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Geschichtswissen der Spielfiguren

Hervorgehobene Antworten

Bin mir nicht sicher, ob das die richtige Stelle ist und auch nicht ob das woanders schon länger besprochen wurde. Auf die schnelle konnte ich nichts passendes finden.
Meine Frage: Über wie viel historisches Wissen verfügt eine Spielfigur als Alltagswissen - also Wissen das sich nicht durch einen Wurf auf Landeskunde oder ähnliches beweisen müsste. Also in meinem Fall ein einfacher Händer aus den Küstenstaaten am Anfang seiner Laufbahn. Ist der Krieg der Magier, die Seemeister etc. etwas von dem quasi jeder schon gehört hat, weil Inschriften und Ruinen davon berichten und die Barden davon singen? Oder ist dies besonders Wissen, was man sich irgendwo erwirbt, aber die breite Masse der Bevölkerung keine Ahnung davon hat.
Wir hatten in der Runde den Vergleich zum irdischen Mittelalter und das Wissen welches Menschen damals z.B. vom römischen Reich hatten. Aber ehrlicherweise habe ich keine Ahnung wie groß das geschichtliche Wissen da war.
Mich würde daher interessieren wie ihr das spielt: Also wenn das Stichwort Seemeister fällt, nicken sich dann eure Spielfiguren (aus der Region) alle wissend zu?
Und um es nochmal zu unterstreichen, mir geht es um das gesellschaftlich durchgesetzten Alltagswissen von einem halbwegs informierten Einwohner einer Stadt.

Bearbeitet ( von arnok)

Soweit ich das Thema überblicke, ist das nicht eindeutig geregelt. Im Zweifelsfall kennt ein Spielweltbewohner zwar Schlagworte, aber keine nennenswerten Zusammenhänge, eher Vorurteile und Legenden. Das ist ja auch in unserer Welt heute noch so.

Selbst ein Magister mit Landeskunde (Land xyz) wird ein Geschichtsbild haben, das von der Voreingenommheit und der etablierten Propaganda seiner Heimat geprägt ist.

Ich habe selbst mal umfängliche Recherchen zu zwei wissenschaftlichen Fragen angestellt, wobei die sich daraus ergebenden Einsichten sehr davon abhängen, wie glaubhaft und seriös die Quellen jeweils sind, über die man dabei stolpert.

Heute glaubt zum Beispiel fast jeder noch, dass die mittelalterlichen Europäer an eine flache Erde geglaubt haben, bis Magellan sie eines Besseren belehrte. Das scheint nicht zu stimmen; in der Welt der Forschung geht heute niemand mehr von dieser Vorstellung aus, selbst Schulbücher aber nach wie vor. In Wirklichkeit scheint es so gewesen zu sein, dass schon die alten Griechen die Kugelgestalt der Erde und sogar den Umfang der Erdkugel halbwegs treffend ermittelt hatten und dies wenigstens der Gelehrtenwelt des mittelalterlichen Europa sehr wohl bekannt war. Ein Streit zwischen Kolumbus und den Gelehrten Portugals und Spaniens scheint es auch nie gegeben zu haben; es handelt sich bei diesem Streit um die freie Erfindung des Schriftstellers Washington Irving aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Gelehrten der damaligen Welt haben den Königen der beiden genannten Länder damals davon abgeraten, Kolumbus zu finanzieren, weil sie richtig erkannt hatten, dass dieser die Größe der Erdkugel massiv unterschätzte. Sie alle kannten nämlich die Berechnungen von Hipparch und Ptolemäus, wonach die Erde über 40.000 km Umfang hat.

Wenn wir heute noch solche Probleme mit dem historischen Wissen haben, muss es auf einer Fantasy-Spielwelt schlimm, sehr schlimm um die Kenntnisse der meisten Menschen stehen.

Das zweite Thema, das meine Neugier geweckt hatte, war das Jagdverhalten von Großkatzen. Im Midgard-Bestiarium heißt es, dass Großkatzen ihre Beute durch Nackenschlag töten und keine Tiere angreifen, die größer sind als sie. Heute gibt es eine Flut von Aufnahmen robotischer Schwebekameras, die durchgehend zeigen, dass Großkatzen ihre Beute durch Kehlbiss erwürgen. Man sieht auch jede Menge Löwinnen, die einzeln große Gnus und Büffel angreifen. Der Sprung in den Nacken dieser Großbeutetiere dient nur dazu, sie zu Fall zu bringen, um sich dann anschließend in der Kehle des Beutetieres festzubeißen, das daraufhin eine recht qualvollen Tod erleidet. Das schockt die Großkatze natürlich nicht.

