1. Prolog
Bei eurer Suche nach mehr Informationen und der Herkunft der Herzogin Eleonore und ihrer Zofe Katherina werdet ihr nach Monaten fündig.
Euer Informant berichtet euch, ihr könntet in einer heruntergekommenen Kneipe im verrottenden Hafenviertel von Chathold einen Seemann treffen, der mit Eleonore vor einigen Jahren unterwegs gewesen war.
Nicht begeistert von der Vorstellung sich in das von Recht und Gesetz verlassene Gebiet begeben zu müssen, aber eurer einzig wahren Spur nach langer Zeit folgend, macht ihr euch auf den Weg.
Die Kneipe war zwar nicht als solche zu identifizieren, aber dennoch leicht zu finden.
Einer der wenigen ehemaligen Pfahlbauten, die noch nicht völlig im Morast und Unrat versunken waren und gleichzeitig noch von flackerndem Licht erleuchtet war euer Ziel.
Verfaulte Bretter geben unter euch nach und mit Bedauern zieht ihr euer Bein mit dem jetzt nicht mehr so schön poliertem Lederstiefel aus der weichen, nachgebenden Masse unter den Planken.
Einen zerschlissenen Vorhang, der als Tür dient, beiseite ziehend betretet ihr eine wahre Höhle.
Rauch von Feuer, Herd und Tabak liegt in dichten Schaden unter der Decke. Verkrüppelte oder durch Krankheit Verunstaltete tummeln sich an den Tischen und Nischen.
Dazwischen immer wieder grobschlächtige Kerle, denen man eigentlich lieber nicht und schon gar nicht hier begegnen möchte.
Doch ihr laßt euch nicht einschüchtern, durch die eintretende Stille schreitet ihr hindurch und wendet euch dem Barmann zu.
Ein etwas weiter als nötig ausholender Griff nach eurem Geldbeutel zeigt eure gut gepflegten Waffen und etwas abgenutzten Griffe. Gepaart mit eurer offenbaren Kompetenz und dem Ignorieren der andeen Gäste dieser Einrichtung läßt auch euch wieder in der Anonymität versinken.
Die Silberstücke lassen den Wirt mit dem schütteren Haar schnell gesprächig werden. Die fettigen Finger vergeblich an der dreckigen Oberbekleidung abwischend zeigt er in einer der düstersten Ecken.
Dort würdet ihr Ver'Argut finden.
In der Ecke sitzt ein ausgemergelter hochgewachsener Mann in zerschlissener Kleidung. Wirres Haar und ein ungepflegter Bart werden von einem durchdringenden Körpergeruch vervollständigt.
Schon Betrug des Informanten witternd, wollt ihr euch umwenden, als sich wache grüne Augen öffnen und euch ansehen.
Wortlos deutet das Wrack auf einen Schemel ihm gegenüber, der wunder-samerweise euer Gewicht aushält.
Entweder wußte er von eurem Kommen oder er ist einfach nur froh über Gesellschaft, denn er fängt sofort an in tiefer und klarer Stimme zu erzählen:
„Dieser alte Seebär war nicht immer ein heruntergekommener Hilfsarbeiter, nein meine Herren, ich war Kapitän der Marine des Überkönigs. Jawoll ! Ich führte eine kleine Flotte von fünf schnellen Schiffen an, wunderbare Schiffe. Wunderbar, die „Ivids Wille“, die „Unbezwingbar“, die „Eroberer“, die „Siegreich“ und die „Unaufhaltsam“. Gepflegtes Holz, rein weiße Segel und schnell waren sie meine Herren, schnell...
2. Die Ankunft des Gesandten
Wir lagen vor Asperdi am Pier des Malachit-Thrones der See Barone vor Anker.
Die Sonne war noch jung, der Morgen frisch und klar, die Seeluft rein, die Möwen kreisten fast gelangweilt über uns... einfach ein perfekter Tag.
An die Reling meines Schiffes „Ivids Wille“ gelehnt sah ich meinem Kommando zu, wie die üblichen Arbeiten gemacht wurden.
Segel ausbessern, Seile spleißen, die Decks säubern. Etwas verärgerte Rufe und das Hallen von nackten Fußsohlen in vollem Sprint aus Richtung des Piers ließen mich aus meiner Ruhe aufschrecken.
