Jump to content

Jorgarin

Mitglieder
  • Content Count

    121
  • Joined

  • Last visited

About Jorgarin

  • Rank
    Mitglied
  • Birthday 07/16/1967

Contact Methods

  • Website URL
    http://wiki.spacegothic.net

Persönliches

  • Vorstellung-Url
    http://www.midgard-forum.de/forum/showthread.php?t=13865
  • Name
    Gerhard
  • Wohnort
    Bad Schwalbach
  • Interessen
    Meine Frau, meine Hunde, Musik, Rollenspiel, Reisen, Tabletop, Lesen, Kochen, Essen gehen
  • Beruf
    Steuerberater
  1. Dieses Informationsblatt soll den Spielern dabei helfen, sich in ihren Charakter hineinzuversetzen und dem Spielleiter dabei helfen, den Hintergrund der Abenteurer in eine Kampagne einzubinden. Viel Spaß damit!
  2. @ Blaues Feuer: Danke sehr, Myrkgard habe ich. Aber Myrkgard hat sich ja sehr viel früher in eine andere Richtung als Midgard entwickelt. Ich würde gerne ein wenig darüber herumspinnen, wie das Midgard Stand jetzt in 200 bis 300 Jahren aussehen könnte. Myrkgard hat ja ganz andere Voraussetzungen. Edit: @ Eleazar: genau in die Richtung würde ich gerne weiterspinnen.
  3. Hallo miteinander, entschuldigt die Thread-Nekromantie, aber im Moment bin ich sehr fasziniert von der Rokoko-Epoche im Rollenspiel (so mit Absolutismus, Dreispitz, Pulverdampf, Kolonien und allem was sonst noch dazugehört). Und grübele so darüber nach, die die Midgard-Welt 200 bis 300 Jahre nach dem Status Quo aussehen könnte. Welche Nationen machen das Rennen, welche gehen unter? Die Küstenstaaten wären aus meiner Sicht ein guter Kandidat, zu einer bedeutenden Handelsmacht zu werden, aber haben sie auch das Potential zu militärischer Größe? Schütteln sie die Verbindung zu Valian endgültig ab oder drehen sie gar den Spieß um? Hat eine der bestehenden Religionen (z.B. aus Chryseia) das Potential, andere Nationen so zu infizieren, dass sie sie für sich übernehmen? Oder wird Chryseia vielleicht albische Kolonie? Tendenzen dafür sind ja teilweise schon erkennbar. Hat Alba das Potential, unter einem Herrscher, der die Clans eint, zur dominierenden Großmacht zu werden? Falls sich jemand Gedanken darüber gemacht hat oder sogar schon Runden vor dem Hintergrund eines fortgeschrittenen Midgard gespielt hat, würde ich mich über Anregungen freuen. Viele Grüße Jorgarin
  4. Hallo, ich bin mitten im ersten Band und begeistert. Was mir besonders gut gefällt: Die Sprache ist angenehm modern. Nicht der übliche Pseudo-Mittelalter-Marktsprech. Für meinen Geschmack hat der Übersetzer hervorragende Arbeit geleistet. Der Schreibstil ist erfrischend. Weit davon entfernt, theatralisch zu sein. Trieft stellenweise vor Ironie. Etwa so, als hätte Terry Pratchet versucht, einen ernsthaften Fantasy-Roman zu schreiben und hätte es fast geschafft. Die Hauptcharaktere Logan, Jezal und Glotka sind mit viel Liebe charakterisiert und durch die vielen Facetten ihrer Persönlichkeiten sehr interessant. Im Moment neben Game of Thrones mein Favorit. Grüße Jorgarin
  5. In einer einige Monate zurückliegenden Runde bei einem von mir sehr geschätzten Spielleiter begab es sich, dass mein von mir ebenfalls sehr geschätzter valianischer Magier von einer Meerjungfrau (Jungfrau erscheint mir in diesem Zusammenhang jedoch eher unangebracht) erfolgreich verführt und in ihr schlüpfriges Bett gelockt wurde. Das Ereignis war mir äußerst unangenehm, da es konträr zu meinem Charakterkonzept eines an fleischlichen Gelüsten absolut desinteressierten, machthungrigen und wissensdurstigen Menschen stand. Hätte die Nixe versprochen, ihm ihre Sammlung magischer Artefakte zu zeigen, wäre ihr der junge Magier mit Freuden und – bei misslungener Sb-Probe – unter Missachtung sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen gefolgt. So hinterließ die Szene bei mir einen faden und sehr unbefriedigenden Nachgeschmack. Allein, woher sollte es mein Spielleiter wissen? Er handelt gemäß den Regeln des von uns gewählten Rollenspielsystems, und dieses impliziert nun einmal Situationen, in denen die Charakterautonomie temporär vom Spieler zum Spielleiter wechselt. Es ist also ein systemimmanentes Problem, und demzufolge wohl nur durch eine entsprechende Gruppenkonvention – aka Hausregel – in den Griff zu bekommen. Ein Hinweis zwischendurch: Wer der Meinung ist, dass alles prima ist und keine Probleme damit hat, dass Charaktere mit niedriger Sb unkontrolliert in der Gegend herumhuren, -saufen und -fressen müssen, wann immer dem Autoren des jeweiligen Abenteuers oder dem amtierenden SL der Sinn danach steht, wird diesen Artikel kaum interessant finden. Er ist mehr für diejenigen gedacht, die sich für ihre Charaktere ein Konzept entwickeln und wenig Begeisterung empfinden, wenn dieses sich aufgrund einer verpatzten Versuchungsprobe oder inflationär herumlaufender Verführer/-innen bzw. Silberzungen in Wohlgefallen auflöst. Führen wir uns zunächst einmal die Regeln (DFR Seite 34 unten rechts) vor Augen: Die Sb sagt uns, wie leicht unser Abenteurer Versuchungen erliegt – zum Beispiel einem hübschen Gesicht, einer Flasche guten Weines... etc. Das gibt dem SL zunächst einmal, wenn man es unkritisch betrachtet, ein mächtiges Werkzeug an die Hand. Daneben sollte man auch einen kritischen Blick auf die Fertigkeiten Beredsamkeit und Verführen werfen, wobei (und das wird gerne vergessen) das Verführen von Spielercharakteren bereits im Regelwerk (Seite 191) einer Beschränkung unterliegt. Hier steht mit keiner Silbe, dass der Verführte in irgendeiner Form seine Handlungsautonomie verliert und Dinge tun muss, die er eigentlich nicht tun möchte. Es wird vielmehr dem SL auferlegt, den NSC so zu spielen, dass er für den betroffenen Charakter eine Verführung darstellt. Insofern ist Verführen bei richtiger Regelauslegung für unser Charakterkonzept gar nicht so bedrohlich, wie es zu nächst erscheinen mag. Die Beschreibung von Beredsamkeit sagt hingegen nichts Spezielles über die Anwendung auf Spielercharaktere aus. Da jedoch bei den Versuchungsregeln im Kompendium ausdrücklich erwähnt wird, dass hier ausnahmsweise die Kontrolle über die Spielerfigur vom Spieler auf den Spielleiter übergeht, liegt die Vermutung nahe, dass es sich mit der Beredsamkeit wie mit dem Verführen verhält, ein Erfolg also den Spielleiter dazu verpflichtet, dem Spieler die Ideen der Silberzunge entsprechend schmackhaft zu machen. Wenden wir uns also dem letzten und härtesten Gegner unseres Charakterkonzepts zu: der Selbstbeherrschung. Hier stehen wir, wie oben erwähnt, in der Tat vor dem Problem, dass die Regeln (zumindest die Erweiterungsregeln im Kompendium) Situationen vorsehen, in denen unser Abenteurer zum unkontrollierten Werkzeug des Spielleiters werden kann. Das kann und will ich so nicht unangefochten stehen lassen. Sicherlich richtig ist, dass, wenn wir nach den unmodifizierten Regeln spielen, die Sb nun einmal da ist und bei regelkonformem Spiel auch entsprechende Beachtung finden sollte. Nur ist Versuchung ein sehr dehnbarer Begriff, und es wäre falsch, die Entscheidung darüber, was für unseren Abenteurer eine Versuchung darstellt, dem