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Würfeln oder spielen?

Hervorgehobene Antworten

6 Stunden her, Bruder Buck schrieb:

Und ich denke, da du nur deine eigene Spielrunde kennst, kommen mir deine Ausführungen manchmal vor wie von einem Blinden, der über Farbe spricht. Ich bin seit einem viertel Jahrhundert auf Cons unterwegs, plus unterschiedliche private Runden in unterschiedlicher Besetzung, unterschiedlich intensiv im Verlauf der Jahre.

Ich bin beeindruckt, wie gut Du meinst, meine Spielerfahrung einschätzen zu können und dabei zu dem Schluß gelangst, ich würde nur meine eigene Spielrunde kennen...

Alles, was Du über mich weißt, entstammt meinen Posts in diesem Forum - ich glaube nicht, daß wir uns je getroffen oder miteinander gesprochen hätten.
Doch selbst, wenn Dein Wissen über mich sich nur auf meine Posts in diesem Forum stützt, hättest Du die Gelegenheit gehabt, lesen zu können, daß

  • ich seit 38 Jahren Rollenspiel betreibe

  • ich als SL in verschiedenen Runden fungiert habe

  • ich dabei im wesentlichen kaum jemals "Fertig-Abenteuer" abgespult habe, sondern eigene Kampagnen entworfen habe

  • ich als Spieler teil in einer ganzen Reihe von Runden gespielt habe und spiele, auch in internationaler Zusammensetzung

  • sich die Zusammensetzung der Gruppen im Laufe der Zeit geändert hat

  • die Altersstruktur der Spielerinnen und Spieler in meinen Runden (heute) von Anfang 20 bis Mitte 50 reicht

  • ich eine Reihe unterschiedlicher Systeme gespielt habe, spiele und mich mit weiteren beschäftigt habe

  • ich als andere Facette des Rollenspiels auch das LARP kenne - seit nur 30 Jahren

  • ich für das LARP Cons organisiert habe

  • ich für verschiedene LARP-Orgas als Schnittstelle für deren gemeinsamen Hintergrund fungiere (hm, davon habe ich vielleicht nicht gepostet).

  • ich im LARP eine Spielergruppe von 25 Leuten aufgebaut habe, koordiniere und bespiele

  • ich im LARP auf Groß-Cons in extrem exponierter Position für 25 Jahre tätig war

Ja - ich bin wahrlich ein Blinder, was das Thema Rollenspiel angeht!

Und bitte, ich erwarte ganz sicher nicht, daß Du hier im Forum alle (meine) Posts liest, obgleich Du Dich sicher zu den Veteranen und Stammgästen zählen kannst.
Vielleicht wäre ich aber an Deiner Stelle in manchen Urteilen nicht so vorschnell.

Francesco di Lardo

An einer Stelle darf ich noch einmal einhaken:

Ich habe geschrieben (Zitat):
"Glaubst Du, extrovertierte Spieler seien inhärent unfähig, anderen auch Raum für ihr Spiel zu geben?
Wenn ja,
dann ist das falsch."

Also: Es ist nicht richtig, daß extrovertierte Spieler inhärent unfähig sind, anderen auch Raum für ihr Spiel zu geben.

Darauf antwortest Du:

6 Stunden her, Bruder Buck schrieb:

Und aus meiner Erfahrung heraus ist dein kategorisches "das ist falsch" schlicht Unsinn.

Also: Es entspricht Deiner Erfahrung, daß extrovertierte Spieler inhärent unfähig sind, anderen Raum für ihr Spiel zu geben.

Da kann ich nur sagen - es tut mir leid, daß Du diese Erfahrung gemacht hast.
Und ich frage nach: Leitest Du daraus ab, daß alle extrovertierten Spieler inhärent unfähig sind, anderen für ihr Spiel zu geben?

Francesco di Lardo

Vor 9 Minuten, Francesco di Lardo schrieb:

An einer Stelle darf ich noch einmal einhaken:

Ich habe geschrieben (Zitat):
"Glaubst Du, extrovertierte Spieler seien inhärent unfähig, anderen auch Raum für ihr Spiel zu geben?
Wenn ja,
dann ist das falsch."

Also: Es ist nicht richtig, daß extrovertierte Spieler inhärent unfähig sind, anderen auch Raum für ihr Spiel zu geben.

