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Kann M6 die Midgard-Gemeinde zusammenhalten?
Es gab ja schonmal ein Thema, in dem über die Zielgruppe für M6 diskutiert wurde. Grundsätzlich war der Tenor damals ja noch eher abwartend. Bitte begreift diesen Strang hier NICHT als Kritik, Bashing oder Wutrede gegen M6. Der PTG machte auf mich einen guten Eindruck - auch wenn ich mir persönlich etwas anderes gewünscht hätte (keine neue Welt, mehr Nähe zum alten Regelwerk/Mechaniken). Doch M6 ist sicher ein schönes Spiel, das Team dahinter wirkt sympathisch, ich werde mir auch M6 kaufen, sobald es verfügbar ist. Aber dadurch, dass es eben so anders als bisherige Editionen ist, scheint die Akzeptanz für M6 einfach gering zu sein. Ich persönlich hätte auch ganz klar lieber etwas, was näher an M5 bliebe. Häufig gehen die Reaktionen auf M6 noch in Richtung "gebt dem ganzen noch Zeit", "schaut an wie es sich entwickelt" oder "wartet darauf, bis man es kaufen kann". Das sind valide Punkte. M6 hat auch hier seine Fürsprecher. Allerdings zeigt sich meiner Meinung nach immer deutlicher, dass die Midgard-Community auseinander driften wird. Ich versuche mal objektiv die Situation zusammenzufassen: M6 weicht inhaltlich - neue Spielwelt und signifikant andere Regeln - von den bisherigen Editionen deutlich ab. Auch wenn das Midgard-Gefühl laut vielen in M6 spürbar ist, scheint es Veteranen oft zu stark vom bisherigen Midgard entfernt zu sein. Stimmungsbilder im Forum ergeben, dass nur eine Minderheit der hiesigen Community zu M6 wechseln möchte. Die Mehrheit möchte scheinbar mit M5 weiter spielen. Der VFSF hat seine verlegerische Tätigkeit für M5 weitgehend eingestellt (auch wenn es die PDFs noch bei Drive-Thru gibt), während es nach wie vor kein kaufbares M6 gibt. Keine attraktive Situation für Neulinge, auch wenn es sicher bald eine M6-Box geben wird. Erste Midgard-Cons schließen M6 explizit aus. Der über Jahrzehnte größte Midgard-Unterstützer nach dem VFSF, der DDD-Verlag, macht mit 7töter ein eigenes System. Mit Altgard entsteht ein weiteres Alternativ-System aus der Community. Der Pen&Paper-Markt ist gesättigt. Für alle Systeme außer den ganz großen Namen (D&D, ...) ist es schwierig neue Leute anzusprechen, die nicht schon im P&P-Hobby aktiv sind. Midgard war bis M5 zwar ein kleines System, aber hatte durchaus seine Nische und Community. Nur wenige Mitbewerber erreichen jemals eine solche Publikationsmenge und Con-Dichte. Die Zielgruppe für M6 ist schwierig zu umreißen. Im Idealfall nimmt es Veteranen der früheren Editionen doch noch mit und schafft es gleichzeitig, neue Leute zu diesem System zu bringen. Schlimmstenfalls gelingt aber beides nicht. Ohne jetzt unken zu wollen, aber ich sehe hier ein großes Problem auf die Midgard-Community zukommen. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass M6 die alte Midgard-Community im großen Maßstab übernehmen wird. Zu groß sind die Unterschiede in der grundlegenden Herangehensweise und zu stark der Bruch. Trotz einiger Gemeinsamkeiten ist es doch vor allem der Name, den sich M1-5 und M6 teilen. Bestimmt KANN M6 ein Erfolg werden, doch tippe ich darauf, dass M6 seine eigene Community aufbauen wird, in denen bisherige Midgardler eine Minderheit sein werden. Ein sehr großer Teil der bisherigen Fanbasis wird wohl nicht zu M6 wechseln, sondern