Spielleiter zu überlassen. Ob er sich nun von einem drallen Knabenpopo, einem anmutigen Schaf, einer holden Dame, einer Flasche Zwergenschnaps oder einem Haufen Geschmeide in Versuchung führen lässt: Das letzte Wort über das Verhalten unseres Abenteurers – wenn er nicht gerade mittels Macht über Menschen als Marionette eines NSC-Zauberers herumtanzt – sollte bei uns liegen. Ein Priester des Alaran mit einer niedrigen Sb wird nicht zwangsläufig die selben Dinge verführerisch finden wie ein waelischer Bandit. Und nicht jeder Glücksritter muss sich zwangsläufig zu Kindfrauen mit üppiger Oberweite hingezogen fühlen. Vielleicht sind ja reife Herren eher nach seinem Geschmack. Aber: Damit das letzte Wort bei uns liegen kann, muss auch das erste bei uns liegen. Demzufolge ist es unsere Verantwortung als Spieler, dem Spielleiter entsprechende Richtlinien an die Hand zu geben, mittels derer er abschätzen kann, was für uns eine überhaupt eine Versuchung darstellt. Tun wir dies nicht, wird es irgendwann zwangsläufig zu unschönen Situationen wie der eingangs beschriebenen Nixenverführung kommen. Als ich übrigens bei einem späteren Abenteuer meinen Spielleiter darauf hingewiesen habe, dass mein Magier von fleischlichen Gelüsten nichts hält und wo meiner Meinung nach seine Schwächen liegen, hat er dies sofort und ohne Widerspruch akzeptiert und mich entsprechend angespielt. Es ist also, wie so vieles, eine Frage der rechtzeitigen Kommunikation. Lösungsvorschlag: Versuchungspunkte und Schwachstellen Wir haben also unseren frisch erschaffenen Abenteurer, und wir haben soeben seine Sb ermittelt. Ist der Wert sehr niedrig, dann wissen wir, dass unser Abenteurer moralische Schwachstellen hat, also Eigenschaften, die ihn bei der Erfüllung seiner Aufgaben behindern können (und wahrscheinlich auch werden). Hat er einen sehr hohen Wert, dann ist er äußerst zielstrebig, und es wird wenig (bei Sb 100 mutmaßlich gar nichts) geben, was ihn von der Erfüllung einer Aufgabe abhalten kann. Im Folgenden stelle ich ein einfaches System vor, diese Gedanken in Werte zu fassen, die dem SL nicht nur einen Versuchungsspielraum bieten, sondern auch Auslöser äußerst interessanter und für beide Seiten befriedigender Spielsituationen werden können. Wir ermitteln für unseren Abenteurer Versuchungspunkte, und zwar nach der Formel: Versuchungspunkte = (100-Sb)/10 Wie bei Midgard üblich, wird zu Ungunsten des Spielers gerundet. Demnach erhält ein Abenteurer mit Sb 100 gar keine Versuchungspunkte, während einer mit Sb 10 satte 9 Punkte bekommt. Diese Punkte werden nun Schwachstellen zugewiesen, wobei eine Schwachstelle bis zu 3 Punkte erhalten kann. Die Schwachstellen überlegt sich der Spieler selbst in Anlehnung an sein Charakterkonzept und notiert sie auf der Rückseite seines Charakterbogens und des Spielleiterbogens. Je höher der Wert der Schwachstelle, desto größer das Potential, dass der Abenteurer aufgrund von Versuchungen seine Pflicht vernachlässigt oder andere Pläne fallen lässt. Und desto gravierender auch die Taten, die er dafür zu tun bereit ist. Ein Wert von 1 zeigt, dass er eine kleinere Pflichtverletzung begehen würde, wenn ein entsprechender Anreiz da wäre. Ein Wert von 3 bedeutet, dass der Abenteurer bis hin zum Hochverrat alles tun würde, um sein Verlangen zu stillen. Der Vorteil an diesem System ist, dass es bei einer verpatzten Probe aufgrund der Bereitschaft des Spielers, sich auf diese Schwachstellen einzulassen, noch nicht einmal zu einer Übernahme durch den SL kommen muss. Beispiel 1: Hanno Caerula, Magier aus Valian, hat eine Sb von 25, was ihm 8 Versuchungspunkte einbringt. Ich verteile diese wie folgt: - Geheimwissen über die Seemeister: 2 - Magische Gegenstände: 1 - Gesellschaftliches Ansehen: 2 - Machthunger: 3 Wenn Hanno von einem schmierigen Krämer mit dem Versprechen, ihm geheime Dokumente aus der Seemeisterzeit zu zeigen, von seinem Posten gelockt wird, ist das für mich schlüssig. Wenn hingegen eine prallbusige Schönheit mit ihren Reizen winkt, wird ihm das allenfalls ein müdes Gähnen entlocken. Beispiel 2: Jorgarin, Händler aus Orsamanca, hat eine Sb von 15 und somit 9 Versuchungspunkte. Ich verteile sie wie folgt: Schöne Frauen: 2 Erlesene Speisen: 1 Erlesene Weine: 1 Seltene Bücher: 2 Reichtum: 3 Jorgarin ist mehr so der Klassiker, wie ihn der Autor der Versuchungsregeln im Kompendium wohl im Sinn gehabt haben mag. Für eine Flasche Tevarrischer Beerenauslese lässt er schon mal Fünfe gerade sein, und wenn ihm jemand genug Gold anbietet, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er während eines Auftrags die Fronten wechselt. Tabus Tabus stellen eine Erweiterung der Versuchungspunkte-Regel dar. Neben seinen Schwachstellen notiert der Spieler auch Dinge, die sein Abenteurer auf gar keinen Fall tun würde, weil sie seiner Natur zuwider laufen. Diese Tabus sollte der Spielleiter unbedingt beachten, und sie helfen ihm auch bei der Anwendung von Fertigkeiten und Zaubern der NSCs, die ja hin und wieder davon abhängig sind, ob jemand gezwungen wird, wider seine Natur zu handeln oder nicht. Tabus könnten beispielsweise sein: - würde niemals morden/foltern/schänden/Verrat begehen, - keinerlei Interesse an sexuellen Ausschweifungen, - desinteressiert an materiellem Reichtum, - Vegetarier, - Pazifist, - Feigling, - Abstinenzler, etc. Die Anzahlt der Tabus, die ein Spieler für seinen Abenteurer notiert, sollte begrenzt sein, um übersichtlich zu bleiben und ihn prägnanter zu charakterisieren. Falls jemand aus der geneigten Leserschaft einen Vorschlag hat, wie man eine Begrenzung der Tabus aus den Charakterwerten ableiten könnte, wäre ich dankbar. Ein Wort zum Schluss: Natürlich werden manche Leser auf den Gedanken kommen, dass man sich durch die Schwachstellen-Regelung gegen Versuchungen immunisieren könne, indem man bewusst völlig absurde und mutmaßlich nur einmal in 10 Jahren anspielbare Schwachstellen wählt. Hier ist natürlich die Bereitschaft zu abwechslungsreichem und in sich schlüssigem Rollenspiel gefordert. Wer zu abstrakte Schwachstellen wählt, outet sich darüber hinaus bei seinen Mitspielern als "Memme" und wird schon am entsprechenden Spott zu knuspern haben. Abgesehen davon können natürlich auch gerade exotische Schwachstellen dem SL einen willkommenen Aufhänger für ganz besonders heimtückische Versuchungen bieten. Nur die Praxis wird zeigen, ob mein Konzept funktionsfähig ist. Das war es zunächst, ich hoffe, es hat dem einen oder anderen gefallen. Für Anregungen und Denkanstöße wäre ich dankbar, und wenn ich Eurer Meinung nach an der einen oder anderen Stelle völlig auf dem Holzweg sein sollte, würde ich mich auch über entsprechende Kommentare freuen. Es grüßt Euch Jorgarin
