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19. Oktober

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Y_sea

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Gegenüber des kleinen Seiteneingangs lag ein Haufen Lumpen.

 

Es war dunkel, nur der blasse Sichelmond verbreitete minimales Licht und Ypey konnte kaum etwas erkennen, nahm aber an, dass es sich um die Bettlerin handelte, die sie heute Mittag dort hatte sitzen sehen, als sie die Kirche ausgekundschaftet hatte.

 

Sie beobachtete sie einige Herzschläge. Morien und Al Forno atmeten zu laut und Moriens kurzes Kettenhemd klimperte. Aber der Lumpenhaufen rührte sich nicht.

 

Ypey zückte ihre Dietriche, fuhr mit den Spitzen ihrer samtbehandschuhten Finger über das grobe Schloss der Kirchentür und drang mit dem gebogenen Draht dort ein, fühlte zart darin herum. Es klemmte.

 

Sie ölte das Schloss und versuchte es noch einmal.

 

Endlich gab der Mechanismus nach und folgte ihrem probenden Fühlen.

 

Sie atmete auf und öffnete die Tür.

 

Das Kirchenschiff war zu dieser späten Stunde verlassen und düster. Am Haupteingang brannten einige Kerzen, aber sie erhellten die andere Seite der großen Halle nicht. Ypey schlich an den Kirchenbänken vorbei zu dem Eingang in die Nebenräume, wo sie wusste, dass das Büro des Abtes lag. Sie hätte es sich sparen können, zu versuchen, leise zu sein. Morien rasselte und Al Forno stieß sich den Zeh an einer Bank, fluchte laut und hüpfte dann auf dem anderen Fuß ein paar Meter, so dass jeder Sprung laut durch die Kirche hallte.

 

"Warum bleibst du nicht hier und passt auf, dass niemand kommt", zischte Ypey Al Forno zu.

 

Der nickte, setzte sich auf den Rand einer Bank und zog seinen Stiefel aus.

 

Ypey rümpfte die Nase und machte sich wieder auf den Weg.

 

Eigentlich störte es nicht, dass die anderen beiden so laut waren. Die Kirche war leer und niemand würde um diese Zeit nachsehen, ob etwas los war. Aber es ging gegen ihren professionellen Ehrgeiz.

 

Morien folgte ihr aber und im Grunde hatte sie ihn auch ganz gerne an ihrer Seite.

 

Das Zimmer des Abtes war noch nicht einmal abgeschlossen. Sie huschten hinein und Ypey schloss leise die Tür. Sie zog im Dunkeln die Vorhänge vor das kleine Fenster und blendete dann ihre Laterne auf. Ein Schreibtisch, eine Truhe, eine Glasvitrine, ein Schrein, ein Teppich auf dem glatten Marmorboden, Holzvertäfelung an den Wänden.

 

"Fangen wir mit dem Offensichtlichen an", raunte sie Morien zu und nickte zum Schreibtisch.

 

Sie selbst machte sich an der Truhe zu schaffen, deren Deckel sich wenig später sanft knarrend öffnete.

 

Auf einem Bett aus Goldstücken lag das Objekt ihrer Begierde. Ihr Auftrag.

 

Ypeys Finger schlossen sich um die Jadestatue, die eine langgezogene Katze darstellte. Selbst durch den Samt fühlte sich der Stein glatt und kalt an. Er versprach Reichtum. Eine erregende Welle stieg durch sie auf, kroch die Beine nach oben, kribbelte an der Innenseite der Oberschenkel, entflammte ihren Unterleib.

 

"Morien", sagte Ypey mit einem heiseren Flüstern.

 

"Was? Ist sie das?"

 

Er deutete auf die Statue in Ypeys Hand.

 

Ypey nickte und stellte die Statue neben die Truhe, aus der sie sie gerade geholt hatte.

 

Morien sah sie verständnislos an, als sie mit wenigen Schritten die Entfernung zu ihm durchmaß. Er stand noch immer am Schreibtisch, wo er nach verborgenen Fächern gesucht hatte.

 

"Du willst mich doch schon lange", sagte Ypey hart.

 

Morien sagte nichts.