eher bei M5 bleiben oder zu anderen Systemen wechseln, die näher an M5 sind. "Dann spielt doch M5 einfach weiter" heißt es oft. Doch die Erfahrung hat gezeigt: Wenn zu einem System keine Publikationen mehr kommen, werden die Leute langfristig davon abwandern. Neulinge werden ohnehin praktisch keine mehr hinzukommen. Da Midgard ja durchaus seine Anhänger hat, Cons weiterhin existieren und auch Fans Publikationen erstellen können, wird sich M5 bestimmt noch auf Jahre halten können. Aber kein System ohne neue offizielle Publikationen hat sich jemals auf Dauer halten können. Realistisch sehe ich folgendes: Ein Großteil wird zunächst bei M5 bleiben. Dieser Teil wird die ganzen Cons weiter betreiben und die Community noch lange dominieren, aber in den nächsten Jahren immer weniger. M6 wird bestimmt einen Teil der alten Midgard-Hasen übernehmen, aber längst nicht alle. Ein weiterer Teil wird zu anderen Systemen wechseln. Und damit befindet sich die Midgard-Community in einem Zerfallsprozess, der bereits begonnen hat. Sehe ich das realistisch? Oder zu pessimistisch? Was bedeutet das für die Midgard-Community? Ist die Zukunft vielleicht eine Multisystem-Community, die sich Midgardesken Systemen, von M1-5 (einschließlich PR & 1880), M6, Altgard bis 7töter widmet? Oder wird sich die Community einfach in alle Winde und Systeme zerstreuen?
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Pegasus goes Midgard (Gründe für die Übernahme - wir spekulieren)
Wie gesagt, es gibt unterschiedliche Geschmäcker und Prioritäten beim Rollenspiel. Und ist auch gut so. Für mich ist ein Rollenspiel eine interaktive Geschichte. Regeln sind wichtig, für mich aber vor allem ein Werkzeug, um bestimmte Wendungen, Entwicklungen und Entscheidungen nachvollziehbar und für alle Beteiligten fair zu halten. Vor allem will ich die Geschichte erleben. Natürlich prägen die Regeln dann auch, wie man die Geschichte erlebt und wie sich das Abenteuer anfühlt. Aber den Kern eines Systems macht für mich seine Welt(en) aus. Und bei M6 hat man gleich beides über den Haufen geworfen. Warum ich mich so schwer auf die Welt von M6 einlassen kann? Nunja. Da ist sicherlich auch Abgeklärtheit dabei. Ich habe zu wenig freie Zeit und zu viele Rollenspielsysteme und -welten durch. Zumal es heute auch extrem schwer bis unmöglich ist, für eine Fantasywelt noch etwas wirklich Neues, Einzigartiges zu machen. Dafür gibt es das Genre einfach schon zu lang. Entweder kenne und liebe ich die Welt bereits, oder aber sie wurde mir durch andere Medien (Literatur, Videospiele, Filme, etc) schmackhaft gemacht. Alle Rollenspielsysteme, die ich in den letzten zehn Jahren gekauft und/oder gespielt habe, passen genau in dieses Schema. Entweder ich kannte und mochte deren Welt (DSA/Aventurien, Midgard) oder aber andere Medien haben mich auf sie heiß gemacht (Mittelerde, Warhammer, Cthulhu, D&D/Vergessene Reiche, Shadowrun). Einzige Ausnahme ist Splittermond. Da habe ich die Einstiegsbox gekauft. Aber nicht gespielt. Aus exakt diesem Grund: Puuh, schon wieder eine neue Welt zu der ich keinerlei Bezug habe. Da bin ich wohl einfach zu abgeklärt und überreizt. Ich brauche einfach keine neue Welt mehr. Beim Regelsystem kann ich mich noch eher auf Neues und komplette Umwälzungen einlassen. Aber dann lieber in einer Welt, zu der ich emotional einen Bezug habe.
