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Mitleid


stefanie

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Wir haben neulich ein Szenario gespielt, wo es zu einer Revolte in einer großen Stadt kommt. Wir mußten da durch und waren an den Kampfhandlungen von Haus aus nicht beteiligt.

Eine Beschreibung hatte ein in Brand gestecktes Haus zum Inhalt, der SL fragte "daran vorbei oder Umweg machen". Ich dachte gleich an einen Umweg, denn wir können weder gegen die halbe Stadt kämpfen, noch der ganzen Stadt helfen (da brannten viele, viele Häuser); zwei von den anderen aber haben erstmal den Leuten (bei dem einen Haus) geholfen, wo es nottat, und haben Hitzeschaden eingesteckt.

 

In diesem Zusammenhang kommt mir die Frage in den Sinn, wie Ihr sowas zu entscheiden pflegt - helfen Eure Chars anderen, wo sie können, oder sind sie selbst, und die Gruppe, sich erstmal am nächsten?

Inwiefern wird bei Euch überhaupt ausgespielt, daß die Chars z.B. angebettelt werden? Wenn etwa ein Priester dabei ist, wird er dann andauernd um Heilzauber gebeten und, wenn er es wird, ist er dann ständig bei 0 ap? Kommen die Chars mal z.B. an einem Pranger vorbei und reagieren sie darauf? Wie stehen die Chars überhaupt zu von der Obrigkeit verhängten Strafen, wo sie doch vermutlich wissen, wie leicht das mit "den üblichen Verdächtigen" geht?

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Ob mein Charakter mitfühlend und hilfsbereit ist, hängt von dem gerade gespielten Charakter ab.

 

Zu den gesammelten Fragen am Ende:

man kann solche Episoden immer mal einbringen, aber nicht ständig, sonst wird es langweilig. Sie passen v.a. in der Heimat des Priesters oder wo solche Priester für ihre Heilungen bekannt sind.

 

Allerdings sind im Regelwerk explizit Preise für Heilungen etc. angegeben, damit Priester und Heiler eine Möglichkeit haben, ihre Kundschaft zu begrenzen und eben nicht immer mit 0 AP rumzurennen. Wer einen Priester "bezahlen" kann, dürfte auch eher geheilt werden. Natürlich gilt das nicht für alle Heiler/Priester, aber manchem dürfte es das Leben deutlich erleichtern.

 

Hornack

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Hi!

 

Oh, das ist eine schwierige Frage! Also meistens sind solche Szenen ja in Abenteuer eingebettet und es ist sehr schwer zu unterscheiden ob der Bettler nun eine "Abenteuerszene" oder nicht ist. Von daher sind Chars eher bereit, auf so "Anfragen" des Meisters zu reagieren, als es in Wirklichkeit vielleicht der Fall ist.

 

Auf der anderen Seite kommt es auf meine Figur an. Wiszang (grauer Hexer und Ex-Schamane) kümmert sich einen Sch... um andere Leute. Sollte ihn allerdings jemand direkt (so auf den Knien) um Hilfe anflehen, kann es durchaus sein, dass er da spontan mit seiner gesamten Zaubermacht eingreift - ohne Rücksicht auf Verluste natürlich. Ein anderer Char, Wessar Naiba Hurrasan (Weißer Hexer) hilft jedem, der auch nur den Anschein hat, als bräuchte er gerade Unterstützung. Deshalb ist er chronisch pleite.

 

Für Priester ist das noch schwerer. Allerdings sollte man auch bedenken, dass es die Leute schon Überwindung kostet, einen Diener der Götter direkt anzusprechen, man weiss ja nie.... Innerhalb des Tempels ist es klar: Spende für Hilfe, klares System, aber außerhalb gelten diese Gesetzte nicht mehr so. Die Frage ist auch, ob eine Vanapriesterin nicht wirklich jeder Mutter bei einer Geburt hilft (auch mit unterstützenden Zaubern) ohne eine Spende zu verlangen bzw anzunehmen. Aber das mögen andere leute auch Anders sehen.

 

Kommt vielleicht auch darauf an wie "realitätsnah" Du spielen willst. Ich glaube, um Priester hat man im Mittelalter aus Scheu oft einen großen Bogen gemacht, eben weil es eine Autoritätsperson war, die auch noch mit der Macht des Himmels drohen konnte. Allerdings ist ein Priester dort mit der Spielwelt nicht richtig vergleichbar (Wundertaten/Religion).

