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Aranische Namen


Abu 'Nzuhir

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Da in der Diskussion über Namen in Eschar die Frage nach aranischen Namen aufkam, will ich gerne ein paar Überlegungen auch zu jenem Volke folgen lassen. Ohnehin gehört Aran ja zu den etwas unbekannteren Regionen Midgards, und ein paar Gedanken dazu mögen dem einen oder anderen helfen, sich in diesem wunderschönen Land etwas heimischer zu fühlen. satisfied.gif

 

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Araner keine Familien- oder Stammesnamen kennen. Der wesentliche Bestandteil des Namens ist der Rufname. Listen von in Aran vorkommenden Rufnamen mit ihren Bedeutungen haben verschiedene Gelehrte angefertigt und sie insbesondere hier und hier öffentlich ausgehängt. Um die Personen zu unterscheiden, werden dann irgendwelche besonderen Merkmale als Namensbestandteile mit aufgenommen. Rostam etwa könnte wegen seiner besonderen Körpergröße Rostam der Große genannt werden. Nilufar könnte man aufgrund ihrer hellen Hautfarbe Nilufar die Hellhäutige nennen. Natürlich gibt es dafür auch aranische Bezeichnungen. Dabei wird durch ein an den Namen angehängtes -e gezeigt, dass jetzt ein beschreibendes Adjektiv folgt. Aranisch wären die Bezeichnungen also Rostam-e Bozorg oder Nilufar-e Roshan. Und weil die Araner etwas eitel sind, was ihre Sprache angeht und sie aufeinanderfolgende Vokale unschön finden, wird das -e zum -ye, wenn der Name auf einen Vokal endet. Die hellhäutige Fereshte hieße also auf aranisch Fereshte-ye Roshan.

Andere übliche Namensergänzungen sind der Beruf oder der Herkunftsort, wobei an den Ortsnamen ein i angehängt wird. Feridun aus Darjabar hieße auf aranisch Feridun-e Darjabari. Alle diese Namensergänzungen spielen jedoch nur zur Unterscheidung eine Rolle, nicht für den normalen Umgang miteinander; Araner nennen sich beim Rufnamen.

Weil das alleine aber noch nicht besonders höflich ist - und die Araner sind ein höfliches Volk - werden bei der Anrede stets Höflichkeitstitel gebraucht. Dabei wird bei Männern ein Agha (Herr) nachgestellt oder ein Agha-ye vorangestellt. Wenn man also einen Araner namens Ramin ansprechen wollte, würde man das mit Agha-ye Ramin oder Ramin Agha tun. Bei Frauen gilt entsprechendes - die Bezeichnung lautet hier Khanom, also etwa Khanom-e Nilufar oder Nilufar Khanom. Es kann durchaus als Beleidigung aufgefasst werden, wenn man diese Höflichkeitsformen nicht verwendet.

Höhergestellte Personen müssen natürlich höflicher angesprochen werden. Dabei wird üblicherweise dem Rufnamen die dem Rang entsprechende Höflichkeitsform nachgestellt, die meist identisch ist mit dem Amt oder dem Dienstgrad. So findet man unter anderem Khan, Mirza, Pasha oder Shah als Namensbestandteile - Shah verständlicherweise nur ausgesprochen selten wink.gif . Prinz Jahangir etwa - mögen ihm viele Nachkommen vergönnt sein - wäre mit Jahangir Mirza anzureden. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Höflichkeitsbekundungen und Ehrentitel, insbesondere bei wichtigen Persönlichkeiten; ihre Aufzählung würde hier jedoch zu weit führen.

 

Dieses Grundwissen sollte ausreichen, um bei einer ersten Begegnung mit Aranern nicht sofort unangenehm aufzufallen. Um der sprichwörtlichen aranischen Höflichkeit allerdings gerecht werden zu können, wäre es sicherlich von Vorteil, weitere Erkundigungen einzuholen.

