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Vanas Geistergänse

  • Ich hatte vor ein paar Jahren ein Handout angefangen und habe es jetzt nochmal überarbeitet.

Vanas Geistergänse

Wenn in Alba der Herbst kommt und der Wind über die Hügel pfeift, dann werden die Abende lang. Und wenn das Feuer im Kamin knackt und der Krug noch einmal gefüllt wird, dann erzählen die Leute von den Geistergänsen Vanas.

Die Alten sagen, das sei vor vielen Jahren geschehen, eine Tagesreise von Glenachtor entfernt. Damals hütete ein junger Bursche namens Morley die Gänse seines Dorfes – hundert Stück, und jede einzelne war für den Winter wichtig.

Eines Nachmittags ließ er sich im Windschatten einer kleinen Kuhle nieder. Die Gänse fraßen auf dem Stoppelfeld, und Morley döste ein wenig. Im Halbschlaf, so erzählte er später, habe er die heilige Vanafred gehört, die ihm zuflüsterte:

„Wachsamkeit ist nicht nur Sache der Augen.“

Als er aufschreckte, stand die Sonne schon tief. Morley sprang auf, griff nach seinem Stab – und da sah er, dass das Feld leer war.

Keine Gans.
Nur Federn im Wind.

Im Boden fand er Spuren eines Karrens und von Pferdehufen. Und mitten im Stoppelfeld lag ein feiner Lederhandschuh mit Stickerei, viel zu vornehm für einen einfachen Dieb.

Morley wusste: Wenn die Gänse weg waren, würde sein Dorf einen harten Winter haben.

Also blickte er zum Himmel und bat Vana um Hilfe.

Da hörte er plötzlich das Rufen von Wildgänsen.

Ein großer Schwarm kam über die Berge herab, in sauberer Keilformation. Die Vögel kreisten dreimal über dem Feld, und wo ihr Schatten über die Erde strich, erkannte Morley plötzlich mehr Spuren als zuvor – den Weg, den der Karren genommen hatte.

Morley lief ins Dorf, holte die Männer, und noch in derselben Nacht folgten sie der Spur. Nicht weit von der Straße fanden sie eine Scheune – und darin die hundert Gänse.

Die Diebe lagen schlafend im Stroh, als hätten sie zu tief in den Krug geschaut.

Als die Dorfbewohner ihre Tiere am nächsten Morgen zählten, stellten sie fest, dass eine mehr da war als zuvor. Eine große, weiße Gans, wie aus Schnee gemacht.

Sie blieb bis zum ersten Frost.

Dann war sie verschwunden.

Später hörte man, wie die Sache wohl angefangen hatte. Ein junger Adliger aus der Gegend hatte die Herde stehlen lassen, nur um sich zu bereichern oder zu prahlen. Bei ihm war ein Söldner aus Yverddon gewesen, einer von denen, die man Wildgänse nennt.

Der Mann soll sich geweigert haben, bei dem Diebstahl mitzumachen.

„Für Sold kämpfe ich“, habe er gesagt, „aber nicht für Schande.“

Bevor er ging, ließ er heimlich den Handschuh seines jungen Herrn im Feld zurück.

Mehr tat er nicht.

Und mehr brauchte es auch nicht.

Denn manchmal, sagen die Alten, genügt ein ehrlicher Mann – und ein wenig Hilfe von oben.

Seit jener Zeit glaubt man in Alba, dass die Geistergänse Vanas erscheinen, wenn ehrliche Leute Unrecht erleiden. Sie zeigen verlorene Wege, weisen auf verborgene Spuren und sorgen dafür, dass die Schuldigen zur rechten Zeit gefunden werden.

Vanas Wildgänse.png

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