  6. Hallo miteinander, immer wieder fällt mir auf, dass die langfristige Kampagnenmotivation in vielen Runden etwas dürftig ausfällt und teilweise wenig glaubwürdig ist. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass sich viele Spieler nur wenig Gedanken um die Hintergründe ihrer Abenteurer machen. Und wenn sie es tun, gibt es oft für einen Gruppenhintergrund und wirklich große gemeinsame Ziele keinen Raum. Kein Wunder, sind doch die meisten Gruppen wild zusammengestückelte Haufen von Abenteurern jeglicher Ausrichtung aus aller Herren Länder, die sich, wenn man es genau nimmt, in den meisten Fällen nicht mal flüssig miteinander unterhalten könnten. Wer nun die Schultern zuckt und „na, und wenn schon“ denkt, kann sich ruhig anderen Themen zuwenden. Wer aber auch der Meinung ist, dass ein stimmiger Hintergrund und ein großes gemeinsames Ziel eine tolle Basis für eine grandiose Kampagne sein könnten, die von Spielern und verschiedenen Spielleitern miteinander mit großem Spaß gestaltet werden kann, ist herzlich eingeladen, sich hier einzubringen. Blut ist dicker als Wasser. Und insbesondere in mittelalterlichen Gesellschaften, die ja eines der größten Vorbilder für Rollenspiel-Hintergründe sind, zählen Familienbande zu den stärksten überhaupt. Mit großer Begeisterung habe ich George R. R. Martins „Ein Lied von Eis und Feuer“ gelesen, in dem in einer an das feudale England angelehnten Fantasy-Gesellschaft die mächtigen und weniger mächtigen Familien um Macht, Einfluss oder das nackte Überleben ihrer Häuser kämpfen. Naheliegend, einmal zu schauen, ob sich so etwas für Midgard umsetzen lässt. Geeigneter Schauplatz ist – natürlich – Alba. Hier haben wir eine große Menge kleinerer und größerer Clans, die gegeneinander intrigieren und sich teilweise auch in offener Feindschaft gegenüberstehen. Ich stelle daher vor: Alba – Ruf des Blutes Die Spieler repräsentieren den Haushalt eines Syres aus einem kleineren Clan, der einem der mächtigen größeren Clans wie Rathgar oder Beorn mit Treueschwüren verbunden ist. Der Syre und seine Gattin (falls er nicht verwitwet ist) sind NSC. Über ihre Handlungen entscheiden die Spieler entweder gemeinsam oder, wenn alle damit einverstanden sind, der jeweils amtierende Spielleiter. Alle anderen Angehörigen des Haushalts, vom Erben bis hinunter zur kleinsten Küchenmagd, sind entweder als Protagonisten oder als Nebenrollen (aka „Rothemden“) spielbar. Wir sind unser eigenes Schicksal Einer der Grundgedanken hinter diesem Spielkonzept ist es, dass der Spielleiter keine dominante Rolle darin einnimmt. Zum einen sollte das Spielleiteramt regelmäßig durch die Spielrunde rotieren, damit jeder Teilnehmer aktiv an den Geschicken seines Hauses mitwirken kann. Darüber hinaus ist der jeweils amtierende Spielleiter während einer Abenteuerepisode lediglich derjenige, der die Gegner und Herausforderungen repräsentiert. Es steht ihm weder zu, allein über die Örtlichkeiten innerhalb der Landmarken des Syre zu entscheiden, noch über deren Bevölkerung. Die Ländereien der Familie der Abenteurer (ich werde künftig die stimmungsvollere Bezeichnung „Haus“ dafür verwenden) und die Familienmitglieder sowie ihre Bediensteten und Hörigen sind eine Spielressource, die allen gemeinsam gehört. Zu Beginn werden die Charaktereigenschaften der meisten wichtigen Persönlichkeiten von den Spielern in gemeinsamer Absprache festgelegt. Treten während des Spiels zum Haus gehörige Rothemden auf, so skizzieren die Spieler kurz, wie sie sich die Charakterzüge des betreffenden vorstellen (falls nötig). Spieler und Spielleiter sind an ihre gemeinsame Entscheidung gebunden. Im Falle von Unstimmigkeiten während einer laufenden Episode hat der Spielleiter als Schiedsrichter das letzte Wort, um zu lange Diskussionen zu vermeiden. Anders sieht es selbstverständlich beim Spielen von Kaufabenteuern mit einer vorgegebenen Handlung aus. Hier haben die Spieler zu den Beweggründen der vorgegebenen NSC und die beschriebenen Örtlichkeiten kein Mitspracherecht. „So viele Freiheiten für die Spieler?“, werden sich jetzt manche fragen. „Ist das nicht zu viel? Und ist das denn überhaupt spannend, wenn alles so ist, wie die Spieler es wollen?“ Zunächst denken die Spieler nicht mit einem gemeinsamen Kopf. Schon allein dadurch, dass jeder versuchen wird, ein Stück von sich in die Kampagne einzubringen, wird es immer wieder zu überraschenden Wendungen kommen. Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass die Spieler, die sich für Ruf des Blutes entscheiden, so viel Erfahrung mit und Anspruch an Rollenspielrunden haben, dass sie wissen, dass es völlig öde wäre, wenn alles glatt liefe und keine Probleme aufträten. Aber wir wollen Probleme. Wir wollen, dass unser Haus bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit von inneren und äußeren Feinden durch Hinterlist, Intrige, Sabotage und nackte Gewalt angegangen wird. Wir wollen einen Balanceakt auf des Messers Schneide, wir wollen, dass unsere Familienmitglieder in schlimme und schier ausweglose Situationen geraten, in denen wir all unser Können einsetzen müssen, um sie zu retten. Und wir wollen auch scheitern können. Wir sind die Hauptpersonen eines Familiendramas, und das sollte ein gerüttet Maß an MacBeth und Richard III. zum Inhalt haben. „Aber wer hindert denn dann die Spieler daran, ihr Haus groß, reich und mächtig zu machen, wenn der Spielleiter das nicht soll?“ Und warum sollte er? Warum sind so viele Spielleiter der Meinung, es sei ihre heilige Pflicht, die Ressourcen der Spieler klein zu halten? Warum sollte es Spaß machen, immer wieder nur die hungernden Abenteurer zu mimen, die von der Hand in den Mund leben und darauf angewiesen sind, dass Ihnen ein Auftraggeber eine hohe Belohnung anbietet, die ihnen der Spielleiter hinterher sowieso wieder für Lehrmeister, Lebenshaltungskosten, Zölle und Ähnliches abknöpft? Wenn die Gruppe für sich entscheidet, dass ihr Haus reich und mächtig ist, dann will sie das so. Und dann ist es auch ihr Recht. Außerdem macht es das Konfliktpotential noch größer, denn je mächtiger und bedeutender ein Haus ist, desto mächtiger und bedeutender sind auch seine Feinde, und desto härter sind die Bandagen, mit denen gekämpft wird. Würde sich ein Laird MacRathgar für einen völlig unbedeutenden Syre interessieren, der auf einer abgelegenen Bergkuppe ein paar Schafe hütet und zu wenig Gold hat, um auch nur ein paar Bewaffnete unterhalten zu können? Nein, er interessiert sich nur für Feinde, die mächtig genug sind, um eine Gefahr für ihn darzustellen und er schließt nur Bündnisse mit denen, die etwas für ihn erreichen können. Achtung: Verweise auf das Quellenbuch Alba – Für Clan und Krone mache ich im Folgenden mit „AQ“ (Alba-Quellenbuch) und Seitenangabe. Schritt 1: Das Haus Bei der Ausarbeitung ihres Hauses haben die Spieler freie Hand. Einen Spielleiter gibt es in diesem Stadium der Kampagne noch nicht. Gemeinsam entscheiden sie sich für einen Clan (Liste AQ Seite 89), wobei die fünf großen vermieden werden sollten, um nicht zu häufig mit den offiziellen Midgard-Publikationen anzuecken. Der Liste im Quellenbuch kann man Details zu Wappen, Farben und amtierendem Laird des Clans entnehmen. Das Wappen unseres Hauses sollte eine Variation des Clanswappens darstellen. Hintergrundinformationen zu Wappen und Siegeln gibt der Quellenband „Barbarenwut und Ritterehre“. Nun braucht das eigentliche Haus noch einen