Die Albische Gefahr
Im Winter war die Kampagne zum Stillstand gekommen.
Der Frost hatte das Land überzogen mit Kälte und Klarheit. Beides schätzte Nemain sehr. Nachdem bei den Gefechten im Sommer so viele ins Lazarett gebannt worden waren, waren die Aufgaben hin und her gesprungen, bis niemand mehr wusste, wer was zu erledigen hatte.
Aber nun war wieder Routine eingekehrt und Nemain gönnte sich seit Wochen das erste wirklich ruhige Sonnenuntergangsgebet. Sie war weiter vom Lager weg gewandert, als sie vorgehabt hatte. Aber der Ort war zu schön. Über dem rauschenden Darnfy erhob sich eine grasbewachsene Klippe, nach hinten ganz sanft gewellt, nach vorne schroff und steil. Hier oben saß Nemain im Schneidersitz und legte feierlich ihre Schwerter neben sich. Eins rechts, eins links. Dazwischen stellte sie dicke Kerzenstumpen auf. Die rote hatte sie brennend vom Heerlager bis hier her getragen. Gelassen und ruhig war sie geworden, als sie ihren Geist auf das Überleben der Flamme konzentriert hatte, während sie in Richtung der roten Sonne gelaufen war, die jetzt hinter den entlaubten Bäumen den Horizont erreichte.
Was habe ich das rituelle Beten früher gehasst!, dachte sie amüsiert und erinnerte sich an ihre Lehrerin, die unbarmherzig die Meinung vertrat, dass das, was einem am schwersten fiel, genau das war, das man am meisten brauchte.
"Dwiannon", flüsterte Nemain und mit ihrem Atem entwich die Anspannung. Sie schloss die Augen und ließ den Fluss ihre Gedanken mitnehmen.
Als hinter ihr ein Ast knackte zuckten ihre Augen. Das Rauschen des Flusses übertönte die meisten Geräusche. Ihr Herzschlag war sofort wieder schneller und ihre Sinne wach. Ein Bild fromte sich in ihrem Geist, Dwiannon schickte es. Es war ein großer Kerl, der sich mit leisen Schritten ihrem Rücken näherte. Ein dreckiger Plaid umschlang seinen Körper. Mit jedem seiner verstohlenen Schritte wurde das Bild größer und klarer, so dass sie sogar das grün-braune Webmuster erkennen konnte. Die Linke hatte er frei, aber in der rechten reckte er ein Schwert hoch. Mit leuchtenden Augen betrachtete er ihren Rücken, ließ den Blick über ihre bloßen Arme gleiten.
Nemain wusste, auch ohne die Augen zu öffnen, genau, wo ihre Schwerter lagen.
Du hast dir die falsche Frau ausgesucht, du Wichser!
Aber noch griff sie nicht zu den vertrauten Ledergriffen. Bei der Vorstellung der Überraschung auf seinem arroganten Gesicht gestattete sie sich ein Schmunzeln.
Sie hörte das Rascheln des Stoffes links von ihr. Vermutlich wollte er ihr den Arm um den Hals legen, die Kehle zudrücken und sie so gefügig machen. Sieht er die Schwerter nicht? Sie konnte das kaum glauben.
Mit einem Ruck rollte sie rückwärts und stieß ihre Füße dahin, wo sie seinen Kopf vermutete. Ihre Füße trafen. Sie nutzte den Schwung und rollte weiter, bis sie sich auf die Knie aufgerichtet hatte. Der Albai war zurück getaumelt, fing sich aber gerade wieder und erhob das Schwert zum Schlag. Nemain kam auf die Füße und rannte ihm entgegen. Als sein Schwert auf sie niedersauste hob sie instinktiv den linken Arm zur Parade, aber ihr eigenes Schwert lag noch neben der roten Kerze und so traf sein Hieb ohne Widerstand seitlich auf ihre Hüfte. Das Schwert brach durch das Leder ihrer Korsage, als wäre sie aus Papier, und die erste Empfindung war die Eiseskälte der Winterluft an ihrer Haut. Der Schock der Verletzung kam erst, nachdem sie ihren Gegner schon mit ihrem ganzen Körper gerammt hatte. Im Fallen ließ er sein Schwert los und wehrte sich mit seinen Händen, versuchte ihre zu fassen zu bekommen, aber sie gab ihm keine Gelegenheit dazu. Während der Schnitt an ihrer Hüfte anfing zu brennen, richtete sie sich auf ihm auf und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht, senkte ihr Knie in seine Magenkuhle, wo eben schon ihr Kopf getroffen hatte, schlug wieder mit den Fäusten zu. Unvermittelt spuckte Blut in einem Hustenanfall aus ihm heraus. Doch Nemain nahm seinen Kopf mit beiden Händen an den Ohren, hob ihn an und schlug ihn hart auf den Boden. Noch einmal und noch-
Ein vertrauter Geruch drang in ihre Nase. Verwirrt sah sich Nemain um in Erwartung, ihr Pferd hinter sich zu sehen. Aber sie hatte Danu auf der Koppel gelassen. Mit kleinem Kopfschütteln sah sie auf den reglosen Mann herunter.