Bearbeitet ( von Rulandor)

Vor 18 Minuten, arnok schrieb:

Wir hatten in der Runde den Vergleich zum irdischen Mittelalter und das Wissen welches Menschen damals z.B. vom römischen Reich hatten. Aber ehrlicherweise habe ich keine Ahnung wie groß das geschichtliche Wissen da war.

Schau mal hier für ein gutes Beispiel: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergilsagen_des_Mittelalters

Daraus könnte man ableiten, dass in den Küstenstaaten sicher jeder Fischhändler "die Seemeister" kennt, und dass alle dort viele sehr fantasievolle und auch lehrreiche, aber nicht besonders wahre Erzählungen von dem einen oder anderen Seemeister erzählen können. Wenn ein bestimmter Seemeister mal an einem bestimmten Ort war, kann man dort ein dichtes Gewirr aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und heißgeliebten Unwahrheiten über ihn finden.

Ich würde für echte Gelehrsamkeit zum Thema freilich Landeskunde (Seemeister) und Schreiben (Maralinga) voraussetzen.

Vor einer Stunde, Rulandor schrieb:

.... Sie alle kannten nämlich die Berechnungen von Hipparch und Ptolemäus, wonach die Erde über 40.000 km Umfang hat.

...

Nicht ganz richtig. Das mit den 40.000km war Eratosthenes. Ptolemäus übernahm die Berechnungen von Poseidonios, aber der lag weiter daneben (35.500km).

7 Stunden her, Rulandor schrieb:

Heute glaubt zum Beispiel fast jeder noch, dass die mittelalterlichen Europäer an eine flache Erde geglaubt haben, bis Magellan sie eines Besseren belehrte. Das scheint nicht zu stimmen; in der Welt der Forschung geht heute niemand mehr von dieser Vorstellung aus, selbst Schulbücher aber nach wie vor. In Wirklichkeit scheint es so gewesen zu sein, dass schon die alten Griechen die Kugelgestalt der Erde und sogar den Umfang der Erdkugel halbwegs treffend ermittelt hatten und dies wenigstens der Gelehrtenwelt des mittelalterlichen Europa sehr wohl bekannt war. Ein Streit zwischen Kolumbus und den Gelehrten Portugals und Spaniens scheint es auch nie gegeben zu haben; es handelt sich bei diesem Streit um die freie Erfindung des Schriftstellers Washington Irving aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Gelehrten der damaligen Welt haben den Königen der beiden genannten Länder damals davon abgeraten, Kolumbus zu finanzieren, weil sie richtig erkannt hatten, dass dieser die Größe der Erdkugel massiv unterschätzte. Sie alle kannten nämlich die Berechnungen von Hipparch und Ptolemäus, wonach die Erde über 40.000 km Umfang hat.

Und ich denke, das Beispiel zeigt sehr gut, wie dann der vorgeblich wissende und erklärende selbst in die Verstrickungen von Halbwissen und Spekulation gerät.

Es ist z.B. ein himmelweiter Unterschied, was die Gelehrten des Mittelalters vielleicht wussten und was der gemeine Bauer oder Handwerker wusste. Das Bildungsgefälle in einer vorindustriellen Gesellschaft ohne allgemeine Alphabetisierung und Schulpflicht, ohne moderne Medizin und ohne Aufklärung, die zum kritischen Denken anleitet, ist bedeutend größer, als es heute ist.

Es ist also überhaupt nicht sicher, ob ein einfacher Bewohner einer Stadt in den Küstenstaaten Midgards den Begriff Seemeister kennt. Und selbst wenn, dann sind das wahrscheinlich mythische Gestalten aus dem Nebel ferner Vergangenheit.

  • Ersteller
Vor 50 Minuten, Bruder Buck schrieb:

Und ich denke, das Beispiel zeigt sehr gut, wie dann der vorgeblich wissende und erklärende selbst in die Verstrickungen von Halbwissen und Spekulation gerät.

Es ist z.B. ein himmelweiter Unterschied, was die Gelehrten des Mittelalters vielleicht wussten und was der gemeine Bauer oder Handwerker wusste. Das Bildungsgefälle in einer vorindustriellen Gesellschaft ohne allgemeine Alphabetisierung und Schulpflicht, ohne moderne Medizin und ohne Aufklärung, die zum kritischen Denken anleitet, ist bedeutend größer, als es heute ist.

Es ist also überhaupt nicht sicher, ob ein einfacher Bewohner einer Stadt in den Küstenstaaten Midgards den Begriff Seemeister kennt. Und selbst wenn, dann sind das wahrscheinlich mythische Gestalten aus dem Nebel ferner Vergangenheit.