Namen, üblicherweise den der Region, in der die Hausburg steht, oder den Namen der Burg selbst. Dieser Name wird bei offiziellen Anlässen dem Clansnamen angehängt (z. B. MacRochal of the Woods). Schließlich sollte man sich noch entscheiden, wo die Hausburg steht und ob das Haus der Spieler als ehrenhaft oder verrufen gilt oder ob es keinen besonderen Ruf genießt. Schritt 2: Der Syre Zeit, sich Gedanken über den alten Syre zu machen. Was sind seine Charakterzüge? Was seine Ziele? Ist er ein treuer Bundesgenosse seines Laird, oder eher ein wackliger, der vielleicht sogar selbst nach dem Amt des Laird schielt? Liebt er seine Kinder? Ist er freundlich zu seinen Untertanen, oder regiert er seinen Haushalt mit brutaler Strenge? Ist er verheiratet oder verwitwet? Hat er viele Bastarde gezeugt? Diese Gedanken sollte man zunächst in Stichworten zu Papier bringen. Sie können später genauer ausgearbeitet werden. Schritt 3: Protagonisten Die Spieler überlegen, welche Protagonisten im Haushalt leben und wer welchen von ihnen als Hauptrolle verkörpern möchte. Die Hauptrolle sollte ein Erwachsener sein. Falls es Streitigkeiten um eine Rolle gibt, trägt jeder der Anwärter vor, wie er sich die Verkörperung der Rolle vorstellt. Danach entscheiden die Spieler mit einfacher Mehrheit, wer die Rolle zugesprochen bekommt. Neben seiner Hauptrolle wählt jeder Spieler auch ein Kind oder einen Jugendlichen als Nebenrolle. Folgende Rollen können für Protagonisten vergeben werden: Erbe, legitime Geschwister des Erben, Bastardgeschwister des Erben, Hausgäste (z.B. Geiseln, Knappen, Mündel), Onkel/Tanten des Erben, Cousins/Cousinen des Erben, Gelehrter, Hauptmann der Wache, Waffenmeister, Kastellan, Wildhüter. Die Spieler erschaffen ihre Protagonisten nach den normalen Midgard-Regeln. Um sie von den Rothemden und den Nebenrollen abzuheben, erhält jeder von Ihnen genug FP, um seinen Charakter auf Grad 3 zu steigern. Außerdem sollten sie ihren Figuren mindestens einen markanten Charakterzug geben, wobei bei mehreren der Hauptcharakterzug markiert werden sollte. Die Liste in Beitrag #2 gibt einen Überblick über mögliche Charakterzüge, um die Auswahl zu erleichtern. Die Charakterzüge sind in Stärken und Schwächen unterteilt. Falls sich die Spieler entscheiden, ein Haus von üblem Ruf zu verkörpern, muss jeder von ihnen mindestens eine Schwäche wählen. Ansonsten ist niemand gezwungen, seinem Protagonisten Schwächen zuzuordnen, aber natürlich ist ein Charakter mit Schwächen vielschichtiger und interessanter zu spielen als einer, der nur über Stärken verfügt. Das Schicksal Nun, da wir eine Menge über das Haus und seine Mitglieder wissen, wird es Zeit, dass wir uns Gedanken über das Schicksal des Hauses machen. Wir benötigen eine dunkle Bedrohung, die wie ein Damoklesschwert über den alten Mauern schwebt. Eine Blutfehde aus finsterer Vergangenheit? Ein nicht greifbares Monster, das über unsere Ländereien herfällt und sich an den Mitgliedern des Haushalts nährt? Ein Fluch vielleicht, der Mitglieder der Familie zu Vampiren oder Werwesen werden lässt? Unstillbarer Ehrgeiz, der wie ein unheiliges Feuer in den Herzen der Familie brennt? Oder sogar eine Kombination daraus? Verräter Ein interessanter Aspekt des Familienschicksals kann ein Verräter sein, der von einem Konkurrenten des Hauses gekauft oder in den Haushalt eingeschleust worden ist. Die Motive des Verräters können unterschiedlichster Natur sein, sei es nun Habgier oder die Angst um einen Verwandten, der vom Gegner des Hauses als Geisel gehalten wird. Falls die Spieler gemeinsam beschließen, dass sie mit einem Verräter spielen wollen, ist dies eine freiwillig dem jeweils zuständigen SL übertragene Ressource. Es wird an dieser Stelle noch nicht entschieden, wer der Verräter sein soll. Der SL, der sich entschließt, den Verräter zu aktivieren, hat dabei freie Hand. Er darf lediglich keinen einem Spieler fest zugeteilten Charakter verwenden, es sei denn, der betreffende Spieler kommt auf ihn zu und bittet ihn darum. Damit es nicht von Verrätern wimmelt, sollte der SL, der sich entscheidet, einen Verräter zu aktivieren, dies der Gruppe mitteilen. Er teilt nicht mit, wen er als Verräter vorgesehen hat, sondern dass er dieses Thema in seinen Episoden aufgreifen will. Damit wird verhindert, dass verschiedene SL unterschiedliche NSC als Verräter aufbauen. Die Abenteuer Die Abenteuer sollten kurze Episoden sein, durch die sich wie ein roter Faden das Familienschicksal, zieht. Im Idealfall sollten sich die Mitspieler in der Rolle des Spielleiters abwechseln, damit jeder seinen Protagonisten regelmäßig spielen kann. Hier zeigt sich die Stärke des Kampagnensystems: Protagonisten von Spielern, die bei einer Sitzung nicht mitmachen können, haben in dieser Episode eben keine tragende Rolle. Sie sind abwesend oder liegen unpässlich in ihrem Schlafgemach. Ist die Episode beim nächsten Mal, wo sie anwesend sind, noch nicht zu Ende, können sie in die Rolle von Rothemden schlüpfen und trotzdem mitmachen. Und wenn eine der Hauptpersonen stirbt, gibt es noch genügend andere Protagonisten, die sich der betroffene Spieler ausarbeiten kann. Wichtig ist auch, dass sich die tragenden Rollen abwechseln. Ist in einer Episode der junge Erbe Held eines Ritterturniers gewesen, so sollte sich die nächste Episode beispielsweise um geheimes Wissen drehen, damit der Gelehrte seinen großen Auftritt hat. Es gibt unzählige Abenteuermöglichkeiten. Intrigen verfeindeter Häuser, eine bevorstehende Laird-Wahl, Viehdiebstähle, Spione, Angriffe von Orks, Banditen oder Raubrittern, Entführungen, Bauernrevolten, kriegerische Handlungen zwischen den Clans, Waelingerangriffe, Diebstahl der Familienwaffe, Turniere, Duelle um die Ehre, Romeo und Julia. Und in all dem bilden die Spieler eine durch Blut und Lehnstreue zusammengeschweißte Gemeinschaft, die aus glaubwürdigen Motiven heraus Schulter an Schulter gegen alles antritt, was ihnen der jeweilige SL als Herausforderung entgegen wirft. Auch für Kaufabenteuer bieten sich immer wieder Anknüpfungspunkte an den Kampagnenhintergrund. Viele Midgard-Abenteuer spielen in Alba, und in vielen können die Hauptdarsteller vom Syre zur Vertretung der Interessen ihres Hauses losgeschickt werden. Und in vielen Fällen spart man sich das mitunter peinliche und unmotivierte Feilschen um die Entlohnung oder die krampfhafte Suche nach einem gemeinsamen Aufhänger. Der Syre hat von einer wertvollen Sichel in einem alten Hügelgrab gehört und möchte sie an sich bringen? Er schickt seinen Erben und dessen Gefährten los, und dieser macht sich ohne Widerworte auf den Weg, weil sein Hoher Vater es von ihm verlangt. Gold ist ohnehin nicht der Aufhänger für die Abenteuer. In der Regel wird das Land genug abwerfen, um alle zu ernähren und auszurüsten. Die meisten Fertigkeiten wird man von einem Untergebenen kostenlos lernen können. Wenn es doch einmal um Gold geht, dann geht es um richtig viel Gold, um die Macht des Hauses zu stärken. Und der SL muss sich keine Gedanken darüber machen, wie er es verhindert, dass seine Gruppe genug Reichtum