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Abd al Rahman

Zauberbuch - Hansel - Tagebuch des Tarjan Sanders

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Autor: Hansel

Kategorie: Zauberbuch

 

Tagebuch des Tarjan Sanders

 

Eine Geschichte:

Der Staub fiel in kleinen Flocken langsam und geschmeidig zu Boden, als Tremor das kleine, schmale Buch langsam aus dem Regal zog. Es war ein altes Buch. Wie alt, dass konnte Tremor nicht sagen, aber den Verfallsspuren des Einbandes und der Verfassung der schon stark vergilbten Seiten zu urteilen, war es mindestens 100 Jahre alt. Der Einband aus schwarzem, weichem Leder war nicht beschriftet. Das war auch der Grund, wieso dem Bibliothekar das Buch in die Hände gefallen war. Es stand leicht eingerückt zwischen dicken Bänden und schien völlig wahllos dort abgestellt worden zu sein.

 

Als Tremor das Buch aufschlug, sah er sofort die stark zerrissenen Seiten und ihm stellten sich die Nackenhaare auf, war dieses Büchlein doch stark verwahrlost und eine Zumutung für jede anständige Bibliothek wie diese eine war. Dieses Buch musste dringend restauriert, katalogisiert und ordentlich verwahrt werden. Tremor wollte es, nachdem er es gelesen hatte, den Restauratoren in den Katakomben der großen, alten Bibliothek übergeben. Sie würden es wieder hinbekommen.

 

Die Zeit drängte. Viele der neueren Bücher mussten noch gelesen und eingeordnet werden und so begann der Bibliothekar mit seiner Arbeit. Tremor war ganz allein in der großen Halle, was kein Wunder war, denn die Sonne verschwand schon vor einigen Stunden hinter den geschwungenen Hügeln der Stadt. Tremor entzündete eine Laterne und setzte sich auf den harten, hölzernen Stuhl. Seine Laterne war die einzigste Lichtquelle in der 30 Meter langen Halle und Schatten senkten sich über die langen Buchreihen. Tremor war es gewöhnt...

 

“Tagebuch – Band 21”, las Tremor, als er das Buch öffnete. Das Buch gehörte einst anscheinend einem gewissen Tarjan Sanders. “Nie gehört”, dachte sich Tremor und las weiter.

 

Wie schon die Überschrift vermuten ließ, handelte es sich tatsächlich um ein Tagebuch. Sein ehemaliger Besitzer war anscheinend sehr akribisch in der Führung seines Tagebuches und so war es unverkennbar, dass diese Zeilen vor über 100 Jahren geschrieben worden waren. Das Buch fasste etwa 100 Seiten, dabei war die Schrift aber so klein, dass Tremor wohl nicht vor dem Morgengrauen damit fertig sein würde.

 

Nach dem Deckblatt, welches das Büchlein als Tagebuch auswies, ging es auch sofort los. Nichts besonderes. Nichts spektakuläres. Ein normales Tagebuch eben. Doch halt. Was war das? Offensichtlich war dieser Tarjan Sanders geschult in der magischen Kunst, denn ab und zu berichtete er von seinen Experimenten und wie sie verliefen. Dabei handelte es sich ganz offensichtlich nicht um normale Magie wie sie heute üblicherweise von den Magiern und Thaumaturgen verwendet wird. Nein, dieser Tarjan beschäftigte sich mit den Parallelwelten Ljosgards. Insbesondere mit den dort lebenden Wesen.

 

Ein Schauer lief Tremor über den Rücken, denn das Buch beinhaltete allerhand kleiner Zeichnungen und detailreiche Beschreibungen dieser Wesen. Tremor war kein zartbesaiteter Bursche, doch während er diese Zeilen las, gefror ihm das Blut in den Adern. Sein Atem ging schneller, denn Tarjan beschrieb diese Wesen mit einer abartigen Bewunderung. Obgleich es Tremor anwiderte, so konnte er doch nicht aufhören weiter in dem Buch zu lesen.