Keuchend lief ein Junge mit dem Stirnband eines Boten die Planke hinauf auf mich zu. Die große, drohende Gestalt meines Steuermanns schob sich schon in dessen Richtung, um ihn aufzuhalten.
Jerred, mit seinen über zwei Metern Größe und einer Gestalt eines Schranks, mit der dunklen Hautfarbe nur von den hellen Strichen der Narben durchzogen, seiner gebrochenen Nase in einem sonst beinahe gutaus-sehenden Gesicht, welches von den schwarzen geflochtenen Haaren, wie von Tiefseekraken-armen umgeben war, blockierte dessen Weg, aber ich winkte neugierig und belustigt ab.
Völlig außer Atem warf sich der Laufbursche mir zu Füßen und hielt mir ein Pergament entgegen, welches mit dem Siegel des Überkönigs verschlossen war.
Ein fester Druck mit den Daumennägeln und die Rolle gab ihre Nachricht preis: Ein Gesandter des Überkönigs würde demnächst eintreffen und mit ihm weitere Befehle für meine kleine Flotte.
Schon damals wußte man nicht recht, was es mit den Befehlen und Nachrichten des Überkönigs auf sich hatte, also war man besser vorbereitet und auf der Hut.
Meist ließen sich die Gesandten, ausgestattet mit der höchsten Autorität des Malachit-Thrones selbst, Zeit.
Und so hatte man auch selbst Zeit, alles perfekt vorzubereiten und auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.
Meine Offiziere hatten natürlich den Laufjungen wahrgenommen und waren von sich aus schon auf ihre Schiffe gegangen.
Ihnen lies ich die leicht beunruhigende, aber zumindest einen Einsatz versprechende Nachricht zukommen.
Ein hektisches, aber geordnetes Treiben setzte ein. Die Arbeiten wurden beschleunigt, ein paar unwichtigere hintenangestellt, nach Proviant und Frischwasser geschaut und Ausrüstung verladen.
Nach einiger Zeit fiel uns allen ein ruhiger Punkt in diesem Chaos auf.
Mitten auf dem Pier stand eine weiße Erscheinung. Heller und strahlender noch als unsere Segel.
Die Erscheinung trug ein weißes Kleid, einen breitkrempigen weißen Hut und einen kleinen Sonnenschirm. Neben ihr standen zwei riesige Holzkisten.
Wenn man näher hinsah, und das taten wir alle, wurden weibliche Formen sichtbar und ein helles Gesicht umrahmt von goldenen Locken. Die Dienerinnen der Götter könnten nicht strahlender aussehen. Langsam verebbte das Treiben um sie herum, auf den Schiffen, ja soweit das Auge reichte.
Ich war ihr inzwischen unbewußt die Planke herunter entgegengegangen und sah ein amüsiert, leicht spöttische Lächeln ihre perfekten Lippen umspielen.
Bevor ich noch fragen konnte, ob ich ihr helfen könne, ob sie sich auf den Pier des Malachit-Thrones verlaufen hätte, änderte sich alles.
Sie zog einen etwa 2-3 Ellen langen, schwarzen Kommandostab eines Gesandten des Thrones hervor.
Ich weiß nicht warum, aber ich denke immer, dies war damals schon ein Zeichen kommender Zeiten.
Das Schwarz wirkte umso dunkler durch ihr Weiß, welches um so heller strahlte. Verzerrte Gesichter und Dämonenfratzen waren auf der Oberfläche des Stabes zu sehen. Eine unheimliche Stille setzte ein.
Aber das Vorzeigen des Stabs war nur ein kurzes Aufblitzen der Dunkelheit, schon war dieser wieder verschwunden und die normalen Geräusche setzten wieder ein.
Jerred, mein Steuermann brüllte die Matrosen an, als wäre nichts geschehen und alles setzte sich wieder in Bewegung.
„Ich bin Eleonore, Freifrau und Gesandte unseres Überkönigs, des Herrschers der Großen Königreiches von Aerdi, seiner imperialen Majestät, Ivid V.“, auch ihre Stimme war überirdisch.
Befehlsgewohnt, dennoch weiblich, nicht laut, aber durchdringend und weitreichend, klar und deutlich, aber irgendwie melodiös.
„Ihr müßt Käpitän Ver'Argut sein. Ich gratuliere euch zur Aufnahme eures Sohnes an die Akademie, wie gefällt Terl es dort ?“
Ich war völlig sprachlos, nicht nur wußte diese Freifrau wer ich war, nein, sie wußte wer mein Sohn war, was er tat...