 

Ypey fegte mit einer langen Bewegung ihres Arms den Schreibtisch leer. Pergament flatterte in diesem selbst entfachten Sturm durch den Raum, die silbernen Kerzenhalter schlugen mit lautem Krachen auf dem Marmorboden auf, das Tintenfass zerbrach und formte einen interessanten Klecks, die Federn klapperten wie Dekoration, als sie darum herum den Boden erreichten.

 

Morien starrte.

 

"Nimm mich hier!", sagte Ypey und setzte sich auf den Schreibtisch.

 

"Ich ... was?", sagte Morien.

 

Ypey griff nach dem Saum ihres dunklen Hemdes und zog es sich über den Kopf. Der Ruß von ihrem Gesicht hinterließ dort sicher Spuren, aber es war ihr egal. Fremd und kühl schimmerte die helle Haut ihres Rumpfes und ihrer konischen Brüste.

 

Morien blinzelte nur.

 

Ypey zog eines ihrer langen Beine an und begann die schwarze Baumwollhose auszuziehen. Der dehnfähige Stoff glitt über die Stiefel, so dass sie sich damit nicht abmühen musste.

 

"Was ist los mit dir?", höhnte Ypey, weil Morien immer noch nicht reagierte.

 

Sie stand also auf, stellte sich dicht vor ihn und führte seine behandschuhten Finger an ihre Brust. Sie drehte ihn mit dem Rücken zum Schreibtisch und stieß ihn mit plötzlicher Wucht rückwärts auf den Tisch. Sofort saß sie auf ihm, öffnete seine Hose und half ein bisschen nach, bis sie ihn in sich spürte.

 

Während sie sich auf ihm bewegte, grub sie ihre Finger, die noch in schwarzem Samt steckten, in seine Brust, bis er endlich nach ihrer Hüfte griff. Die eisernen Nieten seiner Kampfhandschuhe kratzten hart in ihre weiche Haut. Er fing an zu stöhnen.

 

Aber kurz bevor er kam, sprang sie von ihm runter.

 

"Streng dich ein bisschen an, wenn du mich willst!", sagte Ypey.

 

Etwas schwerfällig, heftig atmend, rollte er sich vom Schreibtisch und kam ihrer Aufforderung endlich nach. Er griff nach ihr, aber Ypey wich flink um den Schreibtisch herum aus. Statt ihr darum herum zu folgen, griff er schlicht mit seinen muskelbepackten Armen nach ihrer Schulter und im nächsten Moment schrie Ypey überrascht auf, als ihr Oberkörper hart auf der rauhen Holzoberfläche aufschlug.

 

Ohne seinen Griff von ihrer Schulter zu lösen, stieg Morien über den Schreibtisch auf ihre Seite. Ypey wand sich in seinem Griff, aber rohe Kraft war so ziemlich das Einzige, in dem sie ihm unterlegen war. Also begnügte sie sich damit, ein wenig zu zappeln, während er sich hinter sie stellte.

 

Sie spürte ihn an ihrem Po, wie er ungeschickt zwischen ihren Beinen herum fingerte, mit der anderen Hand ihren Rücken fest auf den Tisch presste. Für letzteres waren seine Handschuhe besser geeignet. Aber schließlich stieß er wieder in sie hinein. Er keuchte und riss unwillkürlich stärker an ihrem Arm und die Extase übernahm Ypey.

 

Die Tür flog auf und Al Forno kam herein.

 

"Ein Priester ist auf dem Weg", rief er. Dann stellte er sich lässig in den Türrahmen.

 

Morien hatte Ypeys Arm sofort losgelassen.

 

"Hör jetzt bloß nicht auf!", schrie sie ihn an.

 

Er befolgte ihren Befehl. Ypey warf einen überheblichen Blick auf Al Forno und stützte sich für die letzten Momente noch auf ihre Arme.

 

Dann brachen Morien und sie erschöpft auf dem Schreibtisch zusammen.

 

Mit Moriens Gewicht auf ihrem Rücken, begann Ypey zu lachen.

 

"Du bist ein Mistkerl, Al Forno. Du bist ein echtes Arsch."

 

"Was ist in euch gefahren?", entgegnete er. "Das konnte man durch die ganze Kirche hören."