Erschöpft ließ sie ihr Opfer los. Es machte ein erstaunlich hartes Geräusch, als sein Kopf aufschlug und Nemain sah die blutige Schneide eines ihrer Schwerter unter ihm. Er rührte sich nicht mehr. Nemain fühlte seinen Puls und stellte mit gemischten Gefühlen fest, dass er noch lebte.
Jetzt meldete ihr Körper auch endlich die Schmerzen im eigenen blutgetränkten Unterleib. Stöhnend hockte sie sich neben ihn und pustete auf die wunden Knöchel ihrer Faust. Aber bevor sie sie mit frostharten Blättern kühlen konnte, nahm sie sich einen Schultergurt ab und löste den Riemen von der Schwertscheide. Ein Auge hatte sie stets auf dem reglosen Mann. Grob drehte sie ihn um und fesselte ihm die Hände auf dem Rücken. Dabei wachte er mit einem Schmerzenslaut auf. Als er matt an seinen Händen riss, prüfte sie die improvisierte Fessel noch einmal.
Dann setzte sie sich einen Schritt entfernt von ihm auf ihre Fersen und fragte sich, ob sie noch in der Lage wäre, einen Heilzauber zu wirken. Und ob sie es riskieren konnte, ob die Fesseln ihn eine Minute lang halten würden. Nachdenklich betrachtete sie ihn. Etwas kam ihr vertraut vor, aber sie konnte es nicht fassen. War sie ihm schon einmal begegnet? Sie humpelte zu einem langen Ast, den ein Sturm ihr von einer Eiche abgerissen hatte, und schob diesen zwischen seinen Armen hindurch. Er wehrte sich nicht, seine Augen verfingen sich aber an der Blutlache, die sie dabei auf dem grauen Gras hinterlassen hatte, und die Menge erschreckte sie selbst. Trotzdem zog sie noch alle drei Schwerter aus seiner unmittelbaren Reichweite.
Dann erst setzte sie sich abseits und rief ihre Göttin um Beistand an. Wieder flüsterte sie deren Namen und leerte damit ihren Geist, bis die Kraft Dwiannons sie erfüllte und heilte. Zumindest ein wenig. Aber es half.
Er hatte sich während der Minute ihres Zaubers damit abgefunden, dass er so nicht aufstehen konnte, und starrte sie erwartungsvoll an.
Nemain spitzte den Mund. Er tat ihr ein bisschen leid. Den Sturm hatte er nicht kommen sehen.
Geschieht ihm recht, dem Arsch, dachte sie dann heftig.
Sie hob den langen Ast halb an und brach ihn mit einem gezielten Tritt durch. Ihre Hüfte brannte dabei wie ein Schmiedefeuer und sie war erleichtert, dass er ihr schmerzverzerrtes Gesicht nicht sehen konnte.
"Steh auf!", sagte sie barsch und zog an seinem Arm.
Gehorsam richtete er sich auf und setzte erst einen Fuß auf und stemmte sich dann mühsam hoch, wobei er sich auf ihren Halt verließ. Fast hätte sie einfach losgelassen. Aber eigentlich hielt sie sich nicht für boshaft.
"Ich glaube nicht ... dass ich weit komme", murmelte er in gebrochenem Twynneddisch.
"Du willst mich wohl hochnehmen?", brauste Nemain auf. "Ich soll dich heilen?!"