 

Grüße,

 

Andreas

  • Like 2
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Hi alle,

Wie's der Zufall will... ich habe angesichts des Threads bzw. Rosendorns, der wiederum deswegen kontaktiert wurde, Holger gebeten, einen Artikel zu aranischen Namen anzufertigen, unter Verwendung deiner Beiträge, sofern sie denn gut seien - und Holger hat zwar wenig Zeit, ist aber begeistert und dürfte eigentlich mittlerweile schon tätig geworden sein...

Es läuft... sozusagen. wink.gif

 

Grüße aus der GB-Redaktion, die immer ein offenes Ohr hat, aber manchmal vergisst, alles im Auge zu behalten....

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  • 5 months later...
  • 5 months later...

Hi,

was meint ihr, inwieweit es vorstellbar ist, dass unter Schariden auch aranische Namen getragen werden?

Schließlich haben die Araner die Erleuchtung zum wahren Glauben gebracht.

Auf der Erde haben die bekehrten Muslime ja auch allesamt die arabische Namensgebung übernommen.

 

Eike

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Hi!

 

Glaube ich eher weniger, aber da lasse ich mich von unseren Völkerkundlern belehren. Schariden halten ja die Ehre der Familie mit ihrem Stammbaum hoch, vor dem Hintergund halte ich das für unwahrscheinlich, aber es gibt bestimmt welche.

 

Alles Gute

Wiszang

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Ich würde Schariden allenfalls in Ausnahmefällen aranisch klingende Namen annehmen lassen.

Auf kultureller Ebene würde ich da auch den Stolz auf die eigene Kultur anführen. Aus aranischen Namen kann man ja üblicherweise weder die Vorfahren, noch die Herkunft, die Zugehörigkeit zu irgendwelchen Stämmen oder den Beruf entnehmen, geschweige denn irgendwelche religiösen Ehrentitel - welcher Scharide, der etwas auf sich hält, würde sich das nehmen lassen wollen? Und hatte nicht selbst der Religionsstifter (oder Missionar?) Abu ed-Din einen scharidischen Namen? Zudem haben die meisten Eigennamen ja auch eine Bedeutung, die dann verloren ginge.

Mit der Erde ist die Situation meines Erachtens nur schlecht zu vergleichen, weil Mohammed (und für den Iran nach der Schiitisierung auch Ali, Hassan und Hussain) sehr viel mehr Bedeutung beigemessen wird als den Verkündern des Glaubens an die Zweiheit in Eschar oder Aran. Aber auch auf der Erde haben die islamischen Namen die iranischen Namen nie vollständig verdrängen können.

Ich finde die Namensgebung aber auch einen schönen Punkt, in dem sich Kulturen unterscheiden. Gerade zwischen Aran und Eschar fällt vermutlich vielen Spielern eine Abgrenzung nicht ganz einfach - das würde ich nicht durch eine starke Vermischung der Namen noch verstärken wollen.

Insofern würde ich das zwar in Einzelfällen zulassen (wie sich mit einer passenden Hintergrundgeschichte sicher auch begründen ließe, weshalb ein Scharide einen kanthanischen oder albischen Namen trägt), generell aber eher davon absehen.

 

Grüße,

 

Andreas

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Hallo!

 

Das Argument, eine Nichtvermischung helfe, die beiden Kulturen voneinander abzuheben (was ja offenbar oft schwer faellt), ueberzeugt. Wenn aber nun ein scharidisch-aranischer Namensaustausch stattfinden sollte, wird eher der Fall eintreten, dass ein Scharide einen aranischen Namen traegt (dazu gaebe es wenigstens Ansaetze zu Gruenden: Aran als Mutterland des Zweiheitsglaubens, verbunden mit dem allgemeinen Prestige als eines maechtigen, wohlhabenden Reiches, da Aran fuer viele Schariden gehabt haben musste - zumal fuer die Beduinen) als andersherum (denn dafuer gibt es m. E. nun gar keinen Grund). Der Fall des Abu ad-Din kann in meinen Augen nur dadurch erklaert werden, dass dies der Name ist, den die Schariden dem Missionar gaben oder aber dieser aus Kalkuel diesen Namen als Missionsnamen angenommen hat. Als originaer aranischer Name hat er natuerlich nichts verloren.