anhäuft, um eine Burg zu kaufen und Soldaten anzuwerben – sie haben beides schon. Gaststars Insbesondere dann, wenn ein Protagonist stirbt oder längerfristig verhindert ist, besteht die Möglichkeit, andere Charaktere des betroffenen Spielers mit Gastauftritten in die Hauskampagne einzubeziehen und für eine oder ein paar Episoden mitspielen zu lassen. Möglichkeiten dafür gibt es schier unendlich viele. Im Folgenden sind nur ein paar Beispiele aufgeführt: Ein Hexenjäger hat einen Schwarzhexer auf das Land des Syre verfolgt und bittet um Unterstützung bei dessen Festnahme. Der Sohn eines twyneddischen Häuptlings, dessen Krieger immer wieder die Ländereien des Syre plündern, wurde bei einem Überfall auf ein Dorf gefasst und wird als Geisel festgehalten, um seinen Vater in Schach zu halten. Der Sohn oder die Tochter eines ausländischen Handelspartners des Laird möchte die Region bereisen und benötigt Geleitschutz. Ein Zwergenfürst schickt seinen Sohn als Unterhändler auf die Hausburg. Ein fahrender Barde macht Halt auf der Burg und bietet seine Künste als Gegenleistung für ein paar tage Verpflegung und Unterkunft. Und wenn sich in dieser Zeit ein Abenteuer ergibt, ist das für ihn willkommener Stoff für eine neue Geschichte. Hausdatenbank Falls hinreichend Interesse besteht und die Boardadministration des Midgard Forums die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellt, können Gruppen, die nach dem Ruf des Blutes-System spielen, ihre Häuser jeweils in einem eigenen Thread vorstellen. In gegenseitiger Abstimmung können sie ihre Häuser gegenseitig als Freunde oder Feinde in ihren Hintergrund einarbeiten. Denkbar sind auch hausübergreifende gemeinsame Abenteuer im Rahmen von Spielertreffen oder Cons (der Laird hält ein Turnier ab, zu dem die Protagonisten anreisen, um ihr Haus zu vertreten) oder Gastrollen (der Syre empfängt den Gesandten eines befreundeten oder verfeindeten Hauses, und als er sich auf der Hausburg befindet, wird diese angegriffen, etc.). Hinweise zur Charaktererschaffung Wenn die Spieler ganz konkrete Vorstellungen von den Haushaltsmitgliedern haben, können sie deren Werte für Aussehen, Willenskraft und Selbstbeherrschung frei festlegen. Spannender ist es natürlich, die Werte auszuwürfelnd und dann passende Stärken und Schwächen zuzuordnen. Uff... Das war jetzt schon mal ganz schön viel Stoff. Dankeschön an alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Ich würde mich über Kritik und Anregungen freuen. Ich werde dieses Konzept demnächst meiner Midgard-Runde vorstellen und dann, sofern hier Interesse besteht, auch aus der Praxis berichten. Edit: Hier die fehlenden Fußnoten zu den Protagonisten: Der Erbe ist ein legitimer Sohn oder eine legitime Eagrel-Tochter des Syre. Er sollte mindestens Anfang 20 sein und eine Ausbildung erhalten habe, die es ihm im Falle des plötzlichen Todes des Syre ermöglicht, in dessen Fußstapfen zu treten. Der Erbe kann theoretisch jede Charakterklasse haben, es ist allerdings wahrscheinlich, dass er ein Krieger oder Ritter (vgl. Barbarenwut und Ritterehre) ist und als Knappe in einem befreundeten Haus gedient hat. Geschwister des Erben können jedes beliebige Alter und Geschlecht haben. Es ist wahrscheinlich, dass mindestens eines der Kinder eine kirchliche Laufbahn einschlagen soll und entweder bereits Priester oder Priesterschüler ist. Auch Ordenskrieger sind für Nachgeborne keine ungewöhnliche Wahl. Jüngere Geschwister können als Knappen in ein befreundetes Haus oder sogar, falls der Syre seinem Laird als wankelmütig gilt, als Geisel an den Hof des Laird oder eines seiner Getreuen geschickt worden sein. Bastardgeschwister wurden vom Syre außerehelich gezeugt und können entweder in den Haushalt aufgenommen worden sein, oder bei ihrer Mutter in einem der umliegenden Dörfer leben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bastarde ein Amt in der Burg, z.B. als Hundeführer, Jäger oder Wache, oder einen verantwortungsvollen Posten außerhalb, z.B. als Sheriff eines Dorfes, erhalten. Ist der Syre ein treuer Parteigänger seines Laird, so könnte er ein Kind eines unsicheren Bundesgenossen als Geisel in seinem Haushalt haben, das zusammen mit seinen Kindern aufwächst. Auch könnte der Sohn eines befreundeten Syre bei ihm oder bei seinem Erben als Knappe dienen. Schließlich können auch Kinder verstorbener Brüder oder Schwestern des Syre als Mündel in den Haushalt aufgenommen worden sein. Jeder Syre, der etwas auf sich hält, hat einen Gelehrten im Haushalt, der seinen Kindern die Aspekte des Lebens, die man nicht mit dem Schwert in der Hand studieren kann, beibringt. Als Charakterklasse bieten sich Magier, Priester oder Magister an. Der Gelehrte hat in der Regel einen Bediensteten, den er als seinen Nachfolger heranzieht, oft ein legitimes Kind oder ein Bastard des Syre. Der Kastellan kümmert sich um die Organisation des täglichen Lebens in der Hausburg, damit der Syre und seine Gemahlin den Kopf für wichtigere Dinge frei haben. Er hat den Oberbefehl über alle Bediensteten in der Burg und ist oft ein Bruder oder Vetter des Syre.
  7. Hallo miteinander, ursprünglich begann die "Schwarze Klause" als Logbuch des Einstiegs-Abenteuers meiner letzten Midgard-Runde, das zu einer Kurzgeschichte mutierte. Sie ist meinen langjährigen Mitstreitern Pater Stairway, Riuwen NiCeata, Rinaldo Cavalcanti, Humfried und Alanya NiGrimmond gewidmet, denen ich herzlich für viele vergnügliche Stunden danke. Ich wünsche Viel Spaß beim Lesen! Es grüßt Euch Jorgarin, aka Yngvi Blutaxt Die Schwarze Klause Ein lauer Abend im Herbst. Das alte Wirtshaus, an dessen ursprünglichen Namen sich schon lange niemand mehr erinnert und das schon gestanden haben soll, bevor der Urahn des ersten Seemeisters auch nur daran dachte, eine Formel zu wirken, und sehr lange, bevor der erste barbarische Krieger aus Clanngadarn seinen Fuß auf das Gebiet des heutigen Alba setzte, liegt friedlich wie eh und je in der goldenen Abendsonne. Es wartet geduldig auf neue Gäste, wie eine satte, selbstzufriedene Spinne. Die Landbevölkerung in der Umgebung meidet dieses Gasthaus und nennt es hinter vorgehaltener Hand "die Schwarze Klause", aber da es das einzige Gasthaus innerhalb von zwei Tagesreisen auf der Straße nach Corinnis ist, leidet es nicht an Mangel und beschert seinem derzeitigen Pächter Angus MacNeall und dessen Familie ein durchaus erquickliches Einkommen. Mit dem Traben eines trainierten Läufers kommt ein heruntergekommener, vierschrötiger Riese auf den Hof; sein zu einem Dutzend blonder Zöpfchen gebundenes Haar wippt im Takt seines Schrittes. Über den Rücken geschwungen trägt er eine quadratische, hölzerne Falltür, an welcher der rostige Hebering lustig klappert. Im Waffengürtel, der schon bessere Zeiten gesehen hat, sind eine grindige Streitaxt und ein Wurfbeil eingehängt. In der linken Hand trägt er ein mächtiges Holzfällerbeil. Ein Mann, dem man sich nicht ohne Not in den Weg stellt. Tut man es doch, gerät man unweigerlich unter den Einfluss seines übelriechenden Atems, der gleich einem fauligen Windhauch