Ein kleines Lächeln bewegte seinen Mund. Nemain stutze und stellte plötzlich fest, dass das Vertraute ein deutlicher Stallgeruch war. Sie liebte den Geruch von Pferden.
"Das wäre sicher eine interessante Erfahrung", meinte er und sah sie herausfordernd an.
Nemain schlug ihm mit der flachen Hand auf den Hinterkopf, was ihr sofort leid tat, als die Handfläche die warmen, blutverklebten Haare berührte.
"Na gut!", sagte sie ärgerlich. "Nicht bewegen. Ich habe keine Probleme den Zauber abzubrechen, wenn du auch nur mit den Wimpern zuckst."
Wie viel von ihrer twynneddischen Tirade angekommen war, wusste sie zwar nicht, aber er saß tatsächlich still und blinzelte nicht einmal.
Nemain kniff die Augen zusammen, legte ihre Hand diesmal sanft an seinen Kopf und öffnete sich Dwiannon. Sie versuchte, ihn zu heilen. Vergeblich. Auf Dwiannon war Verlass. Wenn ein Zauber nicht klappen sollte, klappte er nicht. Überheblich zuckte sie die Achseln.
"Und, war's ein interessantes Erlebnis?", fragte sie giftig.
"Hm", meinte er gelassen. "Hat sich nicht anders angefühlt, als wenn ein Sonnenkrieger das macht."
Ihre Hand war schon wieder unterwegs, aber diesmal fing sie sich, bevor sie ihn schon wieder schlug. Dann lachte sie.
"Hast du ein Pferd in der Nähe?", fragte sie ihn. Es wäre einfacher, ihn darauf zu laden.
Aber er schüttelte den Kopf.
"Irgendetwas riecht nach Stall", murmelte Nemain.
"Ich bin Pferdeknecht", meinte ihr Gefangener und runzelte verlegen seine Nase.
Nemain zog die Augenbrauen hoch und musterte ihn, sein Schwert, ihre blutige Flanke.
"Aha", kommentierte sie dann aber nur.
Als sie erschöpft bei den äußeren Wachen des Heerlagers ankamen, wurde er ihr sofort abgenommen und sie selbst zu dem Heiler gebracht. Aber nachdem er die Wunde mit Kräutersud ausgewaschen und genäht hatte, ging es ihr schon wieder so gut, dass ihr Kriegsherr Nicedd sie rufen ließ, ihm zu erzählen, was vorgefallen war.
"Befrag deinen Gefangenen, was er auf dieser Seite des Darnfy wollte", sagte Nicedd unerwartet.
"Ich? Ich kann das gar nicht."
"Und ich dachte, du hättest Albisch gelernt", erwiderte er trocken.
"Davon habe ich nicht geredet", murmelte Nemain.
Mit schweren Schritten schleppte sie sich zögerlich zu dem Zelt, in das sie ihn gebracht hatten. Sie hatte keine Ahnung, wie sie ein Verhör anstellen sollte.
Eine Wache hielt ihr von innen die Zeltplane hoch. Im Licht der flackernden Talglampe, sah sie den Gefangenen auf einem feuchten Strohsack sitzen. Er sah auf. Und lächelte zaghaft. Er war immer noch gefesselt. Oder vielmehr wieder, diesmal mit einem ordentlichen Strick. Nemain nahm von der Wache ihren Lederriemen entgegen und fädelte ihn langsam wieder in die Schlaufen der Schwertscheide. Dabei betrachtete sie den Albai nachdenklich.
Endlich konnte sie das Schwert wieder an den vertrauten Platz an ihrem Rücken hängen und fühlte sich schon besser. Immer noch hatte sie kein Wort gesagt. Immer noch hatte sie keinen Schimmer, wie sie anfangen sollte. Mit einem Kopfnicken schickte sie die Wache raus.
Dann setzte sie sich auf eine Kiste.
"Wie heißt du?", fragte sie schließlich.
"Roan M---"
Er kniff den Mund zusammen, aber sein Clan war ihr sowieso egal. Zum ersten Mal sah sie ihn sich genauer an. Die kastanienbraunen Haare waren kinnlang und hingen ihm in das Gesicht, klebten an der aufgeplatzten Augenbraue und der blutigen Lippe. Dreck und Laub hatte sich in ihnen verfangen, ebenso wie in dem grün-braunen Plaid, der um seine Schultern geschlungen war, zu unachtsam, um ihn wirklich wärmen zu können.