Aber dies war nur ein Bruchteil ihres Könnens, über kurz oder lang mußte ich überrascht und etwas eingeschüchtert, ja manchmal verängstigt und dann wieder geschmeichelt feststellen, daß sie über jeden des gesamten Kommandos einfach alles zu wissen schien.
Sie kannte ihre Namen, ihre Interessen, ihre Fähigkeiten...
… und, wie mein Steuermann erfahren mußte, auch deren dunkle Seiten. Sehr viel später erzählte Jerred mir von seinem ersten Zusammentreffen mit Eleonore.
Mich etwas verblüfft stehenlassend, ging die Freifrau die Planke hinauf, und da ich mich noch nicht gefangen hatte, konnte ich Jerred auch nicht davon abhalten, ihr den Weg zu versperren.
Jerred war schon immer der Meinung gewesen, Frauen hätten auf Schiffen nichts zu suchen und gab diese Ansicht auch gleich mit derben Worten für uns alle gut hörbar ihr zur Kenntnis.
„Wenn ihr so freundlich wäret, mein Gepäck in die zweitgrößte Kabine zu bringen. Vielen Dank !“ War Eleonores auch weithin hörbare Antwort.
Bevor Jerreds hochrotes Gesicht in einem Schwall von Unflätigkeiten explodieren konnte, trat sie an ihn heran, schaute zu ihm hoch, streichelte ihn mit der behandschuhten Hand über die Wange und zischte ihm etwas zu.
Eine unheimliche Verwandlung setzte ein, Jerrod wurde genauso bleich, wie er vorher rot gewesen war, wich, nein, stolperte zurück, fing sich dann wieder und brüllte plötlich den Matrosen zu, sie sollten das Gepäck der Gesandten sofort, aber vorsichtig in die Kabine des Ersten bringen.
Die Auflösung des Ganzen habe ich erst Jahre später von Jerred erzählt bekommen.
Wie in einem dem Untergang durch Dekadenz geweihtem Reich Homosexualität überhaupt ein Thema sein sollte, verstehe ich bis heute nicht.
In der Marine auf jeden Fall wurde „so etwas“ nicht geduldet.
Und Jerred, mein hünenhafter Steuermann war... nun ja, er stand nun mal mehr auf Männer.
Woher Eleonore dies wußte...
3. Die Fahrt
Das unheimliche Wissen um uns alle gepaart mit einer unerschütterlichen Autorität flößte Respekt ein. Eleonores erste vom Überkönig übermittelten Befehle waren dann auch ein frühestmöglicher Aufbruch und eine Fahrt gen Süden.
Unser normales Kontingent an Besatzung wurde nicht weiter verstärkt, wohl aber Proviant für eine längere Fahrt mitgenommen.
Eleonore sah man nach den ersten Anweisungen nicht mehr, sie war in ihrer Kajüte verschwunden, bis sie etwa vier Tage später auf See mit genaueren Anweisungen in meiner Kapitänskabine erschien.
Sie hatte sehr gute Fertigkeiten in Navigation, wenn auch offenbar an Land erlernt und eine unglaublich schnelle Aufnahmefähigkeit.
Über meine und ihre mitgebrachten Karten gebeugt, skizzierte sie in kurzen, klaren Worten unsere jetzige Aufgabe:
Wir sollten nach Hepmonaland segeln und dort ein Sklavenbeschaffungskommando der Tilvanot Halbinsel mindestens von der Beschaffung neuer Sklaven für ihre Herren abhalten, wenn möglich sogar gänzlich aufreiben.
Die Freifrau besaß nicht nur mir bis dahin völlig unbekannte Karten um Hepmonaland herum, sondern auch sehr genaue Karten des Landesinneren. Offenbar in Touv geschrieben und bezeichnet, sprach und las Eleonore (natürlich) auch diese Sprache.
Ihren Informationen zufolge würden sich drei Sklavenschiffe weiter als üblich gen Osten wagen.
Ansonsten wäre unser Unternehmen von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen.
Es kommt einem Himmelfahrtskommando gleich, die Straße von Tilva bereisen zu wollen. Nur die Schiffe mit den scharlachroten Segeln der Suel Herren der Tilvanot Halbinsel können diese ungestraft passieren.