 

Ein paar Seiten weiter, Tremor musste wohl schon etwa ein Viertel des Buches gelesen haben, beschrieb Tarjan in allen Einzelheiten eines seiner Blutofper um ein dunkles Wesen aus einer anderen Welt zu beschwören. Die Beschreibungen waren so intensiv und in letzter Konsequenz ausformuliert, dass sich Tremor unvermittelt übergeben musste. Das war zuviel. Wie konnte jemand nur solch schreckliche Dinge tun? Tremor richtete sich auf. Der Raum kam ihm plötzlich viel dunkler vor. Viel größer als vorher.

 

Tremor stand auf und holte ein feuchtes Tuch um den Boden zu wischen. Als er etwa 10 Minuten später wieder an seinen Platz zurückkam, lag das Buch noch immer geöffnet auf dem dunklen Tisch. Als er es sah, sagte eine Stimme in ihm, nein sie schrie es geradezu hinaus, nie wieder auch nur einen Blick in dieses teuflische Buch zu werfen. Es musste vernichtet werden.

 

Als der junge Bibliothekar nach einiger Zeit aufschaute, bemerkte er, dass er wider seinen Willen, die nächsten 10 Seiten des Buches gelesen hatte. Verdutzt schaute er sich um. Der Lappen lag noch unbenutzt neben ihm auf dem Fußboden. Er wollte das Buch doch gar nicht lesen. Was um alles in der Welt hatte ihn dazu gebracht es trotzdem zu tun...und was hatte ihn aufschrecken lassen? War da ein Geräusch gewesen? Nein, er musste sich irren. Da, schon wieder. Ein tiefes Brummen. Woher kam es? Ein Knarren, als ob sich jahrtausendealtes Holz langsam ausdehnt. Tremor fröstelte es. Ängstlich schaute er sich um, doch konnte er durch die langen und dunklen Schatten nichts erkennen.

 

War das etwa Blut? Es war Blut und es klebte an dem Buch und es klebte an seinen Händen. Wie von der Tarantel gestochen schoss Tremor hoch. Dabei kippte der Stuhl rückwärts und schlug hart auf dem Boden auf. Tremor rutschte einige Meter auf dem Hosenboden nach hinten. Dabei rieb er seine Hände hart an dem Holzboden. War er verrückt geworden? Was geschah hier? Ein klirren lag in der Luft. Er hörte es klar und deutlich. Wie Glasscherben die aneinander reiben. Er musste hier raus und zwar schnell. Er packte all seine Kraft zusammen und stand auf. Er sah den Tisch und das Buch welches noch immer dort lag. Er las die Seitenzahl. 80. Er hatte tatsächlich weitergelesen. Die ganze Zeit.

 

Erst jetzt registrierte Tremor, dass das Schriftbild so anders aussah als zu Begin. Er schaute genauer hin. Rot. Es war eindeutig rote Farbe...Nein, es war keine rote Farbe. Wie Blitze schoss es durch sein Gehirn. Der Text des Buches. Er war mit Blut geschrieben worden.

 

Als Tremor aufblickte, sah er aus dem Fenster den tiefschwarzen Himmel, welcher über der Bergkette leicht rötlich schimmerte. Der Morgen würde bald anbrechen. Zeit nach Hause zu gehen. Heute würde er nicht arbeiten. Immerhin hatte er sich die ganze Nacht mit diesem verfluchten Buch ...

“Das Buch”, schoss es ihm durch den Kopf. Stroboskopartig erschienen Bilder vor seinem Auge. Er erinnert sich, die ganze Nacht über dem Buch gesessen zu haben. Dabei wollte er schon längst zu Hause bei seiner Frau gewesen sein. Langsam senkte sich sein Blick. Das Buch lag noch immer geöffnet vor ihm, doch waren die Seiten vor ihm leer. Er blätterte eine Seite zurück. Dort stand in unleserlichen Lettern, und verschmiertem Blut nur ein Wort... STIRB...

 

Als am nächsten Morgen der erste der Bibliothekare die große Lesehalle betrat, sah er zuerst den leblosen Körper Tremors neben dem großen dunklen Tisch liegen, sein Gesicht furchtbar entstellt. Ein Lappen lag auf dem Fußboden neben einer großen Pfütze von Erbrochenem. Der Arzt stellte später fest, dass Tremor wohl an einer Vergiftung gestorben sein musste. So genau könne man das aber nicht mehr feststellen, hieß es. Der Bibliothekar ordnete an, alles wieder zu säubern. Dabei entdeckten die Putzkräfte das kleine Büchlein, welches auf dem Tisch lag. Ordentlich stellte man es wieder zurück in das Regal im Keller.