Und jetzt?
"Und du?", fragte er nach einer Pause zurück.
"Äh ... Nemain."
Nemain hätte ihn gerne irgendwie eingeschüchtert. Stattdessen saß sie nur schweigend da und starrte ihn an. Er erwiderte ihren Blick. Gelassen zunächst, aber doch zunehmend unruhig. Als ihr nach ein paar Minuten immer noch kein guter Anfang eingefallen war, platzte sie heraus: "Was hast du da gemacht? Auf unserer Seite des Darnfy."
Schweigen. Er wich ihrem Blick aus und ließ seinen über die Zeltwand schweifen, sah dann auf seine Knie und schloss die Augen schließlich.
Er sagte einfach nichts. Und Nemian wusste nicht, was sie tun sollte.
"Was hast du da gemacht?", fragte er leise.
"Ich? Hör auf! Ich verhöre dich, nicht du mich."
Sie beugte sich vor, wollte ihn böse anfunkeln, aber da durchzuckte sie ein stechender Wundschmerz, als kratzte sein Schwert noch einmal über ihren Hüftknochen, und sie richtete sich stattdessen stöhnen wieder auf. Keine Schwäche zeigen, keine Schwäche zeigen, sagte sie sich, aber dafür war es natürlich schon zu spät.
"Entschuldige", murmelte er zu allem Überfluss.
"Du siehst auch nicht besser aus", schoss sie mit finsterer Miene zurück.
Da lächelte er wieder dieses feine Lächeln, dass ihm trotz der Schwellungen und der Blutkrusten im Gesicht wie einen harmlosen Lausbuben wirken ließ.
"Nein, sicher nicht", gab er zu. Dann fuhr er halb amüsiert fort: "Was willst du hören? Du hast gewonnen. Du hast mich fertig gemacht. Du hast es mir gezeigt. Ich habe dich unterschätzt und du hast es mir bitter heimgezahlt. Ich habe meine Lektion gelernt ..."
"Halt die Klappe", unterbrach sie ihn, weil dieses Gerede sie verwirrte. Nach einem tiefen Atemzug fuhr sie hart fort: "Ja. Ich hoffe, dass du deine Lektion gelernt hast und in Zukunft die Finger von twynneddischen Frauen läßt."
Dann stand sie auf. So wurde das nichts.
"Was?", machte er.
Sie schlug die Zeltplane nach außen.
"Nein!", rief er ihr hinterher.
Die kalte Luft draußen schmeckte köstlich.
"Nemain!"
Die Wache war weg. Natürlich. Hier in der Kälte zu warten, wäre auch zu grausam gewesen. Seufzend kehrte Nemain um. Sie war wirklich noch nicht besonders weit gekommen, mit dem Kerl. Roan. Mit geschürzten Lippen sah sie ihn vom Zelteingang her an.
"Ist es das, was du glaubst?", fragte er eindringlich. "Dass ich dir etwas antun wollte? Naja, so betrachtet ... aber ich wollte dich nicht vergewaltigen. Wie kommst du auf so etwas?"
Nemain antwortete nicht.
"Woher kommst du, dass du so etwas denkst?"
Nachdenklich betrachtete sie sein geschundenes Gesicht und fragte sich, wie er das machte, dass er ehrlich bestürzt aussah. Und fast so, als wolle er Anteil nehmen.
"Ist es so hart in Clanngadarn?"
"Quatsch!", brach aus Nemain heraus. "Ihr Albai seid doch-" ... die Barbaren.
Er schwieg. Wenigstens das hatte ihr Ausbruch erreicht. Aber sie war zum Verhör hier. Er sollte reden. Verflucht, dachte Nemain.
"Wenn du mich nicht vergewaltigen wolltest", fing sie ruhiger wieder an, "warum hast du mich dann so lüstern angesehen, als du dich an mich angeschlichen hast."
"Lüstern? Warte mal, hast du Augen im Hinterkopf?"
"Nein. Ich habe Dwiannon", erwiderte Nemain hart. "Dann stimmt es also. Gierig."
Drohend stellte sie sich dicht vor ihn, griff unter seiner Kehle an sein Hemd.