Darauf antwortest Du:

Also: Es entspricht Deiner Erfahrung, daß extrovertierte Spieler inhärent unfähig sind, anderen Raum für ihr Spiel zu geben.

Da kann ich nur sagen - es tut mir leid, daß Du diese Erfahrung gemacht hast.
Und ich frage nach: Leitest Du daraus ab, daß alle extrovertierten Spieler inhärent unfähig sind, anderen für ihr Spiel zu geben?

Francesco di Lardo

Ich bin nicht BB und habe daher den Luxus, mir dessen Worte nicht zu Eigen machen zu müssen.

Ich möchte darauf hinweisen, dass "extrovertiert" kein binärer Schalter ist, der "an" oder "aus" ist. Zwischen ex- und introvertiert gibt es hingegen ein Kontinuum, bei dem die meisten von uns irgendwo auf der Glockenkurve sitzen. "Der extrovertierte Spieler" (ich vermute: tendenziell männlich) in dieser Diskussion dürfte also schon einmal von Anfang an nicht sehr repräsentativ sein, vielleicht sogar (in der absoluten Argumentation oben) Elemente eines Zerrbilds haben.

Ich habe Spieler kennen gelernt, die temporär unfähig waren, anderen "auch" Raum für ihr Spiel zu geben. Ich habe keinen Spieler kennen gelernt, bei dem dies dauerhaft der Fall war. Alle haben irgendwann gemerkt, dass ihr Verhalten nicht gut war, oder wurden von den Mitspielern darauf aufmerksam gemacht (und haben darauf gehört und ihr Verhalten dann, zumindest temporär, angepasst).

5 Stunden her, Godrik schrieb:

Du widersprichst Dir.

grafik.pngNein. Ich widerspreche mir nicht.

Für eine "erfolgreiche Aktion" bedarf es nach meiner Einschätzung die genannten vier Elemente.
Von diesen vier Elementen ist "Rollenspiel" meiner Ansicht/meinem Spielstil nach lediglich der (ge)wichtigste Faktor, der im Mittelpunkt steht - nicht der einzige.

Ich sage nicht: Wichtigkeit/Mittelpunkt Rollenspiel 70%, die anderen drei Elemente je 10%.
Ich sage aber auch nicht: Wichtigkeit/Mittelpunkt Rollenspiel 25%, die anderen drei Elemente auch je 25%.

Was ich sage ist: Wichtigkeit/Mittelpunkt %-Satz Rollenspiel > %-Satz Gewichtung jedes einzelnen der drei anderen Elemente.

Und war vorwiegend bei "sozialen Fertigkeiten", die man im Gegensatz zu einem Schwertangriff auch "ausspielen" kann.

Wird es nun klarer?

Francesco di Lardo

6 Stunden her, Godrik schrieb:

Was nützt mir mein Regelwissen, wenn es zugunsten des Laberkopps beiseite gewischt wird?

Bitte zitiere mich, wo ich das sagen würde.

Abermals:

  1. gute Idee/Plan

  2. Anwendung des geeigneten Werkzeugs (Fertigkeit, Spruch, Gegenstand, Regelwissen, um deren Interaktionen am besten zu nutzen)

  3. Rollenspiel

  4. Würfelwurf

KEINES dieser Elemente wird beiseite gewischt. ALLE VIER werden eingebracht - aber mit unterschiedlicher Gewichtung.

Francesco di Lardo

Vor 18 Minuten, Francesco di Lardo schrieb:

grafik.pngNein. Ich widerspreche mir nicht.

Für eine "erfolgreiche Aktion" bedarf es nach meiner Einschätzung die genannten vier Elemente.
Von diesen vier Elementen ist "Rollenspiel" meiner Ansicht/meinem Spielstil nach lediglich der (ge)wichtigste Faktor, der im Mittelpunkt steht - nicht der einzige.

Ich sage nicht: Wichtigkeit/Mittelpunkt Rollenspiel 70%, die anderen drei Elemente je 10%.
Ich sage aber auch nicht: Wichtigkeit/Mittelpunkt Rollenspiel 25%, die anderen drei Elemente auch je 25%.

Was ich sage ist: Wichtigkeit/Mittelpunkt %-Satz Rollenspiel > %-Satz Gewichtung jedes einzelnen der drei anderen Elemente.