 

Also ich würde (auch vom Bekanntheitsgrad/Ruch der Helden) so Dinge immer mal wieder einstreuen, aber auch die Abenteurer nicht damit totschmeißen.

 

Zum Thema Pranger: Was solen sie tun? Den Marktplatz incl. Stadtwache metzeln und den armen Kerl befreien? Tun sie was, haben sie das Volk auf dem Hals, das sich ja nun nicht mehr austoben kann. Pranger war im MA doch eine milde Strafe, so Hand ab ist da schlimmer.

 

Alles Gute

Wiszang

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Hm, generell zu dem im Thema gegebenen Problem des Mitleids im Mittelalter: Sollte als religiöses Ideal generell angenommen werden. Die geduldete Existenz von Bettlern resultiert darauf.

 

Im Beitrag kamen ja andere Motive zum Tragen.

Hier gilt sicher vor allem der religiös-kulturelle Background der Charaktere. Ein valianischer Priester wird wohl eher nicht von der misercordia geleitet sein, ein chryseiischer mit hoher Wahrscheinlichkeit ja.

Ein Schamane ist durch seine Geister soagr dazu verpflichtet, jedem ( ! ) Hilfeersuchen sofort und unter Missachtung der eigenen Gesundheit zu nachzukommen. Die Strafe durch die Geister wäre in jedem Fall schmerzhafter... (Fällt allerdings nicht unter Mitleid.)

 

 

Hausbrände sind ein in dichtbebauten Regionen, in denen vor allem Holz verwendet wird, ein kollektives Problem. Anders als heue wird jeder ( ! ) sofort und mit hohem persönlichen Einsatz bei der Brandbekämpfung mitwirken. Die Gefahr, dass die gesamte Stadt niederbrennt ist allen präsent. Auf jede Form der Brandstiftung stand in Rom z.B. eine weitaus höhere Strafe als auf jedes andere Verbrechen. (Und der Täter hatte noch Glück, wenn es überhaupt zu einem Verfahren kam. Auf frischer Tat Erwischten erging es weit weniger erfreulich...)

Das hat aber nichts mit dem misercordia-Gedanken zu tun.

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Ich denke, man sollte beachten, dass der Pranger eine "normale" Strafe war. Marktplatz, Bettler, Pranger... das ist ein gewohntes Bild für Abenteurer, also warum sollten sie irgendwie reagieren (wenn sie nicht irgendwelches Hintergrundwissen über die Unschuld des Bestraften haben)?

 

In ihrem eigenen Land werden Charaktere wie Priester und Söldner sowieso einfach die gängigen Regeln des Zusammenlebens achten, und dazu gehören eben auch solche Strafen. Und welcher Spitzbube würde sich schon in fremde Angelegenheiten mischen und womöglich selbst ins Visier der Stadtwachen geraten?

 

Anders ists vielleicht mit der blutjungen Waldläuferin, die das erste Mal in eine Stadt kommt. Generell sehe ich aber bei den meisten Spielern eher zu viel als zu wenig Mitleid, viele verwenden eben doch die aufgeklärten Werteskalen für ihre Chars. Meine eigenen Chars neigen darum meistens zu viel Pragmatismus. Eine Frau wird als Hexe verbrannt? Na, sie wirds schon verdienen. Ein blutjunges Mädel wird an einen reichen Knacker verschächert? He, sie macht eine gute Partie! Ein Sklave oder Dienstbote wird gezüchtigt? Tja, wenn man Widerworte gibt...  devil.gif

 

Gruß von Adjana, als Spieler mitleidlos

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</span><table border="0" align="center" width="95%" cellpadding="3" cellspacing="1"><tr><td>Zitat (Kazzirah @ Nov. 06 2002,11:16)</td></tr><tr><td id="QUOTE">Ein Schamane ist durch seine Geister soagr dazu verpflichtet, jedem ( ! ) Hilfeersuchen sofort und unter Missachtung der eigenen Gesundheit zu nachzukommen. Die Strafe durch die Geister wäre in jedem Fall schmerzhafter... (Fällt allerdings nicht unter Mitleid.)<span id='postcolor'>

Das sehe ich anders. Er ist verpflichtet, all seinen Stammesangehörigen zu helfen. Anderen, die nicht zu seinem Stamm gehören, wird seine Hilfe allerdings nur zu Teil, wenn sein Totem das verlangt. Da es z.B. Raubtier-Totems gibt, wird für deren Schamanen das Motto "survival of the fittest" gelten und sie werden potentielle "Beute" eher töten als aufpeppeln. Nicht umsonst bekriegen sich unterschiedliche Stämme in vielen Gebieten mit schamanistischer Kultur. Dort geht es um Weideland, Jagdgebiet etc.