Genau das war auch mein Gedanke. Ich hätte das so gesehen, dass eine Spielfigur sich im Laufe der Abenteuer aus der Masse erhebt, weil sie z.b. solches Wissen (Steigerung Landeskunde) erwirbt. Ich spiele aber halt auch gerne mit dem sense of wonder und mag es nicht, wenn das phantastische in der Welt meine Figur nicht staunen läßt.

Auf der anderen Seite: Wenn ich mit unsterblichen Elfen durch die Straßen ziehen kann, dann sind 900 Jahre Vergangenheit ja in greifbarer Nähe. Und was in der wirklichen Welt nur ein Mythos vom Götterwirken ist, das ist in Midgard ja reale Geschichte. Ich finde enorm schwer das zu denken und zu spielen.

4 Stunden her, arnok schrieb:

Genau das war auch mein Gedanke. Ich hätte das so gesehen, dass eine Spielfigur sich im Laufe der Abenteuer aus der Masse erhebt, weil sie z.b. solches Wissen (Steigerung Landeskunde) erwirbt. Ich spiele aber halt auch gerne mit dem sense of wonder und mag es nicht, wenn das phantastische in der Welt meine Figur nicht staunen läßt.

Auf der anderen Seite: Wenn ich mit unsterblichen Elfen durch die Straßen ziehen kann, dann sind 900 Jahre Vergangenheit ja in greifbarer Nähe. Und was in der wirklichen Welt nur ein Mythos vom Götterwirken ist, das ist in Midgard ja reale Geschichte. Ich finde enorm schwer das zu denken und zu spielen.

Nun leben die Midgard-Elfen zum allergrößten Teil ja auch eher zurückgezogen und unter sich. Ich verstehe das so, dass das Interesse an dem, was die Menschen so treiben, auch eher begrenzt ist und ein großer Teil des Weltgeschehens irgendwas ist, womit sie sich nicht gedanklich belasten möchten.

Und ob die dann ihr Wissen so freigiebig mit den Sterblichen teilen, würde ich auch infrage stellen. Ich stelle mir Elfen, was Menschen anbetrifft, vom Grundtenor eher etwas resigniert vor: Sie sind unbelehrbar und machen eh immer die selben Fehler. Dann lass die mal auch machen.

Einzelne mal ausgenommen. Aber auch bei denen denke ich, dass die nicht unbedingt alles, was sie zuhause aufgeschnappt haben, die Geheimnisse ihres Volkes, unbedarft mit allen teilen. "Das macht man einfach nicht."

Bearbeitet ( von Eleazar)

  • Ersteller

Elf kannst Du auch mit Zwerg oder Gnom ersetzen. Auch die Oral History der Gnome reicht bis in die Zeit der Seemeister. Bei Zwergen dürfte sich die Zeit in der Familiengeschichte noch gut erkennen lassen - also wenn z.b. die Urgroßmutter hier im Kampf getötet wurde etc.

Die Frage ist für mich halt trotzdem gerade bei den Menschen als Eintagsfliegen Midgards: Ist der Krieg der Magier jedem Fischhändler ein Begriff oder tut der sich schon schwer die Gründung der eigenen Stadt vor 300 Jahren verorten zu können?

Ich würde eigentlich immer sagen, dass alles was über 100 Jahre rausgeht zumindest bei Menschen - spieltechnisch gedacht ganz klar in erlernter / erwürfelter Landeskunde begründet ist. Nach meinem Eindruck wird das aber häufig anders gespielt, weil die Spielenden seit 30 Jahren diese zentralen Aspekte aus diversen Abenteuern kennen und das auf ihre Grad 1 Figur übertragen.

Bearbeitet ( von arnok)

Was setzen wir den voraus, wie die Menschen in den Küstenstaaten leben?

Nur wenige können schreiben oder können das doch mehr Leute? Wenn nur wenige Schreiben können, dann gibt es für die meisten eben mündliche Überlieferungen durch Barden, Geschichtenerzählern, Großeltern, Eltern. Märchen, Sagen, Legenden mögen einen kleinen, wahren Kern haben. Aber was aus einer langen Erzählung dann der wahre Kern ist, dürfte bei der Auswahl an geschilderten Namen, Eigenschaften der Personen und Geschehnissen sehr schwer fallen.

Ich würde es so handhaben, dass Gruselgeschichten von Dämonen, Elementaren, Geistern, Seemeistern bekannt sind, ebenso einzelne Namen der Seemeister. Man hält dann eben sowas wie die "Siegfriedsage" und "Bibelgeschichten" für wahr.

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