 

Hintergründe und sein Aufbewahrungsort:

Bei dem Buch handelt es sich um eines der Tagebücher von Tarjan Sanders, einem Dämonenbeschwörer aus Valian. Es ist das letzte einer Reihe von Tagebüchern. Um genau zu sein, der 21. Band. Tarjan lebte vor über 100 Jahren. Sein Ehrgeiz war so unvorstellbar groß, dass er Grenzen überwand, von welchen kaum ein Mesch wusste, dass es sie überhaupt gibt. Im Laufe seiner Studien ließ er sich mit Mächten ein, die er nicht mehr beherrschen konnte. Kurz vor seinem grausamen Tod, wurde er Opfer eines dunklen Dämons, welcher seinen Körper in Besitz nahm und den diabolischen 21. Band zuende schrieb. Dabei ließ er all seine Bosheit und seinen Hass gegenüber den Menschen in sein Werk einfließen. Das Ende des Buches war zugleich auch das Ende Tarjans. Er starb einen gewaltsamen und grausamen Tod, der seinerzeit viele Rätsel aufgab.

 

Das Buch wanderte in den Nachlass und vermoderte und verstaubte auf dem Dachboden eines Nachfahren von Tarjan. Als dieser ebenfalls verstarb, wurde es der städtischen Bibliothek von Candranor übergeben, wo es weitere 50 Jahre in den Regalen eines Kellers verstaubte bis Tremor es schlussendlich fand.

 

Technische Daten:

Das Buch misst 50x20cm und enthält exakt 100 Seiten. 96 Seiten des Buches sind beschrieben. Der Einband ist aus schwarzem, weichem Leder und besitzt keine Bezeichnung. Insgesamt ist das Buch in einem sehr schlechten Zustand. Der Einband ist teilweise ausgefranst, und viele Blätter sind vergilbt, angerissen oder geknickt.

 

Die ersten 19 Seiten wurden noch von Tarjan selbst geschrieben, der Rest ausschließlich unter dem Einfluss des dunklen Dämonen. Ab der Hälfte wurde nicht mehr mit Tinte, sondern mit Blut geschrieben. Tarjans Blut. Der Band ist in der Vallinga verfasst.

 

Auf jeden, dem das Buch in die Hände fällt, wirkt sofort ein übergroßer Drang das Buch zu lesen. Misslingt ein Resistenzwurf gegen Geistesmagie, wird das Opfer innerhalb eines Tages anfangen das Buch zu lesen. Gelingt dieser Wurf, so muss der Wurf immer dann wiederholt werden, wenn das Buch aufgeschlagen wird, auch wenn das Opfer die Sprache nicht beherrscht oder gar überhaupt nicht lesen kann. In diesen Fällen hat dies aber keine weiteren Auswirkungen. Schädlich ist das Buch nur gegenüber demjenigen, der auch die Sprache beherrscht und des Lesens mächtig ist. Alle anderen haben “nur” immer wiederkehrende Alpträume, welche auch erst dann wieder verschwinden, wenn das Buch nicht mehr in ihrem Besitz ist.

 

Denjenigen die das Buch lesen, muss, sofern sie dies überhaupt wollen, ein Resistenzwurf gegen Geistesmagie gelingen, ansonsten können sie nicht aufhören zu lesen. Ein Versuch ist alle 10 Seiten, zulässig, ab der 20. Seite erschwert um +4, ab der 50. Seite erschwert um +6.

 

Das Lesen der ersten 19 Seiten hat, außer den o.a. Umständen, keine weiteren Folgen.

 

Das Lesen der Seiten 20 bis 29 wirkt wie der Zauber Angst. Dieser Wirkung kann, wie gewohnt, durch einen erfolgreichen Resistenzwurf gegen Geistesmagie entgangen werden. Wirkt der Zauber aber erst einmal, ist die Wirkung permanent. Dem Opfer kann dann nur durch ein erfolgreiches Bannen von Zauberwerk geholfen werden.