 

Holger

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  • 1 month later...

Hi Holger!

 

Ist Abu ad-Din vielleicht ein Titel? Abu heißt doch Vater, oder? Dann wäre das vielleicht ein "Vater des Glaubens" (von Dindulei)?

Daraus könnte man wirklich folgern, die Schariden hätten dem Missionar diesen Namen vergeben.

Alles Gute

Wiszang

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Zitat[/b] (Wiszang @ 15 Juni 2004,11:36)]Ist Abu ad-Din vielleicht ein Titel? Abu heißt doch Vater, oder? Dann wäre das vielleicht ein "Vater des Glaubens" (von Dindulei)?

Daraus könnte man wirklich folgern, die Schariden hätten dem Missionar diesen Namen vergeben.

Ich würde bei Abu ad-Din eher von einem Ehrennamen als von einem Titel sprechen. Als solcher wäre er nach scharidischer Sitte ein Bestandteil des Namens (die Bedeutung ist natürlich Vater des Glaubens bzw. Vater der Religion). Welchen Rufnamen Abu ad-Din hatte und ob es sich bei ihm um einen Araner oder um einen Schariden handelte, darüber mögen sich die Gelehrten streiten. Sicher ist nur, dass er es war, der den Schariden den wahren Glauben brachte und ihre Herzen mit Weisheit füllte, möge Ormut ihm dafür seine unendliche Gnade zuteil werden lassen.

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  • 2 weeks later...

Wer aus einem Adelsgeschlecht stammte, führte auch diesen Familien-Namen. Ansonsten sind mir "Nachnamen" bei den Sassaniden nicht begegnet.

(Manche führen allerdings einen Beinamen, unter dem sie auch bekannt sind. Und es ist vorstellbar, dass Mitglieder eines Nomaden- oder Halbnomadenstamms ihren Sippen- oder Stammesnamen führen. Über weiteres wie Beinamen aufgrund von Beruf oder Herkunft muß man wohl spekulieren.)

 

Holger

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Wie würde sich dann also der Shahanshah Shapur I. von Persien nennen? Seine Familie wird bei uns als die Sassaniden bezeichnet. Nannte der Shahanshah seine Familie auch "Sassaniden" (natürlich ohne das griechische "-eides" bzw. in eingedeutschter Form "-iden"). Der Name leitet sich ja von Sassan ab. War der Name der persischen Familien (so wie der der griechischen) ebenfalls eine Ableitung vom Gründer der Dynastie?

 

PS. Ich habe immer wieder Probleme bei der Schreibung von Pahlavi-Namen. Gibt es da gar keine richtige Transliteration? Die Schreibung mit "sh" z. B. wirkt für mich arg englisch...

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Vermutlich würde er sich "Schapur, König der Könige, Herrscher des Iran, Sohn des Ardaschir" oder ähnlich genannt haben.

 

Die Transliteration orientalischer Sprachen ist ein Problem für sich. Natürlich gibt es vernünftige Transliterationssysteme, allerdings keine weltweit einheitlichen. Da alle wissenschaftlichen Transliterationssysteme aber Sonderzeichen benötigen, eignen sie sich schlecht für die Darstellung in nichtwissenschaftlichen Texten.

Für Aran halte ich es übrigens nicht für entscheidend, dass die Namensbildung der historischen exakt entspricht (zumal sich das vermutlich angesichts regionaler und zeitlicher Unterschiede gar nicht machen lässt). Die Beispiele, die ich angeführt hatte, sind aber in ähnlicher Form als persische Namen (allerdings nicht unbedingt alle in sassanidischer Zeit) zu finden.