Hornack

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Eine Situation in einem Abenteuer (ich sage nicht welches wegen Spoilergefahr) hat die Charaktere (und die Spieler) schwer in Gewissensnot gebracht. Ein Baby wurde von seiner Mutter auf einen Altar gelegt (den die Charaktere bereits per EDA eine finstere Aura Attestierten). Aus Rücksicht auf die eigene Sicherheit taten die Charaktere nichts. Dabei waren ein Schamane, eine Xan Priesterin, Ein Waelinger mit diversen Gaben (fydingens... kann mir den Namen nie merken), eine Spitzbübin, jägerin der Vampire und Untoten und ähnliches. Alles also Charaktere die sehr dem 'guten' verpflichtet sind und sich auch selbst so sehen. Ende von der Szene war, dass ich jedem der Charaktere, ausser dem Schamanen, einen Punkt GG gestrichen habe. devil.gif

 

Die Spieler waren bis auf die Spielerin des Waelingers mit diesem Ergebnis einverstanden.

 

Viele Grüße

hj

 

Edit sagt: Es gibt in Midgard keine schwarzen Auren, sondern nur finstere.

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@Adjana: rotfl.gif Immer diese mitleidigen Kreaturen.  devil.gif

 

HJ hat mal als SL solche Sachen wie Pranger, Gehängte vor den Stadttoren usw. realistischer beschrieben, als es sonst bei uns der Fall war. Es kam bei manchen Spielern schon komisch an - auch bei mir.

Der Grund: Man ist es zum Einen nicht gewohnt, man muss sein eigenes, neuzeitliches Weltbild stark zurück nehmen und vor allem:

 

Wir spielen Fantasie, keine Mittelalter Simulation !!!!!!

 

Deshalb halte ich die Erwähnung solcher Szenen manchmal für passend, dauernd wollte ich es auch nicht haben (wie Hornack weiter oben schon erwähnt). Zu realistisch will ich meine Spielwelt gar nicht.

 

Euer

 

Bruder Buck

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</span><table border="0" align="center" width="95%" cellpadding="3" cellspacing="1"><tr><td>Zitat (Hornack @ Nov. 06 2002,11:38)</td></tr><tr><td id="QUOTE">Das sehe ich anders. Er ist verpflichtet, all seinen Stammesangehörigen zu helfen. Anderen, die nicht zu seinem Stamm gehören, wird seine Hilfe allerdings nur zu Teil, wenn sein Totem das verlangt.<span id='postcolor'>

Vielleicht gehe ich ja zu sehr vom realen Hintergrund des Schamanismus aus... Da spielt das Konzept "Stamm" in dieser Hinsicht keine Rolle, im Gegenteil. Und zumeist leben sie noch dazu in Armut, weil die Geister ihnen verbieten, irgendeinen Lohn dafür zu kassieren... Man kann es im Fanatsykontext natürlich schamenanfreundlicher gestalten. wink.gif

 

</span><table border="0" align="center" width="95%" cellpadding="3" cellspacing="1"><tr><td>Zitat (Adjana @ Nov. 06 2002,11:21)</td></tr><tr><td id="QUOTE">Ich denke, man sollte beachten, dass der Pranger eine "normale" Strafe war. Marktplatz, Bettler, Pranger... das ist ein gewohntes Bild für Abenteurer, also warum sollten sie irgendwie reagieren (wenn sie nicht irgendwelches Hintergrundwissen über die Unschuld des Bestraften haben)?<span id='postcolor'>

Hatte ich übersehen, Du hast da vollkommen recht. Die erwartbare Reaktion ist eher, sich beim Bespucken, Beschimpfen und faules-Obst-Schmeissen beteiligen.