seinen Weg zwischen maisgelben Zähnen aus einem durch jahrelange Mangelernährung völlig übersäuerten Magen bahnt, und seines Körpergeruchs, der an eine Mischung aus Schweiß, rohem Fleisch und ranzigem Fisch erinnert. Der unappetitliche Riese mit dem gleichwohl nicht sonderlich sympathischen Gesicht, das von einer hässlichen Narbe gezeichnet ist, betritt die Gaststube. Obwohl er dies leise und mit schier unmenschlicher Gewandtheit tut, rümpfen die Gäste mit angewidertem Gesichtsaudruck die Nase und wenden sich zum Eingang. Ungerührt von dem Aufsehen, das er erregt, schreitet der Neuankömmling zu MacNeall an den Tresen. Was genau dort gesprochen wird, werden wir nie erfahren, aber nach einigen Minuten nickt Angus mit verzweifelt-resignierter Miene, deutet zum Kamin und anschließend in Richtung Hof, wo der Stall liegt. Zufrieden vor sich hinbrummelnd wendet sich der Barbar (denn um einen solchen handelt es sich, wie uns seine ungehobelte Aussprache des Albischen beweist, zweifelsohne) zum Hoftor und schreitet auf den Stall zu. Ein weiterer Gast erreicht die gute Stube, und auch er erregt die Aufmerksamkeit der Anwesenden, wenn auch eher in positivem Sinne. Noch bevor er den ersten Fuß in den Raum setzt, eilt ihm seine Präsenz voraus. Es handelt sich um einen Priester der Dheis Albi, einen jungen Mann mit edlen Gesichtszügen, das volle, schwarze Haar mit duftendem Öl nach hinten frisiert, die graublauen Augen lustig funkelnd und ein gewinnendes Lächeln auf den anmutig geschwungenen Lippen. Er ist nicht wirklich schön, aber er strahlt eine fröhliche Frömmigkeit aus, die seine Gesprächspartner für ihn einnimmt. Ehrfürchtig neigen die Wirtshausgäste das Haupt, als er an ihnen vorbei schreitet und die Menge dabei segnet. Der Wirt besinnt sich auf seine angestaubte Religiosität und begrüßt ihn freundlich. Kurz darauf betreten zwei weitere Reisende die Gaststube. Voran schreitet ein äußerst gut aussehender, blonder Jüngling aus den Küstenstaaten, in eine edle Lederrüstung und farbenfrohe Untergewänder gekleidet. An seiner Seite baumeln – in einem ebenfalls edlen Waffengürtel – ein unglaublich dünnes Schwert und ein ebenso filigraner Dolch; mutmaßlich Zierwaffen. Anwesende Krieger verziehen bei ihrem Anblick verächtlich den Mund. Mit weltmännischer Gewandtheit schreitet er in die Stube und lässt die Tür geschickt ins Antlitz der rothaarigen Dame hinter ihm fallen, die eben mit einem dankbaren Lächeln, das Sekundenbruchteile später gefrieren soll, den Raum zu betreten versucht. Kopfschüttelnd wenden sich die Gäste wieder ihren Bechern zu, aber unbeeindruckt von dem Unwillen, den sein offenkundiger Mangel an Manieren sowohl in seinem Opfer, als auch den übrigen Gästen hervorruft, schlendert er zum Tresen, gefolgt von der leise vor sich hin schimpfenden Dame. Diese zieht die bewundernden Blicke der anwesenden Männer auf sich, was man jedoch keinesfalls dahingehend auslegen dürfte, sie ähnele einem Hochlandschaf. Keineswegs, denn obwohl sie keine Schönheit im klassischen Sinne ist, beeindruckt sie doch durch ihr sympathisches Gesicht und die schlanke, durchtrainierte Gestalt. Auch über das Antlitz des Wirts geht ein Leuchten, das jedoch Entsetzen weicht, als sich die Tür zum Hof öffnet und der stinkende Unhold mit seinen Äxten abermals die Gaststube betritt. „Heda, Gevatter Wirt, bin fertig mit dem Stall! Ist noch was zu tun?“, brüllt er in seinem gruselig akzentuierten Albisch durch die gute Stube. Der Wirt, der andere Interessen als eine Unterhaltung mit dem tierhaften Nordling hat, winkt ab, deutet auf den Kamin und lässt seine gierigen Augen weiter über den Körper der Rothaarigen gleiten. Achselzuckend geht der Hüne zum Kamin und zieht sich eine Bank davor. Mittlerweile hat der silberzüngige Priester, ein gewisser Pater Stairway – unterwegs im Auftrag der Götter, um den geistlich Armen den Reichtum des Glaubens zu bringen – dem Wirt einen Topf voller Hirschgulasch zu Ehren der Dheis Albi abgeschwatzt und setzt sich nun, mangels eines freien Platzes, ebenfalls an den Kamin, wobei er dem Barbaren ein unsicheres Lächeln schenkt und seine Magennerven ob des infernalischen Gestanks in vorbildlicher Weise unter Kontrolle hält. „Ah, Hirschgulasch“, seufzt der müffelnde Titan in seinen mit ranzigen Grützeresten verklebten Bart. „Hab ich seit Jahren nicht gegessen. Ich hab überhaupt seit Jahren nichts gegessen. Nur Haferbrei. Ich hab einen Hunger, ich könnte ein Pferd verspeisen. Und wenn ich Hunger hab, bekomm ich Sodbrennen, und dann kommt dieser stinkende Schluckauf…“ „Ja, ja, mein Sohn, schon recht“, ruft der Priester mit einem resignierenden Blick auf die dampfende Schale, während er das Kunststück fertigbringt, seinen Gesprächspartner im Auge zu behalten und dennoch seine Nase aus dem üblen Wind zu drehen, der ihm entströmt. „Hier, nimm mein Gulasch.“ „Ihr seid ein wahrer Mann der Götter, habt Dank!“ Der Hüne macht sich gierig über den Topf her und schaufelt sich das Gulasch mit der linken Hand in den Rachen. Mittlerweile hat sich auch Riuwen NiCeata, die rothaarige Dame, mit dem Gedanken abgefunden, dass die Bank am Feuer der einzige Platz zu sein scheint, an dem sie vor den Nachstellungen des Wirts sicher sein dürfte. Unter den enttäuschten Blicken ihres Verehrers setzt sie sich mit einem Topf geschnorrten Hirschgulaschs zu den beiden Männern ans Feuer. Nach einer kurzen Weile andächtigen Kauens, die Pater Stairway dazu nutzt, sich als Ersatz für das entgangene Gulasch mit einem Topf des landesüblichen Haferschleims zu versorgen (der angeblich in getrocknetem Zustand Vollrüstungen zu durchschlagen vermag), strahlt der Barbar, der so viel körperliche Nähe offenkundig nicht gewöhnt ist, die beiden an. „Ihr habt Durst!“, stellt er fest. „Wirt, eine Runde Bier für mich und meine Freunde!“ Das schiere Entsetzen im Blick der solchermaßen Geehrten perlt an ihm ab wie Regentropfen an einem frisch gewichsten Lederstiefel. Schließlich beginnt ein angeregtes Gespräch über Religion, in welches sich auch der Schnösel in der edlen Lederrüstung, ein gewisser Rinaldo Cavalcanti aus den Küstenstaaten – unterwegs im Auftrag seines Vaters, um Dokumente an der Universität von Cambrygg zu ergattern – ungefragt einmischt und sich durch diese Fahrlässigkeit unversehens im stetig wachsenden Freundeskreis des Barbaren, der sich mittlerweile als Yngvi Blutaxt vorgestellt hat, wiederfindet. So gibt eine Runde Bier die andere; nach einer Weile schwingt man munter das Tanzbein, und erst, als sich die Gaststube geleert hat, beschließt Pater Stairway schließlich, den Gemeinschaftsschlafraum im Obergeschoss aufzusuchen. Auch Riuwen und Cavalcanti begeben sich zur Ruhe, Letzterer in ein sündhaft teures, aber für ihn offenbar leicht erschwingliches Einzelzimmer. Nacht. Stille. Und doch… Yngvi schreckt aus dem Schlaf hoch. Ist das Gesang? Aber von wo kommt er her? Der blonde Riese kratzt sich ausgiebig am Gemächt und lauscht dann angespannt. Der Gesang kommt eindeutig aus der Erde! Entsetzen stiehlt sich in den Blick des Barbaren. Was für eine Teufelei ist hier im Gange? Da ist geistlicher Beistand von Nöten! Auf Zehenspitzen eilt er die Treppe hinauf und macht den auch im Dunkeln präsenten Pater ohne größere Probleme im Gemeinschaftsschlafraum aus. „Vater, wacht auf! Die Götter singen unter der Erde!