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Zielgruppe für M6
Ich glaube, man macht sich etwas vor, wenn man glaubt, dass Neukundengewinnung für ein Rollenspielsystem nicht größtenteils Abwerben von Konkurrenten ist. Der Rollenspielmarkt ist klein. Wenn man die Umsätze der Hochzeit in den 80ern und frühen 90ern anschaut, wohl eher kleiner als damals. Gleichzeitig ist er sehr fragmentiert. Zudem sind Rollenspiele auch nicht mehr das neue Ding - praktisch alle aus der potentiellen Zielgruppe der Nerds, der Phantastikinteressierten, der Spieleaffinen wissen doch, dass es Pen&Paper gibt. Bestenfalls wäre ein Neukunde so jemand, der oder die genau weiß was ein Rollenspiel ist, aber sein bisheriges System aus egal welchen Gründen aktuell nicht mehr spielt. In allen anderen Fällen ginge es doch darum, Leute von einem anderen System zu deinem eigenen System zu bringen. Um echte Neukunden, also Leute, die wirklich noch nie ein Rollenspiel gespielt haben, zu erschließen, bräuchte es doch ganz andere Ansätze. Insbesondere wenn man Leute unter 35 ansprechen will. Wie arnok schon sagte, finden diese Leute dann in aller Regel auch erstmal zu den großen bekannten Namen, die man von YouTube, Serien, Videospielen oder Influencern kennt. Ich will nicht wissen, wie viele Menschen alleine ein Baldur's Gate 3 zu D&D gebracht hat. Um komplette Neulinge in nennenswerter Zahl anzuwerben, müsste man ein System doch ganz anders bewerben, z.B. indem man es einen Gronkh oder andere YouTuber spielen lässt. Aber da sind wir halt sehr schnell bei einem Budget angelangt, das kein (deutscher) Spieleverlag stemmen kann. Ohne das, wird die Zielgruppe die der Rollenspiel-Erfahrenen bleiben.
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Pegasus goes Midgard (Gründe für die Übernahme - wir spekulieren)
Ich denke es hängt doch alles davon ab, was man letztlich als Kern von Midgard (oder eines Rollenspiels im Allgemeinen) definiert. Sind es die Regeln? Ist es die Spielwelt? Ist es beides in Kombination? Wenn sich für dich das Midgard-Spielgefühl vor allem aus bestimmten Spielmechaniken und Abläufen ergibt, ist es mit Sicherheit möglich, dieses Midgardeske trotz einer komplett neuen Welt zu fühlen. Es gibt aber auch sehr viele Spieler, für die der Kern vor allem die Spielwelt und -geschichte ist. Zu diesen zähle ich mich auch selbst. Für mich wird Midgard vor allem durch die erzählten Geschichten definiert, durch Orte wie Alba, Erainn, etc. Midgard ist für mich das Rollenspiel, das ganz ursprünglich mal aus Magira entstand und zu dem bis heute gewisse Ähnlichkeiten bestehen. Für mich wäre M6, selbst wenn man nur die Welt ausgetauscht hätte und die Regeln aus M5 exakt 1:1 übernommen hätte, kein Midgard mehr. Für mich hat man Midgard damit radikal entkernt. Allerdings: Dies ist kein Angriff auf M6 an sich oder auf dessen Qualität. Hinter M6 kann ein gutes Produkt stecken. Der PTG hat tatsächlich auch solide gemacht gewirkt. Es gibt keinen Grund M6 auf qualitativer Ebene schlecht zu machen. Aber es ist halt nicht das, was ich mir gewünscht hätte. Ein bisschen so, wie wenn ich ein Schnitzel im Restaurant bestelle, aber mir stattdessen ein Salat gebracht wird. Der Salat kann hervorragend sein. Aber ich hatte nach Schnitzel gefragt. Und für mich ist das Austauschen der Spielwelt halt der radikalstmögliche Schnitt. Ob ich durch diesen Cut jemals zur Zielgruppe von M6 gehören werde, weiß ich nicht. Es