal nennen.

Basierend auf der sehr umfangreichen Liste auf dem Blog A Dance With Books: A (Small) List of Trigger Warnings You Can Use denke ich gerade an:

  • Rassistische, religiöse, auf Identität (Geschlecht, romantische Orientierung), Behinderung, ... basierende Diskriminierung
  • Gewalt
  • Verletzungsbeschreibungen, die über die Würfeltabellen des Regelwerks hinausgehen
  • Mental Health
  • Weitere/Erläuterung

Ich würde natürlich allgemein versuchen, diese Themen nicht übermäßig an den Spieltisch zu lassen, aber in dem Fall, dass etwas genannt wird, noch einmal extra darauf achten.

 

 

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