Sie sah die Angst in seinen Augen, als er den Kopf schüttelte.
"Bewundernd?", sagte er zaghaft.
Angewidert stieß sie ihn von sich und wendete sich ab.
"Für wie toll hältst du dich?! Auf sowas falle ich nicht rein."
"Ich halte nicht mich für toll", sagte Roan, der sich mit dem größeren Abstand zwischen ihnen offenbar wieder von seiner Furcht erholt hatte. Denn jetzt grinste er. "Sondern dich."
Seufzend ließ Nemain sich auf die Kiste plumpsen. Da kam die Wache mit einem heißen Wacholdertee wieder. Dankbar nahm sie einen Becher.
"Schon was rausgekriegt?", fragte er sie.
Nemain schüttelte den Kopf.
"Gib mir noch ein paar Minuten."
Roan hatte nicht aufgeschaut, während ihres Austauschs mit der Wache. Er saß in sich gesunken auf dem Strohsack, die Knie angezogen, und zitterte vor Kälte. Nemain stellte den Becher ab, kniete sich hinter ihn und löste ihm die Fesseln. Verblüfft sah er sie an und auch Nemain war überrascht, dass er ihr offenbar so leid tat.
"Damit du was Warmes trinken kannst", murmelte sie und drückte ihm ihren Tee in die Hand.
Roan wickelte sich fester in seinen Plaid und trank die dampfende Flüssigkeit in kleinen Schlücken.
"Was kann ich tun, damit du mir glaubst?", fragte er irgendwann.
"Warum hast du dich an mich angepirscht?"
Er pustete auf den Becher, bevor er antwortete.
"Ich wollte dich als Gefangene zu Fernon NiRathgar bringen."
"Wieso?"
Roan zuckte die Schultern.
"Naja, du bist Schwertschwester. Für dich hätte sie vielleicht ein hübsches Sümmchen bekommen."
"Und du hättest etwas davon abbekommen?"
Roan grunzte. "Nein. Sie hätte mich vielleicht als Kundschafter in das Heer aufgenommen."
Die Nichte des Lairds führte das Heer der Rathgar im nordwestlichsten Zipfel Albas, soweit Nemain beurteilen konnte, mit mittelmäßigem Geschick und mittelmäßiger Härte.
"Ach was. So schwierig, in ihr Heer zu kommen?", höhnte sie.
Roan wiegte den Kopf unzufrieden hin und her, so als fehlten ihm die Worte. Nemain fragte sich kurz, wann er die Fassade des gebrochenen Twynneddisch aufgegeben hatte. Seit wann er schon so flüssig sprach.
"Nein. Aber es ist schwierig, ihr Vertrauen zu gewinnen."
"Was?"
Nemain blinzelte und wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie wusste nicht einmal, was er da impliziert hatte.
"Äh", begann sie und kam sich dämlich vor. "Warum willst du ihr Vertrauen gewinnen?"
Roan betrachtete lange den Tee, bevor er ihr fest in die Augen sah.
"Ich bin Spion des Königs."
"Bullenscheiße", stieß Nemain aus. "Erzähl deine Märchen wem anders." Und selbst wenn. Er ist und bleibt Albai.
Aufgebracht stand sie auf und schlug die Zeltplane wieder um. Kalte Luft zog herein und Nemain kniff die Augen zusammen.
"Der Gewissenskonflikt, in den du mich gerade stürzt, ist aber brutal", sagte er vorwurfsvoll.
"Mist."
Sie hockte sich also wieder neben ihn und er ließ sich fesseln.
"Tu mir einen Gefallen", meinte Roan. "Und versuche nicht, bei Fernon NiRathgar Lösegeld für mich zu bekommen. Sie würde sowieso nicht zahlen. Und es wäre schwer, meine Tarnung als Pferdeknecht aufrecht zu erhalten."
Nemain schnaubte nur und zog den Knoten fester.
"Und vielleicht hast du recht", redete er unbekümmert weiter. "Vielleicht war es "lüstern", wie ich dich angesehen habe. Wie du da gesessen und gebetet hast, warst du ein unglaublicher Anblick."
Halt die Klappe!