scheint so, dass innerhalb der anvisierten Zielgruppe durchaus einige die selben Bedenken haben. Ich sehe total, dass man deutliche Änderungen bringen musste, wenn sich ein M6 finanziell lohnen und außerhalb seiner sehr kleinen Nische Fuß fassen sollte. Beim Regelwerk wäre ich das ganze noch mitgegangen. Auch die Spielwelt hätte man attraktiver machen können. Insbesondere Bewegung in den Metaplot reinbringen. Aber das alte Midgard komplett begraben? Mit Sicherheit gab es auch Gründe, weshalb Pegasus sich so entschieden hat. Aber eine Modernisierung von Midgard wäre zu 100% auch mit der alten Spielwelt geangen. So wie ich es verstanden habe, war wohl der Rechtedschungel ein großes Problem. Zu viele Leute haben über die Jahre an Midgard mitgearbeitet. Und man hätte Angst, dass man irgendwann den Kanon bricht, weil man gar keinen Zugriff mehr auf alle Publikationen hat und nicht mehr weiß, was wo geschrieben wurde. Und natürlich den neuen Autoren nicht zumuten wollte, sich durch sämtliche Midgard-Texte der letzten Jahrzehnte durchzuwühlen. Aber ist das wirklich ein unlösbares Problem? Bei DSA gingen die Rechte auch mehrfach von Firma zu Firma. Ulisses Spiele hat auch Aventurien beibehalten und legt sogar alte Abenteuer und ganze Boxen neu auf. Sogar die DSA2-Einstiegsbox ist nochmal erschienen, mit Originaltexten und -artworks. Ist das Einholen der Rechte wirklich nicht möglich? Hat Pegasus eventuell nur die Namensrechte erworben? Ich meine sie nennen die Welt ja nicht mal Midgard, sondern Damatu. Und muss wirklich jeder potentielle Autor jeden Text zu Midgard gelesen haben? Auch hier ein Blick zu DSA: Aventurien ist noch viiiieeeeellllll detaillierter beschrieben, als es Midgard je war. Und es gibt nach wie vor neue Leute, die neue DSA-Publikationen schreiben. Im Zweifelsfall arbeitet man ja auch nicht die ganze Welt komplett neu aus. Sondern nur Teilbereiche. Und es wird ja auch betont, dass an M6 auch Leute arbeiten, die vorher schon mit Midgard vertraut waren. Ich hatte über die Jahre immer ein bisschen Kontakt zu Midgard, aber mein Rollenspiel der Wahl war immer DSA. Aber nach längeren Pausen und Frust durch DSA4 und 5 wäre ich wechselwillig. Aber Midgard wäre eine Welt, die ich schon kenne, die ich mag - aber die gibt's jetzt bald nicht mehr. Vielleicht wird's dann am Ende dann leider doch D&D, denn wenn ich in unbekannte Welten wechsle, dann kann ich auch zu dem System wechseln, das am besten unterstützt wird und eine riesige Bibliothek an Material und Abenteuern hat. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was der potentielle Vorteil dieser komplett Entkernung von Midgard sein soll. Insbesondere auch nicht, wieso man dadurch neue Zielgruppen erreichen kann, die mit dem alten Midgard nicht erreichbar waren. Meine geheime Hoffnung wäre, dass Pegasus für M6 am Ende beim alten Midgard bleibt. Mit dem Rest der Änderungen könnte ich mich anfreunden.
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Midgard-Wiki
Das Backup ist aber leider auch nicht ganz vollständig. Mir sind gestern beim Klicken etliche tote Bilder aufgefallen. Ich betreibe in anderem Kontext zwei weitere MediaWikis und würde mich anbieten, zumindest einen Versuch zu starten, ob man das Midgard-Wiki nicht doch technisch aktualisieren und als "interaktives" Wiki wieder online bringen könnte. Verstehe aber auch vollkommen, wenn man vom Angebot eines ganz frischen Forenmitglieds absieht.