“ ruft der Nordling und rüttelt dabei den heiligen Mann an der Schulter. Während der Priester noch versucht, aus seinen sicherlich göttergefälligen Träumen in die Realität zurückzufinden, ist die nahebei quartierende Riuwen bereits mit der Geschmeidigkeit einer Katze aufgesprungen und lauscht aufmerksam den etwas wirren Schilderungen des Barbaren. Nun erhebt sich auch Pater Stairway. „Was singen sie denn, mein Sohn?“, murmelt er verschlafen. „Was… äh, ich hab keine Ahnung; irgendwas Südländisches.“ „Südländisch?“ Pater Stairways messerscharfer, theologisch geschulter Verstand arbeitet fast hörbar. „Nun, dann lasst uns den Südländer wecken. Vielleicht brauchen wir ihn.“ Gesagt getan. Auf Zehenspitzen schleichen sich die drei Nachtschwärmer aus dem Gemeinschaftsschlafraum und suchen Rinaldos Zimmer. Dort angekommen, unterbricht Yngvi das sonore Schnarchen, das durch die schwere Eichenholztür nur unmaßgeblich gedämpft wird, durch lautes Klopfen. Kurz darauf öffnet der Glücksritter, leicht verkatert wirkend, die Tür. Schnell macht man ihm die Lage klar. Unterirdische Gesänge? In südländischer Zunge? Rinaldos Interesse ist geweckt. In der Gaststube angekommen, lauschen die wackeren Abenteurer den seltsamen Geräuschen, die in der Tat aus dem Boden zu dringen scheinen. „Scharidisch… oder Meketisch“, bemerkt Rinaldo nach kurzem Überlegen. „Meketer… die mit den spitzen Häusern, oder?“ Yngvi Blutaxt beweist seine umfassende Bildung und seinen überlegenen Intellekt. „Haben die etwa so ein spitzes Haus unter dem Gasthaus gebaut?“ Irritierte Blicke seitens der übrigen Anwesenden. Kurzes Schweigen. „Äh… sicher nicht, mein Sohn“, bemerkt Pater Stairway schließlich. „Kommt, suchen wir nach einer Falltür!“ „Schon gefunden, Vater!“ Yngvi hebt mit dem Lächeln des geborenen Genies seinen Schildarm. „Nicht diese Falltür, mein Sohn. Eine, die sich noch im Boden befindet.“ Der fromme Pater bedenkt den Nordling mit einem Blick, der üblicherweise für besonders hartnäckige Pickel am Kinn reserviert ist, und wendet sich der Suche zu. Schließlich entdecken die unfreiwilligen Gefährten eine Falltür hinter dem Tresen. Nachdem er sich vergewissert hat, dass keine vollen Branntweinflaschen Gefahr laufen, beim Öffnen der Falltür zerstört zu werden, reißt der Barbar den Kellereingang auf und äugt ins Dunkle hinab. Der Gesang ist nun deutlich zu hören. Sehr zum Missfallen von Pater Stairway scheint er kultischen Charakter zu haben. Rasch ist eine Kerze entzündet, und die zukünftigen Helden schleichen, soweit ihnen diese Fertigkeit in die Wiege gelegt ist, die Leiter hinab. Unten angekommen finden sie sich in einem geräumigen Keller, der linkerhand eine Türe und rechterhand eine Reihe riesiger Fässer aufweist. Sehr zur Überraschung der Anwesenden liegt die Quelle des Gesangs nicht etwa hinter der Türe, sondern hinter den Fässern. „Eine Geheimtür. Irgendwo in den Fässern.“ Mit dem Selbstverständnis eines professionellen Fasstürenentdeckers macht sich Rinaldo Cavalcanti auf die Suche nach dem verborgenen Durchgang, von den Übrigen mit faszinierten Blicken bedacht. Er klopft hier, rüttelt dort und verkündet schließlich im Brustton der Überzeugung, während er auf das Fass in der Mitte deutet: „Dieses hier!“ „Nun, dann öffnet es, mein Sohn“, erwidert Pater Stairway. „Äh, ja. Natürlich.“ Der Glücksritter gibt sein Bestes, unterstützt von der plötzlich überaus eifrigen Riuwen. Doch vergebens. „Bah! Fässer öffnet man am Zapfhahn“, ruft der trinkfeste Yngvi siegessicher, drängt die Beiden zur Seite und dreht an selbigem. Und tatsächlich, während sich die höhnischen Blicke seiner Mitstreiter zu ungläubigem Staunen wandeln, öffnet sich die Fassfront und gibt einen Tunnel frei, aus dem nunmehr laut die Gesänge und ein schwaches Leuchten dringen. Mit dem Mut des Unbedarften schreitet der Nordling in das Fass, dicht gefolgt von Rinaldo Cavalcanti. Vor ihren Augen spielt sich Unglaubliches ab. Eine Gruppe von sieben Vermummten steht singend um einen in den Boden gemeißelten Kreis, der mit seltsamen Diagrammen gefüllt ist. Einer von ihnen, der anhand seiner prachtvollen Robe als Hohepriester des seltsamen Kultes identifiziert werden kann, hält etwas vor seiner Brust. Ein Quieken ist zu vernehmen. Ein kleines Schwein? Ein Kind? Yngvi ist sich unsicher. Ihr Götter, lasst es ein Schwein sein. Der Hohepriester hebt ein entsetzlich gezacktes Messer. Es muss ein Schwein sein! Der Barbar springt nach vorn, hebt brüllend die Streitaxt. Das Messer fährt herab, und das Quieken bricht ab. Der Priester wirbelt herum und gibt den Blick auf einen kleinen, leblosen Körper frei, aus dem Ströme von Blut auf das Diagramm fließen. Der verkrampfte Mund wird nie mehr ein fröhliches Kinderlachen ausstoßen. Von blankem Hass erfüllt, stürzt sich Yngvi auf den Schlächter, während Rinaldo Cavalcanti sich dem nächststehenden Vermummten zuwendet. Die Luft ist abgestanden und riecht irgendwie pfeffrig. Das Blut des unschuldigen Kindes fließt in den Kreis und läuft die Linien der Diagramme entlang. Neben dem Gesang der Vermummten ist mit einem Mal ein leises, böses Flüstern vernehmbar. Während sich der Hohepriester und der von Cavalcanti Angegriffene gegen die Attacken der beiden Abenteurer zur Wehr setzen, singen ihre verbleibenden Kumpane mit noch größerer und irgendwie gehetzt wirkender Inbrunst. Pater Stairway und Riuwen erreichen den Ort des Geschehens. Während sich die Frau ohne Zögern ins Kampfgetümmel stürzt, erfasst der fromme Mann mit einem Blick die Tragweite des Geschehens und erbleicht. Eine Dämonenbeschwörung! Voller Entsetzen und ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben stürzt er voran und streckt das heilige Symbol des Gottes Xan über den Kreis. Da fällt sein Blick auf die Diagramme, über die sich langsam und zielstrebig das Blut ausbreitet. Ich muss es aufhalten! Der Priester reißt einen Streifen von seinem Gewand und beginnt, wie ein Irrsinniger an dem Blut herumzuwischen, während einer der Schergen ihn mit wütenden Schlägen und Tritten traktiert. Die Übrigen singen mit immer stärker werdender, an Irrsinn grenzender Hingabe. Mittlerweile hat der geschickt fechtende Rinaldo einen der Finsterlinge niedergestreckt und wendet sich dem nächsten zu, wohingegen Yngvi und Riuwen ernüchtert feststellen müssen, dass zwischen der moralischen Rechtfertigung ihres Zorns auf die Kinderschlächter und der Treffergenauigkeit ihrer wütenden Schläge eine unselige Diskrepanz zu Gunsten der Bösewichter besteht. Wie auch immer, mit ungebrochenem Eifer hacken und stechen sie auf das zwielichtige Gezücht ein, während Cavalcanti mit an Arroganz grenzender Leichtigkeit den zweiten Vermummten mit seinem lächerlich dünnen Schwert aufspießt. Plötzlich wird es totenstill. Das Diagramm ist, den Anstrengungen Pater Stairways zum Trotz, vollständig mit Blut gefüllt und leuchtet in unheiligem Licht auf. Die Luft in dem kleinen Raum wird zum Schneiden dick, und eine unglaublich böse Aura breitet sich aus. „Flieht“, ruft der Pater verzweifelt aus. „Sie haben einen Dämon beschworen!