"Die Klippe über dem Fluss, der Wind in den Bäumen und deinen Haaren", fuhr er fort. "Es war bezaubernd. Du warst---"
Nemain brachte ihre finsteren Augen dicht vor seine und sagte: "Noch ein Wort und ich haue dir den Rest des Gesichts auch noch zu Brei."
Da beugte er sich vor und küsste sie.
"Nicedd, gestatte mir, nach Darncaer zurückzukehren!", rief Nemain, als sie in das Zelt ihres Kriegsherrn stürmte.
Dieser richtete sich von dem Lager auf, das er mit Bellyra teilte.
"Nemain", murmelte er schlaftrunken. "Was? Du willst zurück? Ja, sicher, nächste Woche kommt Maryn wieder, dann kannst du-"
"Sofort!", beharrte Nemain und verfluchte die sich überschlagende Stimme.
"Was ist passiert?"
Bellyra kicherte.
"Ich kann nicht hier bleiben!", schrie Nemain fast vor Verzweiflung.
Nicedd sah zwischen Bellyra und Nemain hin und her.
"Dann geh. Eins habe ich gelernt. Eine Schwertschwester muss tun, was eine Schwertschwester tun muss."
"Danke!"
Nemain verließ das Zelt, schnappte sich ihren Sattel und ritt noch vor Mitternacht los, auch wenn jeder Schritt ihres Pferdes wie ein Messer in die Wunde stieß.
Wochen später hörte Nemain in Darncaer, dass Nicedd Roan geglaubt hatte und er tatsächlich mit Gold vom Clan Beorn ausgelöst worden war. Aber Nemain weigerte sich, darüber nachzudenken, was das bedeutete. Die Entscheidung zu fliehen, war auf jeden Fall die richtige gewesen.
es stimmt schon, dass ich figurbetont und -äh- schnittig konnotieren wollte, aber es stimmt auch, dass sie Wert auf die Funktion der Rüstung als Rüstung legt und nicht gezielt versucht, sexy rüberzukommen.
Wie auch immer, es ist deine Geschichte und deine Figur.
viel Spass beim
es grüsst
Sayah el Atir al Azif ibn Mullah
Wie auch immer, das ist eine andere Diskussion die wir anderswo führen sollten.
es grüsst
Sayah el Atir al Azif ibn Mullah
Und wie gesagt, im Fantasy-Kontext gibt so eine Rüstung eben doch genügend Bewegungsfreiheit und ist funktionell.
es stimmt schon, dass ich figurbetont und -äh- schnittig konnotieren wollte, aber es stimmt auch, dass sie Wert auf die Funktion der Rüstung als Rüstung legt und nicht gezielt versucht, sexy rüberzukommen. Überhaupt nicht. Zumal in dieser Situation, wo sie sich alleine in umkämpftes Gebiet begiebt und eigentlich zu Dwiannon beten will. Andererseits erwarten sie auch nicht, dass sie jetzt kämpfen muss.
Ich gebe zu, dass ich mir an anderer Stelle mal gedacht habe, dass das Oberkörperteil ihrer Lederrüstung schulterfrei ist, und nur in voller Montur auch ein Schulterelement dabei ist. Ausgehrüstung halt... Daher kommt vielleicht dieses Wort. Aber ich habe hier überhaupt kein Problem mit Lederrüstung.
Hach, hängt da an einem Wort viel dran! Muss ich wohl noch mal recherchieren und drüber meditieren, vielleicht mal Nemain zeichnen oder eine Lederhandwerkslehre machen...
Cheers,
Y_sea
Ich verstehe deine Reaktion durchaus, und im Sinne einer funktionalen Exaktheit und einer historischen Simulation hättest du auch durchaus recht. Die irdischen Korsagen sind durchaus alles andere als für Kampfsituationen geeignet.
Allein, wir bewegen uns im Bereich der literarischen Fanatsy, und dort werden gerade bei weiblichen Kämpfern durchaus bestimmte Topoi bedient, zumal in der Welt Midgard. Dort tragen diese nämlich durchaus Rüstungsteile, deren Schutz man real bestenfalls unter dem Aspekt "Gegner ist vor Erregung geschwächt" fassen könnte, und die in ihrem Aussehen eben körperbetont, ja körperformend sind. Und das haben sie mit realen Korsagen gemein.