Nicht nur sind ihre Kriegsgaleeren dort besonders zahlreich, ihre befestigten Häfen liegen nahe und Seeungeheuer, die offenbar Fremde bevorzugen werden dort oft gesichtet.
Glücklicherweise würden unsere Ziele die Straße weit westlich hinter sich lassen, um in einer Bucht nordwestlich des Mündungs- gebietes der Pelissosümpfe an Land zu gehen.
Die Zusammensetzung der drei zu erwarteten Sklavenschiffe war derart, daß diese zwar eine größere Mannschaft besaßen, nicht aber an die einhundert bestens ausgebildete und ausgerüstete Marine- infantristen wie wir. Zudem besaßen wir auf dem Vordeck montierte, schwenkbare Ballisten und Heckkatapulte.
Beunruhigt mußte ich zur Kenntnis nehmen, daß wir wohl auch einige Amphoren Zauberöl mit unserem Proviant aufgenommen hatten.
Leicht erzürnt über die späte Mitteilung über diese gefährliche Fracht, wurde die Situation sofort von Eleonore entschärft.
Ruhig erklärte mir die Freifrau die Sicherheitsvorkehrungen die für die zerbrechliche Fracht getroffen worden waren und ich konnte wieder einmal keinen Makel in ihrer Argumentation finden.
Meine und auch Eleonore Analyse war, daß wir zunächst keinerlei Problem haben sollten, die Schiffe ausfindig zu machen und diese zu versenken.
Dann könnten wir je nach Lage der Dinge entscheiden, den Mannschaften an Land nachzusetzen oder die Einheimischen und die Sümpfe oder den Dschungel dies für uns übernehmen zu lassen.
Nach dieser Besprechung, deren Ergebnis ich meinen Offizieren sofort mitteilte, war Eleonore wieder tagelang unter Deck verschwunden.
Desweiteren fiel uns auf, daß unsere Reise bisher unheimlich ruhig verlaufen war. Glatte See, keinerlei Sichtungen von Sahuagin oder anderen unfreundlichen Bewohnern der Meere und ein für uns sehr günstiger Wind, ungewöhnlich für diese Jahreszeit.
Auch die Strömungen, sonst immer stark ostwärts gerichtet, schienen uns weniger zu behindern.
4. Der Kampf zur See
Durch das haiverseuchte Küstengewässer der Oljatt See führte ich mein Kommando knapp an den Untiefen der Sümpfe vorbei bis kurz vor die Bucht, in der die Sklavenhändler ankerten.
Im Vorfeld des zu erwartenden Kampfes überlegten wir, meine Offiziere, die Freifrau und ich, ob es ratsam wäre die Lage vorher zu erkunden. Wir entschieden uns um den Überraschungseffekt beizubehalten, keine Pinassen auszuschicken.
Auch das Angebot Kapitänleutnant Toris, schwimmend die Lage zu erkunden wurde von mir abgelehnt. Toris war zwar unser bester Schwimmer und Taucher und argumentierte er hätte von den Haien, auch aufgrund der Nähe zum Süßwassereinfluß durch die Pelassosümpfe nichts zu befürchten, aber es erschien mir immer noch zu gefährlich.
Kurzum, um meine Mannschaft nicht zu gefährden, nahm ich in Kauf, daß eventuell Sklaven bei einem Angriff auf die Sklavenschiffe sterben würden.
Falls wir keine Schiffe in der Bucht sehen würden, würden wir wieder abdrehen und unser weiteres Vorgehen überdenken.
Der Bericht eines tropfnassen Toris, der mir versicherte, er sei nur die Strcke von seinem Schiff zu meinem geschwommen, kam also etwas überraschend. Toris versicherte mir, die drei unförmigen Schiffe der Händler seien in der Bucht und noch keine Sklaven an Bord.
Wenn man keine Fragen stellt, kann man auch nicht belogen werden. Ich fragte also lieber nicht weiter nach und freute mich über unser Glück, ohne dies mir anmerken zu lassen.
Ich gab Befehl die Segel zu setzen und in die Bucht einzufallen. Unser Ziel war immer noch schnellstmöglich alles drei Schiffe zu versenken. Zu diesem Zweck waren unsere Katapulte mit Zauberöl, unser Ballistae mit brennenden Projektilen bestückt.