Und war vorwiegend bei "sozialen Fertigkeiten", die man im Gegensatz zu einem Schwertangriff auch "ausspielen" kann.

Wird es nun klarer?

Francesco di Lardo

Spannend. Laut Regelwerk brauche ich nur einen gelungenen Würfelwurf.

Nix anderes.

Mir fällt spontan eine Situation ein:

  1. Der von mir gelenkte Hexer möchte von einer NSpF-Person Informationen erhalten.

  2. Wir sind in einer Magiergilde. Die NSpF ist eine 19jährige Magier-Schülerin, meine Figur ein 26jähriger Tutor in der Magiergilde.

  3. Die Gruppe ahnt, dass die Schülerin mehr weiß als sie sagen möchte. Die Fertigkeit Verhören hat mein Hexer nicht - also hat mein Hexer die Schülerin unter einem Vorwand zu einem Gespräch in seinem Zimmer gebeten, dann erst den Zauber Anziehen (gegen den sie nicht resistiert, weil sie unter Vorwand nicht gegen ihren Willen verzaubert wurde), danach die Fertigkeit Verführen ausgepackt.*

Objektiv mMn. sinnvoll gespielt - aber: Müssen der Spielleiter und der Spieler, die beide männlich und deutlich älter sind, jetzt diese Situation ausspielen?

Spoiler: Wir haben es versucht - und zum Glück sehr abstrakt gehalten.

Bearbeitet ( von dabba)

6 Stunden her, Godrik schrieb:

Wenn der Erfolg meiner Figur von meinen darstellerischen Fähigkeiten abhängt, werde ich weniger Erfolgserlebnisse und damit weniger Spaß haben, wenn ich darüber nicht verfüge.

Wenn der Erfolg Deiner Figur nur von Deinen darstellerischen Fähigkeiten abhängen würde, dann gäbe ich Dir auf der Stelle Recht.

So wie ich es schön finde, hängt Dein Erfolg von mehreren Fähigkeiten ab: 1. Gute Ideen, 2. geeignetes Mittel finden, 3. Darstellung - und nicht zuletzt Glück.

Ich glaube, das die wenigsten Spieler in allen Feldern glänzen (und wenn jemand ständig beim Glück glänzt, möchte ich dessen Würfel haben... 😁)
Der eine hat seine Stärke hier, seine Schwäche dort, der andere umgekehrt, ein weiterer sticht vielleicht nirgends besonders heraus, ist aber dafür sehr breit aufgestellt.

Für die meisten wird sich bei 1. - 3. zusammen eine Art "Durchschnittswert" ergeben. Wonach es nicht fernliegt, daß die "Erfolgsquote" underschiedlicher Leute sich auch nicht wahnsinnig von einander unterscheidet - lediglich der Einfluß der Einzelfaktoren, die einen einzelnen Spieler zum Erfolg führen unterscheidet sich. Was dann auch die vielbeschworene "Mischung" in die Gruppen bringt.

Du hättest also "im Durchschnitt" nicht weniger oder mehr Erfolgserlebnisse als andere - lediglich die Zusammensetzung der Faktoren, die Deine Erfolgserlebnisse bedingen, unterscheidet sich von der von anderen.

Francesco di Lardo

Vor 51 Minuten, Francesco di Lardo schrieb:

Nein. Ich widerspreche mir nicht.

Die beiden zitierten Passagen sagen unterschiedliches aus. Einmal ist ein überragender Erfolg ohne tolles Ausspielen unmöglich, unabhängig vom Würfelergebnis: Zwei Faktoren, von denen der eine den anderen schlägt (zumindest bei sozialen Fertigkeiten).

Und bei dem anderen Zitat ist es eine Kombination von vier Faktoren.

Ich finde es gut, wenn Du in der Lage bist, Deinen Standpunkt in einer Diskussion zu ändern (hier: „bei sozialen Fertigkeiten schlägt das Ausspielen das Würfelergebnis“ zu „Formel mit vier Faktoren, um das Wort Bauchgefühl zu vermeiden“). Es stört mich aber, wenn Du mir unterstellst, ich hätte Dich zuvor nur nicht verstanden.

Vor einer Stunde, Francesco di Lardo schrieb:

Bitte zitiere mich, wo ich das sagen würde.

Siehe das von Dir direkt davor zitierte (erster Teil).