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Midgard-Wiki
Das ist ja mal wirklich schade. Und ein weiterer Schlag für alle, die gerne M5 weitergeführt gesehen hätten.... Hätte man das Wiki denn wirklich abschalten müssen? Ich meine, Dalmatu hätte ja auch in ein Midgard-Wiki gepasst. So ein kleines Wiki weiterzubetreiben wäre heute doch für wenige Euro im Monat möglich...
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Midgard-Wiki
Das Wiki ist jetzt eine staatische Seite, scheint via HTTrack kopiert worden zu sein und dieses (nicht ganz vollständige) Backup ist jetzt wieder online. Bearbeiten, Anmelden, Suchen, etc geht daher nicht mehr. Ich hoffe das ist nur vorübergehend.
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Die Welt Midgard wird nicht sterben
Nunja: Die Welt von Midgard wird eingestellt und durch Damatu ersetzt. Abenteuer und Quellbände zur alten Welt wird es nach jetzigem Wissensstand ja wohl nicht mehr geben. Das ist doch ziemlich genau die Definition von (kommerziell) sterben lassen? Klar, jeder kann natürlich auf ewig dort weiterspielen und viele werden das natürlich auch noch ein paar Jahre tun. Aber dadurch werden auf kurz oder lang jegliche Neulinge ausbleiben und das alte Midgard eben sterben. Dass die Noch-Welt von Midgard ein wenig antiquiert ist, mag sein. Aber solche Eigenheiten machen doch auch irgendwie ein System und eine Welt aus. Frische Impulse in die bestehende Welt einzubauen wäre doch auch möglich gewesen. Aventurien oder die Vergessenen Reiche sind auch nicht mehr exakt die selbe Welt wie vor ein paar Jahrzehnten. Ich will auch überhaupt nicht das Produkt Midgard 6 schlecht reden. Das kann toll, spannend und gut werden. Aber wenn du sowohl Regelwerk als auch Spielwelt über den Haufen wirst, dann ist das halt etwas neues, eigenes.
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Die Welt Midgard wird nicht sterben
Das wäre ja eine der möglichen Stellen gewesen, wie man neuen Schwung in Midgard hätte bringen könne, ohne alles umzuwerfen. Mehr Metaplot. Ich finde das Ausmaß, in dem es bei Midgard noch mehr Freiraum gibt, durchaus in Ordnung. DSA z.B. ist mir hier viel zu sehr im Detail beschrieben. Was mich mal interessieren würde ist, ob es hier auch Leute gibt, die den Bruch mit dem bisherigen Midgard in Ordnung finden oder vielleicht sogar begrüßen.
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Die Welt Midgard wird nicht sterben
Wie du auch schreibst, ein Neustart wäre auch unter Beibehaltung der bisherigen Welt möglich gewesen. Es wurde sich aber bewusst dagegen entschieden. Was macht ein Rollenspiel denn aus? Regeln und vor allem die Spielwelt. Midgard 6 macht beides neu. Abgesehen vom Namen ist es ein neues Produkt. Das, was Midgard ausgemacht hat, ist weg. Eine über 40 Jahre gewachsene Welt ist ein Kapital, das kaum ein anderes Rollenspielsystem vorweisen kann. Anders als D&D sind Spielwelt und Spielsystem bei Midgard eng miteinander verwoben. Die Spielwelt auszutauschen bedeutet für mich, den Kern, ja die "Seele" des Spiels auszuwechseln. Was wäre das Mittelerde-RPG, wenn es nicht mehr auf Mittelerde spielt? Faktisch bedeutet Midgard 6, dass das, was wir als Midgard kennen, nach über 40 Jahren eingestellt wird. Midgard 6 muss, mit vermutlich weiterhin geringem Budget, in einem ziemlich umkämpften Markt bestehen. Selbst DSA wurde von D&D abgehängt. Das Alleinstellungsmerkmal von Midgard war für mich immer, dass es das erste deutsche Rollenspiel war. Es hatte seine Fanbasis. Die war zwar klein, aber es gab sie. Man hätte auch darauf setzen und behutsam versuchen können, diese Fanbasis zu erweitern. Mit moderneren Regeln, Bewegung im Metaplot, regelmäßigeren Veröffentlichungen und etwas mehr Budget für PR. Ein nicht unerheblicher Teil der Fans scheint den kompletten Neustart nicht mitgehen zu wollen. Und es ist mehr als zweifelhaft, ob das durch Neulinge ausgeglichen werden kann. Der Rollenspielmarkt ist gesättigt. Ob dort Platz für ein ganz neues System ist, sei mal dahingestellt.