 

</span><table border="0" align="center" width="95%" cellpadding="3" cellspacing="1"><tr><td>Zitat (Adjana @ Adjana,Nov. 06 2002,11:21)</td></tr><tr><td id="QUOTE">Generell sehe ich aber bei den meisten Spielern eher zu viel als zu wenig Mitleid, viele verwenden eben doch die „aufgeklärten“ Werteskalen für ihre Chars. Meine eigenen Chars neigen darum meistens zu viel Pragmatismus. Eine Frau wird als Hexe verbrannt? Na, sie wird’s schon verdienen. Ein blutjunges Mädel wird an einen reichen Knacker verschächert? He, sie macht eine gute Partie! Ein Sklave oder Dienstbote wird gezüchtigt? Tja, wenn man Widerworte gibt...  <span id='postcolor'>

Das Problem ist eher, dass wir "Mitleid" nach unseren heutigen Kriterien bewerten. Die meisten von Dir genannten Beispiele sind sicher nicht aus Sicht eines Zeitgenossen mitleiderzeugend. Im Gegenteil!

Mitleid ist im mittelalterlichen Kontext nur erwartbar, wenn jemand ohne eigene Schuld ins Unglück gerät. Insofern fällt allein das Hexenbeispiel in eine Grauzone. Alles andere ist selbstverschuldet.

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Ich denke Mitleid ist ein hervorragender Nährboden für gutes und interessantes Rollenspiel.

 

Natürlich hängt es auch immer von den Eigenschaften der Charaktere und Ihren Gesinnungen ab.

 

Zum Beispiel ist der Stand, bzw. die Herkunft meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor. Jemand aus der Unter- und Mittelschicht wird sich sicher wohl eher mit den Nöten eines Armen auseinander setzen als ein Adliger. Schließlich könnte man ja selbst einmal in Not geraten und auf die Hilfe anderer angewiesen sein!

 

Auch die Intelligenz und die Erfahrung sollten berücksichtigt werden. Wenn man schon viel gesehen hat und ein wenig relativieren kann, sollte man sich auch angemessen verhalten.

 

Und man sollte auch erwarten, dass sich jeder Abenteurer im Laufe der Zeit ein gewisses religiöses und politisches Weltbild zusammengestrickt hat und sich seinen Ansichten entsprechend präsentiert.

 

Schließlich sind Abenteurer auch Helden und Helden schwimmen gelegentlich auch gegen den Strom!

 

Geizt also nicht mit Mitleid, setzt es aber mit Vorsicht ein!

 

 

Bis bald     dayafter.gif

 

Ragnarsson

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Unsere frühere SL hat uns das Mitleid gehörig ausgetrieben. Ein Beispiel ist die ach so arme Frau, die in einer dunklen Nebengasse gerade so schreit, als ob der Mann, der über ihr kniet, sie gerade schändet. Natürlich kommen die Helden ihr zu Hilfe und wollen den Schänder zur Rede stellen. Doch die Frau greift in den Rücken an. Schlafgift. Und man wacht mit etwas Glück ein paar Stunden später nackt, aber lebend wieder auf.

 

Da solche Situationen öfter auftreten, gilt derzeit nur das Motto: Erst schiessen, dann fragen oder noch passender: Laßt uns alle töten. Gott wird die seinen schon aussortieren.

 

Es ist schwierig in einer schlechten Welt gut zu sein, vor allem, wenn man immer ausgenutzt wird. Mein Charakter ist mittlerweile extrem vorsichtig und nur seine tiefe Religiosität (Vraidos) hält ihn davon ab, Wehrlose abzuschlachten. (Gestern wären es ein Kamerad und zwei Wachen gewesen...) In einer undurchsichtigen Situation würde er lieber jemanden verbluten lassen, als ihm zu helfen.

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Wenn ich mich recht erinnere, gehört das Los eines Jeden zum gottgewollten Schicksal. Jeder der in einer schlechten Situatiuon ist, hat diese auch in irgendeiner Form verdient. Zumindest leitet sich daher vieles der mittelalterlichen Denkweise ab.

Da die Zeiten insgesamt sehr viel martialischer waren, denke ich mal, dass nur offensichtlich Unschuldigen auch Mitleid zuteil wurde.