7 Stunden her, Bruder Buck schrieb:

Ich spiele Rollenspiel, weil ich gerne fantastische Gestalten spiele, die Eigenschaften haben, die ich im echten Leben nicht habe. Ich kann in der Realität weder Zaubern, bin kein überragender Schwertkämpfer, kann gar nicht Reiten und eine Frau bin ich auch nicht. Auch werde ich in der Realität sicher nie ein Elf oder ein Halbling sein.

Sehr schön zusammengefaßt! 👍

So geht es mir auch. Und interessanter Weise läßt sich das von Dir gesagte sogar aufs LARP ausdehnen, wo man als "Charakter" ja "real" z.B. auf der Wiese oder auf dem Burghof steht: Ich bin kein wirklich guter Schwertkämpfer, aber die anderen Spieler bzw. deren Charaktere glauben das und haben Angst vor meinem Charakter. Ich bin allerdings gebissen, wenn ich auf einen echten Könner treffe, der mich dann vermöbelt... 😆 Gut, einen Halbling könnte ich im LARP nicht darstellen - bin halt zu groß. Eine Frau auch nicht - beim Pen&Paper spiele ich vielleicht so 40% weibliche Charaktere, fürs LARP würde ich mich dabei aber nicht wohlfühlen (wobei ich sowohl Frauen und Männer kenne, die Charaktere des anderen Geschlechts spielen, teilweise wirklich grandios).

7 Stunden her, Bruder Buck schrieb:

Also haben meine erdachten Gestalten für all das Werte auf ihren Charakterbögen stechen, die ich im Rahmen meiner darstellerischen Fähigkeiten mit Leben fülle, ABER im Zweifelsfall mich darauf berufen kann, dass diese eben Dinge können, die ich in der Realität nicht kann.

Im LARP waren in den Anfangszeiten Charakterbögen (im Vergleich zum Pen&Paper aus ersichtlichen gründen eher einfach gehalten) verbreitet. Auch heute gibt es sie teils noch, wobei der Schwerpunkt auf DKWDDK (Du kannst, was Du darstellen kannst) beruht. Interessanterweise gibt es in unterschiedlichen Ländern teils ganz unterschiedliche LARP-Gepflogenheiten, wo man erst einmal hinterkommen muß, wenn Spieler aus verschiedenen Ländern zusammenkommen.

Aber bei alledem stößt man auch an die Grenzen der Realität: Selbstverständlich gibt es im LARP Magier, die "Feuerbälle" zaubern können. Und noch viel selbstverständlicher wird selbst bei der noch so inspiriertesten Darstellung des Zaubers niemals Feuer durch die Luft fliegen. Eher ein kleiner Softball - was an diesem Punkt wohl dem "Berufen auf den Charakterbogen" entspricht.

Francesco di Lardo

Vor 30 Minuten, Francesco di Lardo schrieb:

Für die meisten wird sich bei 1. - 3. zusammen eine Art "Durchschnittswert" ergeben.

Ich wüsste nicht, wie ich durch das Fehlen darstellerischen Talents bessere Ideen oder passendere Mittel zur Umsetzung hätte. Weiter oben war noch Regelkenntnis erwähnt (ich weiß nicht von wem). Auch das wird nicht besser, wenn ich irgendwas nicht so gut kann.

Puh, ich glaube, wir beide werden uns bei diesem Thema nicht verstehen. Ist auch in Ordnung. Da Du aus verschiedenen Richtungen Gegenwind bekommen hast, würde ich mich ab jetzt gern auf das Lesen beschränken. Dieses „alle gegen einen“ mag ich nicht.

  • Ersteller
1 Stunde her, Francesco di Lardo schrieb:

Und war vorwiegend bei "sozialen Fertigkeiten", die man im Gegensatz zu einem Schwertangriff auch "ausspielen" kann.

Mir war das die ganze Zeit klar. Was ich sage ist: Eine soziale Fertigkeit zu spielen die man nicht hat und dafür ein positives Ergebnis erwartet ist schlechtes Rollenspiel. Weil man genau dann seine Rolle nicht spielt.

Gutes Rollenspiel ist zu würfeln, schauen was das Ergebnis ist und dann dieses Ergebnis zu spielen. Und egal wie man bei Beredsamkeit stottert, Erfolg ist Erfolg.

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