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Die Welt Midgard wird nicht sterben
Entschuldigt, dass ich gleich in meinem ersten Beitrag einen drei Jahre alten Post zitiere. Aber die Aussage hat mich schon getriggert. Es geht um ein Produkt, mit dem Pegasus ja letztlich auch Geld machen möchte - und für dessen Lizenz Pegasus ja auch Geld gezahlt hat. Da finde ich es jetzt nicht so abwegig, dass eine neue Redaktion sich auch in den bestehenden Kanon einarbeiten könnte. Midgard 6 wird jetzt schon etliche Jahre entwickelt, da wäre die Einarbeitung in die existierende Midgard-Welt doch auch im Bereich des Möglichen gewesen. In meinem Job als Softwareentwickler wird von mir auch regelmäßig verlangt, mich in für mich neue Dinge einzuarbeiten, teils auch bis in die Freizeit hinein. Ich kann mir weitaus Schlimmeres vorstellen, als in meiner Freizeit Midgard-Lore zu lesen. Und dass viele Quellen nicht mehr verfügbar sind, mag sein. Aber mit Sicherheit hätte man da viele für die Öffentlichkeit nicht mehr beziehbare Quellen auch noch über die Frankes beziehen können. Ich war leider nie der große Midgardspieler, habe aber durchaus Erfahrung und Berührungspunkte mit dieser Welt und verfolge das Spiel seit Jahren. Die Welt von Midgard ist verdammt nochmal über 40 Jahre alt. Die ist für mich, noch mehr als das Regelwerk, das Markenzeichen von Midgard. Midgard ist das älteste deutsche Rollenspiel. Das ist für mich ein unique selling point. Es war auch der Grund für mich, mich überhaupt mit Midgard zu beschäftigen. Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, wieso man das Defacto aufgibt. Ich meine, hier wird nicht nur das Regelwerk über den Haufen geworfen, sondern alles, was Midgard bisher ausgemacht hat. Wenn DSA nicht mehr die DSA-Regeln verwendet UND dann auch noch Aventurien als Schauplatz aufgibt, was wäre daran noch DSA? Dass man bei Pegasus so einen radikalen Schnitt macht ist für mich eine klare Fehlentscheidung. Es ist toll neue Spieler ansprechen zu wollen und mit geänderten Regeln kann ich auch leben. Auch die Welt kann natürlich etwas frischen Wind gebrauchen. Aber das wäre auch gegangen, ohne Midgard defacto einzustellen und durch ein neues Produkt zu ersetzen, das zwar noch Midgard heißt, aber nur noch begrenzt etwas mit Midgard zu tun hat. Der Rollenspielmarkt ist hart umkämpft und nicht besonders groß. Faktisch ist Midgard jetzt ein neues System, das halt einen alten Namen hat. Und ob der Markt jetzt auf ein weiteres neues Rollenspielsystem wartet, sei mal dahingestellt.