Dementsprechend handeln meine Chars. Einmischung nur bei offenbaren Fehlverhalten und willkürlicher Leidzufügung.

Alles andere geht sie nichts an.

 

Wir hatten letztens eine Situation, da wurde ein Hof von berittenen und gerüsteten Männern angegriffen und das Haus in Brand gesteckt. Mein Waldläufer wollte sich heraushalten, da er nicht wusste worum es ging. Vielleicht hat der Hofbesitzer seinen Herrn verraten oder seine Steuern nicht bezahlt. Und da er keinen Ärger wollte hat er nicht eingegriffen. Seitdem gilt er als herzlos sad.gif

 

Ich glaube viele Spieler können einfach ihre aufgeklärte Erziehung nicht vergessen und haben moderne Werte und Normen im Kopf. Im Alltag zum Glück, im Rollenspiel manchmal etwas Schade.

 

Gruß

Eike

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</span><table border="0" align="center" width="95%" cellpadding="3" cellspacing="1"><tr><td>Zitat (Eike @ Nov. 06 2002,14:38)</td></tr><tr><td id="QUOTE">[...]

Ich glaube viele Spieler können einfach ihre aufgeklärte Erziehung nicht vergessen und haben moderne Werte und Normen im Kopf. Im Alltag zum Glück, im Rollenspiel manchmal etwas Schade.

 

Gruß

Eike<span id='postcolor'>

Oh ja, ich erinner mich da an einen Trupp moravischer "Möchtegern-Missionare" der in der Tegarischen Steppe unterwegs war und einer Gruppe Tegaren mal gesagt hat, was sie von ihrem Vorhaben mit einem Gefangen halten...  dozingoff.gif

Als dann noch Differenzen beim Frauenbild auftauchten, war es ganz aus...

 

Unser SL war gnädig... Viel zu gnädig.

 

mfg

Detritus

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Interessantes Thema.

 

Unsere Spielrunde ist gerade an einem Punkt, wo Mitleid und die daraus resultierende uneigennützige Hilfe sie arg in die Bredoulle bringen könnte: Sie haben vor, Candranor auf einem Schiff zu verlassen, und haben auch schon ihre Kabinen bezogen. Da entdeckt die albische Magierin im Kabinenschrank einen völlig verschüchterten, entlaufenen Sklaven, der sich hier versteckt hatte. Der Arme scheint aus der Vesternesse zu kommen, ist jedoch stumm, was die Kommunikation erschwert. Anstatt gleich dem Kapitän bescheid zu sagen, berät sie sich erst mal mit ihren Gefährten.

 

Zur gleichen Zeit beginnen Milizen schon den Hafen und die vor Anker liegenden Schiffe nach dem Flüchtigen zu durchsuchen. Eine Hohe Strafe erwartet denjenigen, der einen entlaufenen Sklaven versteckt, und die Spieler wissen das.

 

Die beiden Albai in der Gruppe halten überhaupt nichts davon, daß Ausländer hier zu Sklaven gemacht werden. Dem Halbling ist Sklaverei an sich völlig fremd. Nur der valianische Heiler findet überhaupt nichts dabei. Bin gespannt, wie sich meine Spieler entscheiden. Dem Sklaven zur Freiheit verhelfen oder nicht.

 

Herzliche Grüße,

Triton

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O weh! Ich fürchte, hier wird schwarz-weiß gemalt. Ich glaube stark, dass unsere Zeit sehr viel mitleidloser ist. Die meisten Spieler haben, das beobachtete ich häufiger, nicht heutige Werte im Kopf, sondern sentimentale Vorstellungen davon, die sie in der Realität nie und nimmer ausleben würden. Außerdem denke ich, dass Mitleid überhaupt nicht bedeutet, dass man auch aktiv wird. Und wer Mitleid empfindet, beweist nur, dass er menschliche Gefühle hat, aber er muss deswegen kein Gutmensch sein.

 

Ohne es genau zu wissen, stelle ich mir vor, dass "das Mittelalter" eine ausgeprägtere Mitleid-Kultur hatte, was allein schon durch die christliche Leidenssymbolik und -ethik begründet zu sein scheint. Es fällt mir schwer, das jetzt mit Beispielen zu belegen. Natürlich handelten die Menschen nicht zwangsläufig besser und selbstloser, aber für mich besteht da auch kein starker Zusammenhang.