“ „Geht voraus“, entgegnet Yngvi, „wir decken euren Rückzug!“ In stummem Einvernehmen stellt sich Rinaldo neben ihn, und Schulter an Schulter halten sie die Dämonenjünger in Schach, während Stairway und Riuwen durch das Fass entkommen. Die Vermummten geraten in Panik. Einige sinken auf die Knie und stoßen kehlige Formeln in unbekannter Zunge aus, während die Übrigen gegen den Barbaren und den Glückritter anrennen. Nachdem ihre Gefährten in Sicherheit sind, ziehen diese sich ebenfalls durch das Fass zurück und bringen sich in eine günstige Position, um nachfolgenden Bösewichtern einen gebührenden Empfang zu bereiten. Aber es kommt niemand. Eine Minute vergeht. Zwei. Irritiert scharrt Yngvi mit dem Fuß über den Boden. Plötzlich ist aus dem kleinen Raum ein mehrstimmiger, grässlicher Schrei zu vernehmen, gefolgt von einem ekelhaften Geräusch, als würden Körper von Innen nach Außen gekehrt. „Es ist keine Schande, vor schwarze Magie zu fliehen“, wimmert der Nordling, der als erster die Sprache wiederfindet. „Schnell, wir müssen die Leute warnen!“ Ohne Zögern steigen die Abenteurer die Leiter hinauf und stürmen schreiend zu den Schlafräumen. Der Wirt, welcher sich ihnen zunächst aufgebracht in den Weg stellt, wird durch die grauenhaften Geräusche, die immer lauter aus dem Keller dringen, eines Besseren belehrt. Alles rennt, rettet, flüchtet. Auch die Abenteurer raffen ihre spärliche Habe zusammen und verlassen eiligen Schrittes das Gasthaus, welches hinter ihnen in Flammen aufgeht. Hinterher wird sich niemand mehr daran erinnern können, wie das Feuer ausgebrochen ist. Aber in dieser Nacht brennt die Schwarze Klause bis auf die Grundmauern nieder. Und Niemand weiß, welches uralte Böse in seinen Gewölben geweckt worden ist und ob es den Flammen entkommen konnte. Ein kühler Morgen Herbst. Über den Ruinen des alte Wirtshauses, an dessen ursprünglichen Namen sich schon lange niemand mehr erinnert und das schon gestanden haben soll, bevor der Urahn des ersten Seemeisters auch nur daran dachte, eine Formel zu wirken und sehr lange, bevor der erste barbarische Krieger aus Clanngadarn seinen Fuß auf das Gebiet des heutigen Alba setzte, liegt zäher Bodennebel. Die Landbevölkerung in der Umgebung meidet diesen Ort und nennt ihn hinter vorgehaltener Hand das „Schwarze Loch". Man munkelt, dass sich ein uraltes Gangsystem unter den verkohlten Trümmern befindet, in dem unglaubliche Schätze auf den wagemutigen Abenteurer warten, der es auf sich nimmt, den Mächten des Bösen zu trotzen, die dort lauern. Aber das interessiert die kleine Gruppe frischgebackener Helden, die fröhlich pfeifend auf Schusters Rappen die Straße nach Corinnis entlang trabt, derzeit noch herzlich wenig.
  8. Klingt jetzt aber, sorry, irgendwie ein bisschen überheblich. Abgesehen davon:
  9. Das ist die ultimative Tarnung für die Blutsauger. Die moravischen Schlösser hängen voll davon.
  10. Wobei es durchaus auch andere Varianten des Familienbande-Themas geben kann, siehe: Alba - Ruf des Blutes
  11. Nicht nur das mieseste, sondern auch das geschmackloseste, widerlichste und peinlichste. Das folgende hat immerhin noch einen gewissen Spaßfaktor:
  12. Alas, vergiss hier bitte nicht, dass "Wir sind alle verwandt" nur eine mögliche von vielen Facetten von Konzeptkampagnen ist. Ebensogut kann das von Dir als schlüssiger dargestellte Konzept "Wir sind Kollegen" genommen werden. Es kommt doch immer darauf an, was beim Brainstorming der Beteiligten so heraus kommt. Abgesehen davon muss es auch nicht zwangsläufig so sein, dass sich alle ganz doll liebhaben. Es gibt in jedem Team Spannungen, aber dennoch würde ich mich im Zweifelsfall lieber mit meinen Teamkollegen auf ein Abenteuer begeben, als mit wildfremden Leuten, auch wenn diese lieb gucken und pA 90+ haben.
  13. Siehst Du, Alas, das ist ja genau das Tolle an einer reichen und mächtigen Gruppe. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr mir nach mehr als 25 Jahren Midgard die Kaufleute als Auftraggeber für hungerleidende Abenteurer, denen der Spielleiter jedes Geld, das er ihnen im Abenteuer zugesteht, sofort wieder abknöpft, um sie künstlich kleinzuhalten, wenn es die immensen Lernkosten nicht schon von alleine schaffen, zum Hals raus hängen. Selbstverständlich, das funktioniert am besten mit einer eingespielten Stammgruppe. Vielen Dank. Ich hoffe, dass sich noch ein paar Begeisterte finden, damit man sich eine kleine Datenbank von albischen Häusern anlegen kann, die sich gegenseitig als Feinde oder Verbündete nutzen können. Das kann ich mir irre spaßig vorstellen.
  14. Hallo noch mal, mein Beitrag bezieht sich gewiss nicht auf Con-Runden, sondern auf "normale" Runden, die regelmäßig miteinander spielen wollen. Auf einer Convention wäre gar keine Zeit, sich vor dem Spiel ausführlich über die Wünsche und längerfristigen Ziele der Beteiligten auszutauschen. Ich dachte eigentlich, dass sich das von selbst versteht, aber das war offenbar nicht der Fall. Natürlich kann ich hinsichtlich der Wirksamkeit von Konzeptkampagnen nur auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen, die allerdings recht unmfangreich sind. In der Regeln haben Gruppen mit einem gemeinsamen Hintergrund und einem gemeinsamen Ziel besser funktioniert und vor allem eine sehr dichte Atmosphäre gehabt, wohingegen die "wir treffen neue Leute in der Kneipe"-Masche eigentlich nur sehr selten kurzfristig vergleichbare Ergebnisse geliefert hat (eine löbliche Ausnahme ist da die aktuell laufende Rheinhessen-Runde, aber das liegt wohl auch überwiegend an den supernetten Leuten). Ich mag es halt mehr, wenn sich die Motivation, nach dem ersten Abenteuer mit den Leuten zusammen zu bleiben, aus dem Hintergrund ergibt, als dass ich mir krampfhaft überlegen muss, warum zum Henker ich noch einmal mit solchen halbwilden Schafliebhabern (aus Sicht meines valianischen Magiers) bzw. saftlosen Schwächlingen (aus Sicht meines Waelingers) auf ein Abenteuer ziehen soll. Im Grunde genommen tut man es ja in den meisten Fällen nur, weil man gemeinsam spielen will, nicht, weil es sich aus der Geschichte ergibt. Insofern ist es, natürlich nur aus meiner Sicht, mit einem von allen Mitspielern gemeinsam entwickelten Konzept einfacher. In der neuen Edition von SG bin ich sogar so weit gegangen, Gruppenprofile für verschiedene Arten von Abenteurergruppen bereits im Regelwerk vorzugeben. Aus diesen suchen sich die Spieler dann eine Rolle aus (z.B. Söldnerbande, Space Trucker, Polizisten, Piraten, Konzerntruppen). Jedes Profil bietet eine Auswahl an Rollen (beim Polizeiteam z.B. der Chief, die SWATs, der Profiler, der Forensiker, der Pathologe, etc.), aus denen sich jeder Spieler einen aussucht. Damit ist auch eine gesunde Verteilung von Kenntnissen innerhalb der Gruppe gewährleistet. Das klappt ganz hervorragend. Grüße Jorgarin
×
×
  • Create New...