 

Das Lesen der Seiten 30-39 wirkt wie der Zauber Beeinflussen, wobei dem Leser sugeriert wird, das Weiterlesen sei nicht tragisch. Hiergegen kann normal resistiert werden. Misslingt der Wurf, ließt das Opfer auf jeden Fall bis Seite 49, mit den unten beschriebenen Folgen.

 

Das Lesen der Seiten 40-49 öffnet dem Leser geistig ein Tor in eine der Chaosebenen. Er kann diese aber weder sehen, noch greifen. Lediglich Geräusche dieser chaotischen Welt dringen nach außen und wirken wie der Zauber Angst (Wirkung, siehe oben).

 

Als der Dämon die Seiten 50-69 schrieb, warf Tarjan seine ganze Kraft in den Widerstand, so dass diese Textpassage misslungen ist (aus Sicht des Dämonen). Hier erhält das Opfer die einzige Gelegenheit (2x, da 2x 10 Seiten) den Fluch des Buches vollständig abzuwerfen. Gelingt ein Resistenzwurf gegen Geistesmagie erschwert um +4, wirft das Opfer sofort alle negativen Wirkungen des Buches von sich ab und kann fortan ohne Risiko in dem Buch lesen. Es werden künftig keine Resistenzwürfe mehr fällig. Allerdings hat das Buch auf andere Personen nach wie vor die gleiche Wirkung.

 

Das Lesen der Seiten 70-79 wirkt wie eine Illusion, wenn ein Resistenzwurf gegen Geistesmagie scheitert. Das Opfer sieht Blut aus dem Buch quillen und alles im Umkreis des Buches beschmutzen. Der Schock darüber ist so groß, dass das Opfer augenblicklich 2W6 AP verliert.

 

Das Lesen der Seiten 80-89 wirkt wie der Zauber Böser Blick mit den bekannten Folgen.

 

Das Lesen der Seiten 90-96 hat den augenblicklichen Tod zur Folge. Das Opfer sieht eine gähnende Schwärze auf sich zukommen. Stimmen des Chaos und der Qualen stürzen auf das Opfer ein. Schlussendlich stirbt das Opfer an Herzversagen.

 

Alle o.a. Wirkungen kommen nur dann zum tragen, wenn der jeweilige Abschnitt vollständig gelesen wird bzw. die sonstigen Voraussetzungen (siehe oben) erfüllt sind. Dies ist dann der Fall, wenn das Opfer den Abschnitt freiwillig ließt, oder ihm ein Resistenzwurf gegen Geistesmagie misslingt.

 

Während des Lesens merkt das Opfer nicht wie schnell die Zeit vergeht. Auch weiß das Opfer nicht, welche Macht es dazu getrieben hat weiter zu lesen.

 

Erforschen kann das Buch nur jemand, der sich dem Bann des Buches beim lesen der Seiten 50-69 (also 50-59 sowie 60-69) erfolgreich entzogen hat.

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Mir hat der Anfang richtig gut gefallen. Schöne düstere Geschichte. Allerdings gleiten die technischen Erklärungen dann für meinen Geschmack zu sehr in altbekannte Muster ab.

 

Auf ale Fälle eine gute Geschichte - sie war bei mir in der engeren Wahl.

 

Viele Grüße

hj

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Nette Geschichte, Hansel. Erinnert allerdings ziemlich deutlich an "Die Vanasfarne-Geschichten" von Olafsdottir (s. Das Tor nach Ta-Meket).

 

Hornack

Hmm. Das muss wirklich Zufall sein, denn die Geschichte von Olafsdottir kenne ich nicht.

 

Gruß

Hansel

 

P.S. Wirklich nicht :-p

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[...] Allerdings gleiten die technischen Erklärungen dann für meinen Geschmack zu sehr in altbekannte Muster ab.

[...]

 

Das ist mir, je öfter ich die Geschichte danach gelesen habe, auch negativ aufgefallen. Ich möchte daher alle Aufrufen, diesbezüglich Verbesserungsvorschläge zu machen. Versucht dabei aber bitte die "Geschichte" nicht zu sehr zu verändern.

 

Gruß

Hansel

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