 

GH

 

 

 

 

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Ok, zwischen Mitleid fühlen und Mitleid offen äußern und helfen sollte man wohl unterscheiden.

 

Ich hatte letztens ein sehr interessantes Buch über Strafen und Justiz, aber auch über die uns heutzutage brutal erscheinende Denkweise der Menschen im Mittelalter gelesen. Das ergab sehr interessante Denkanstöße fürs Rollenspiel.

 

So waren wohl die besonders schmerzhaften Strafen auch ein Weg um sich zu läutern und doch noch eine Chance auf das Paradies zu erhalten. Des weiteren war natürlich auch die Abschreckung ein Grund. Aber viel weniger als gemeinhin angenommen. Der religiöse Aspekt war wohl der stärkere. Es wird auch von Menschen berichtet die auf eine besonders brutale Hinrichtung bestanden haben, im Glauben damit für  ihre Sünden zu büßen und ins Himmelreich zu gelangen.

 

Gruß

Eike

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@Eike:

 

Gutes Beispiel! Es geht hier also gar nicht um Grausamkeit an sich, sondern um das Sühnen. Deswegen spielte auch der objektive Schuldbeweis nicht die allergrößte Rolle.

 

Im Hochmittelalter entstand ja auch die Idee des Fegefeuers, in der die "Armen Seelen" Läuterung erfahren konnten. Und die Lebenden konnten diesen Toten tätige Hilfe durch Gebete und Messen schicken. Auch die strenge Haltung der Frühchristen wollte man nicht einnehmen und steckte die Seelen der ungetauften Kinder in den Limbus, in dem sie keine Pein leiden mussten, auch wenn sie nie die Herrlichkeit Gottes sehen konnten. Die "guten" Heiden konnten da auch hinkommen, denn auch sie wollte man nicht rundweg verdammt wissen.

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Eben.

Insofern hatte man wohl auch weniger Mitleid mit dem lebenden Menschen und vielmehr mit dessen Seele bzw. dem Seelenheil.

Das Leben ist kurz, das Dasein im Himmelreich währt ewig. da kann man wohl ein paar Schmerzen und Demütigungen hinnehmen, wenn man bedenkt dass man sich für die ewige Glückseligkeit schindet  dozingoff.gif

 

Gruß

Eike

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@Eike: Eben. Und wir Heutigen schinden uns für das diesseitige Glück - koste es, was es wolle.

 

@Detritus: Warum nicht? Wir leiten doch auch sonst alles Mögliche aus dem Historischen ab. Vraidos ist z.B. eine recht nahe Entsprechung zum Christentum. Fernöstlich gibt es den Butsu/Buddha.

 

Gruß

GH

 

 

 

 

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Nun ja, rein theoretisch dürften die Menschen auf Midgard noch viel religiöser sein, da Götter und göttliches Wirken offensichtlich vorhanden sind.

 

Ob man es in sein RSP einfließen lässt kann und soll jeder für selbst entscheiden.

 

Wenn ich mich recht erinnere streben doch auch alle Albai nach einem herrlichen Leben im Jenseits und sind deswegen so strebsam und erfolgsorientiert. Oder die tapferen waelinger, die unbedingt nach ....?....(wie heisst das da noch) wollen.

 

Gruß

Eike, ganzundgarnicht religiös

 

 

 

 

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</span><table border="0" align="center" width="95%" cellpadding="3" cellspacing="1"><tr><td>Zitat (hjmaier @ Nov. 06 2002,15:52)</td></tr><tr><td id="QUOTE">Für die Menschen im Mittelalter war göttliches Wirken genauso real vorhanden wie für Bewohner einer Fantasywelt.

 

Viele Grüße

hj<span id='postcolor'>

Naja, etwas weniger alltäglich waren Wunder doch wohl schon  wink.gif

 

Gruß

Eike

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Das sehe ich nicht so Eike. Jeder kannte jemanden dem die Jungrau Maria erschienen ist, es gibt Berichte in denen Teufelssichtungen gemeldet wurden. Jeder glaubte an solche Dinge. Das aleine zählt. Für die Menschen im Mittelalter waren göttliches Wirken und das schändliche Treiben des Widersachers ganz alltäglich.

 

Viele Grüße

hj

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