Insofern bin ich hier nicht darüber gestolpert, da es, zumindest bei mir, genau diesen Topos bediente, ich habe mir da durchaus eine sehr körperbetonte Lederrüstung vorgestellt und empfand dies auch passend, schließlich muss Nemain ja nun einmal erregend auf fremde Männer wirken, und ganz ehrlich, in einer unförmigen "männlichen" Rüstung wäre mir dies eher unpassend vorgekommen.
Korsage begründet eben auch, wieso die erwähnte Erregung Roans, zumal von der Rückenansicht ausgehend, überhaupt möglich war.
Jede andere Beschreibung, die den extrem körperbetonten Schnitt hätte ausdrücken sollen, wäre deutlich umständlicher - und damit unpassender.
Wie gesagt, es geht nicht um den historisch-realen Bezug von Korsage, sondern den Fantasy-Topos. So wie Druiden im Fanatsy-Kontext etwas völlig anderes sind als die realen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Korsage
Schon nur die Bedingung 'schulterfrei' disqualifiziert es meiner Meinung nach als Rüstung... Wie auch immer. Wichtiger als dass der Begriff nun wirklich korrekt ist oder nicht, war mir, dass ich sofort die Assoziation 'Aussehen' und nicht 'Funktion' hatte. Auch wenn Nemain wahrscheinlich recht gut aussieht, hatte ich bei den Geschichten die ich bisher gelesen habe nie das Gefühl dass sie besonderen Wert auf ihr Aussehen legt und praktisches bevorzugt. Ich mag mich irren.
Soweit eine kurze Erklärung meiner Reaktion.
es grüsst
Sayah el Atir al Azif ibn Mullah
Du hast total Recht, sayah! Corsage ist falsch. Lederrüstung ist richtig. Ich habe ein Bild gefunden, wie ich mir das vorstelle:
http://www.maskworld.com/german/depa...-braun--104394
Plus Arm- und Beinschienen und Schulterklappen und so. Aber ich meinte das Rüstungsteil am Oberkörper. Gibts dafür einen Namen?
Zuerst dachte ich Harnisch, aber das ist was ganz anderes wie mir die wikipedia eben erklärte... Also keine Ahnung, sorry. Vielleicht kannst du den Umweg machen, in dem du weiter oben ihre Kleidung, inklusive Rüstung beschreibst, in dem du sie einen Beutel oä darunter hervorziehen lässt oder einführst, dass die Rüstung mit irgendwelchen Motiven (Zeichen Dwiannon) Ornamente etc verziert sei. Dann brauchst du da nur noch zu sagen, dass das Schwert die Rüstung zerschneide. Ich weiss, das ist ein nicht so sehr eleganter Ausweg.
es grüsst
Sayah el Atir al Azif ibn Mullah
Es erscheint mir ebenfalls unlogisch, dass sie ihre Schwerter liegen lässt und den Angreifern mit blosen Händen anfällt. Spätestens als sie merkt, dass sie ihre Waffen nicht hat, sollte sie mindestens versuchen sie zu bekommen. Ebenfalls denke ich, dass man einen Angriff in dieser Reihenfolge zuerst ausweicht, dann pariert, sich dann auf die Rüstung verlässt falls die anderen Optionen nicht möglich waren. Anstelle der versuchten Parade mit dem Schwert beschreib doch ein nicht 100% gelungenes Ausweichen, was auch erklährt dass die Wunde im Unterleib nicht schwerer ist.
Ersteres ist Mode (und per Definition schulterfrei, siehe wikipedia), letzteres ein (wenn du willst sorgfältig verzierter) Gebrauchsgegenstand. Das würde dann auch erklären weshalb sie gegen den Verführungsversuch etwas später so hilflos ist. Sie ist Kriegerin und kein Fotomodell.
http://www.maskworld.com/german/depa...-braun--104394
Plus Arm- und Beinschienen und Schulterklappen und so. Aber ich meinte das Rüstungsteil am Oberkörper. Gibts dafür einen Namen?
@nandrin: Schön, dass sie dir gefällt. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass sie grundsätzlich ein Problem mit Männern hat. Nur mit Männern, die was von ihr wollen (oder so tun). Für dieses Problem gibt es auch einen Grund, aber den verrate ich später an anderer Stelle...
@Leachlain ay Almhuin: Dankeschön!
Cheers,
Y_sea