 

So, Hedwig, dachte Ypey zufrieden, so macht man Sex.

 

Äh, dachte ich, zu geschockt, um einen kohärenten Satz zu erwidern.

 

Dann sagte Ypey unbekümmert mit meiner Stimme, mit der sie schon die ganze Szene, bis auf Al Fornos Auftritt, gesponnen hatte: "Ich schiebe Morien aus mir raus und lasse mich auf den gepolsterten Sessel sinken. Soll der Abt sich morgen wundern, woher der Fleck kommt." Sie grinste kindisch. Ich hatte mich tief in meinem Kopf verkrochen und schaffte es gerade noch, nicht das Gesicht in meinen Händen zu vergraben. "Dann lege ich die Füße auf den Schreibtisch. Die stecken immer noch in den Stiefeln", freute sie sich weiter.

 

Grinsend wendete sie sich an Tobi, der zwar eine Weile gebraucht hatte, aber schließlich Morien doch hatte mitmachen lassen.

 

"Das war ganz nett, Morien", sagte Ypey gelassen. "Das sollten wir bei Gelegenheit wiederholen."

 

"Ich weiß nicht", murmelte Tobi für Morien. "Morien ist verstört. Wo ist denn jetzt dieser Priester?"

 

Ypey lachte schon wieder.

 

Offensichtlich hatte Morien überhaupt nichts verstanden.

 

Aber Tobi, der lachte auch.

 

* * *

 

"Was war das denn heute abend?", fragte Tarek, nachdem die anderen beiden gegangen waren und wir alleine in seiner Küche saßen.

 

Genau, Ypey, stimmte ich ihm zu. Was sollte das denn?

 

Als Antwort erntete ich nur ein höhnisches Gelächter. Es war wohl an mir, ihm irgendetwas Beruhigendes zu erzählen.

 

"Naja", begann ich unsicher. Kleinlaut. "Ich hab' mir ja vorgenommen, sie authentischer zu spielen. Und das kam mir einfach so ... als ich - äh - sie die Statue in der Hand hatte. Ist doch irgendwie ein erotischer Moment. Oder?"

 

Tarek schüttelte lachend den Kopf.

 

Überspielte er seine Besorgnis?

 

"Ist das so?", fragte er, durchaus etwas peinlich berührt. "Ist das so, dass Frauen das so wollen? So ... hart?"

 

"Woher soll ich das wissen?", entgegnete ich. "Mit so vielen Frauen habe ich auch noch nicht geschlafen."

 

"Ich dachte, das wären - hm - Männerphantasien", grinste er.

 

"Das war Ypey", sagte ich. "Ich stehe auf langsames, zärtliches Vorspiel."

 

Unsere Blicke begegneten sich.

 

Hektisch packte ich meine Sachen, verabschiedete mich und ging.

 

* * *

 

Als ich in dieser Nacht nach Hause kam, schlief Robin schon. Das war nicht ungewöhnlich, wenn ich vom Rollenspielen kam.

 

Ich zog mich aus.

 

Bevor ich meinen Schlafanzug anziehen konnte, legte Ypey meinen Körper dicht an Robins schlafenden.

 

Hör auf, dachte ich panisch. Wenn du so mit ihm umspringst, wie mit Morien, verschreckst du ihn nur.

 

Sie kuschelte sich von hinten an ihn und streichelte sanft über seinen Bauch.

 

Als Robin sich regte und zu mir drehte, zog Ypey sich zurück. Robin küsste mich, während er langsam wach wurde und sich offensichtlich darüber amüsierte, dass ich ihn mit eindeutiger Aufforderung geweckt hatte.

 

Er berührte mich mit gefühlvoller Inbrunst, die mich zuerst überraschte, bis ich feststellte, dass er mich genauso berührte wie immer. Ich war anders. Ich war völlig gelöst, lachte befreit auf, wenn es kitzelte, gab mich vollständig hin, als die Lust erwachte, und forderte mehr.

 

Ein kleiner Teil meiner Aufmerksamkeit suchte misstrauisch nach Ypey. Aber es war nicht Ypey, die dieses Befreiungsgefühl schuf. Es war nicht ihre Anwesenheit, es war das Fehlen von Scham.

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