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Quote[/b] (Morpheus @ 24 June 2004,20:06)]Ich wüsste eigentlich nur gerne die Eigenbezeichnung der Sassaniden. Wie haben sie sich genannt?

Eine hundertprozentige Antwort kann ich nicht liefern.

Trotzdem ein Versuch. Im Grunde hat es Andreas schon gesagt. Ein sassanidischer Herrscher nannte sich "König der Könige von Iran" (oder anmaßender auch bisweilen "von Iran und Nicht-Iran"). Also waren sie "Iraner" und die rechtmäßigen Herrscher des persisch-iranischen Reiches - desselben Reiches, über das einst auch die Achämeniden herrschten. Sicher, dieser Sasan, Vater des Ardaschir, galt als Stammvater der regierenden Dynastie, aber eigentlich sollte das nichts wirklich Neues sein, sondern einfach ein Wiederbeleben des Alten: nämlich der Identität als "Iran".

Deswegen hätten die Sassaniden möglicherweise diese Frage so selbst gar nicht verstanden.

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Ein paar abschliessende Gedanken zu dem Thema auch noch von mir. Das Hauptproblem bei der Beantwortung solcher Fragen ist die Quellenlage. Bis auf ein paar Inschriften haben wir praktisch keine schriftlichen Dokumente aus der Zeit der Sasaniden. Fast alle Textzeugnisse über die Sasaniden stammen erst aus der Zeit nach der islamischen Eroberung; inwieweit es dort schon zu Veränderungen gekommen ist und spätere Auffassungen das Bild prägen, ist schwer zu beurteilen.

Im Falle des Sasan ist ungeklärt, in welchem Verhältnis er überhaupt zu den Sasanidenkönigen stand und ob es eine direkte Abstammung gibt. Es gibt dazu wohl wenigstens drei verschiedene Theorien. Allerdings hatte Sasan schon für die Sasaniden selbst eine wichtige Bedeutung, der Name taucht in verschiedenen Inschriften auf. Soweit ich es sehe, gibt es aber nur eine Stelle, an der von der Familie der Sasaniden die Rede ist, auf einer Inschrift des 7. Sasanidenherrschers, Narseh (regierte um 300), in Paikuli (im heutigen Irak). Dort steht etwas von s's'nkn (Sasanakan oder Sasanikan - es ist unbekannt, wie das Schriftpahlavi ausgesprochen wurde), was wohl etwa "die von Sasan", "die Sasan Zugehörigen" bedeutet; gemeint zu sein scheint damit tatsächlich die Familie. Da ich selbst kein Pahlavi kann, kann ich nicht beurteilen, ob man den Text auch anders verstehen kann.

Sehr viel wissen wir damit noch nicht, insbesondere wissen wir natürlich nicht, ob sich auch die Vorgänger von Narseh bereits als "Sasanakan" oder ähnlich bezeichnet haben oder ob seine Nachfolger sich so nannten.

Ich würde vorschlagen, das Thema damit an dieser Stelle zu beenden und die Diskussion gegebenenfalls an einen anderen Ort zu verlagern (falls denn überhaupt weiterer Diskussionbedarf bestehen sollte). In diesem Thread sollten die Aranischen Namen im Vordergrund stehen. Diese mögen zwar von iranischen Namen inspiriert sein, sind aber natürlich nicht 1:1 übertragbar.

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  • 1 year later...

Es ist (halb) vollbracht.

 

Den Mangel an beschreibenden Namen (Städte und Personenbeschreibung) merkt man der Namensliste noch an, ansonsten kann sie unter

http://libnamegen.sourceforge.net/midgard_aran.html

eingesehen werden.

 

Wenn mir jemand beschreibende Namen oder Städtenamen schickt, baue ich sie ein. Schaue jetzt daheim erstmal ins Eschar Quellenbuch, was das hergibt...

wahrscheinlich wenig :-(

 

Thorsten

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