Die Mannschaft war über das Teufelsfeuer nicht glücklich, aber die Aussicht auf einen schnellen Sieg ohne Verluste lies sie es ertragen. Auch waren die Matrosen und das Bedienpersonal äußerst vorsichtig mit der gefährlichen Flüssigkeit.
Schon waren wir in der Bucht und sahen die drei Schiffe mit ihren scharlachroten Dreieckssegeln vor uns.
Geschickt drehten wir bei, verlangsamten unsere Fahrt und richteten die Geschütze aus.
Fast gleichzeitig erreichten die Ölamphoren die feindlichen Schiffe. Dicht gefolgt von dem Sirren der gewaltigen Sehnen der Ballistae und den brennenden riesigen Speeren.
Um nicht untätig herumzustehen hatten auch einige der Marinesoldaten brennende Bolzen für ihre Armbrüste gefertigt und schickten diese noch zusätzlich hinterher.
Es entstand ein flammendes Inferno auf den feindliches Schiffen. Die Feuer sogen die Luft in sich auf und stoben in die Höhe.
Unglaublicherweise fiel die Feuersbrunst in einem der Schiffe, welches sogar von zweien der Zauberölgeschosse getroffen worden war innerhalb kürzester Zeit in sich zusammen.
Ich signalisierte der „Unbezwingbar“, die am nächsten am Feind war und sogar noch etwas mehr Fahrt als die restlichen Schiffe meiner Flotte hatte, den Feind zu entern.
Kapitänleutnant Chalid selbst führte sein riesiges Schwert schwingend das Enterkommando an. Erzählungen zufolge erschien während des Entervorgangs eine glühende Feuerkugel an Deck des feindlichen Schiffes, welches sich langsam , aber unaufhaltsam der „Unbezwingbar“ näherte. Aber kurz bevor das Deck unseres Schiffes erreicht werden konnte, wurde das Feuer von einer merkwürdig hohen Welle gelöscht.
Offenbar war das Wasser so schnell zwischen den Schiffen zusammengepresst worden.
Dieser Gefahr entronnen bleibt eigentlich nur der Kampf Chalids mit einem Priester des Feuergottes Pyremius erwähnenswert. Die übrig gebliebene Geleere war wohl das Flaggschiff des kleinen Sklaven- beschaffungskommandos gewesen, welches von einem Priester befehligt worden war.
Nicht nur war dieser Priester schon etwas erschöpft durch das Anrufen seines Gottes, ich habe auch bisher nur wenige Gegner gesehen, die sich Chalids Tulwar lange erwehren konnten.
Die Verteidigung des Priesters, so gut diese auch war wurde von den schweren Schlägen Chalids immer mehr geschwächt, bis gegen Ende beide Handgelenke des Feueranbeters brachen.
Unfähig den heftigen Schlag abzuwehren, starb der Suel-Priester mit Chalids Schwert im Brustkorb.
Das kurze Verharren meiner Männer, die wider aller Erwartungen doch hofften die Besatzung würde sich jetzt ergeben wurde diesen beinahe zum Verhängnis.
Drei von ihnen starben, bis sich die Disziplin der Marinesoldaten wieder manifestierte und diese methodisch jeden einzelnen Gegner niedermachten.
Wo möglich wurden diese in die Enge getrieben und dann durch Armbrustschützen getötet.
Vielleicht nicht ritterlich, aber effektiv und hielt die meisten meiner Männer am Leben.
5. Der Kampf an Land
Nachdem wir zwei der drei Sklavenschiffe versenkt hatten und das letzte erobert war, begannen wir an Land zu gehen.
Die großen Käfige, die wir schon aus der Ferne gesehen hatten waren nur zum Teil gefüllt. Immer waren es dunkelhäutige Männer, die uns jetzt erwartungsvoll anschauten. Ich erteilte den Befehl die Käfige zu öffnen, und unter den Axthieben der Matrosen gab das Holz schnell nach.
Der Anblick der sich uns bot war folgendermaßen, fünf große Käfige mit jeweils etwa zwanzig Sklaven standen in einem lockeren Halbkreis oberhalb der Tidenlinie am Strand.
Ihre Oberseiten waren notdürftig mit Palmblättern bedeckt, da sie auch relativ weit vom sich direkt an den Strand anschließenden Dschungel entfernt lagen.
Die Sklaventreiber sahen wohl keinen Sinn darin, ihre Ware durch wilde Tiere oder die Sonne beschädigen zu lassen. In der Mitte der Käfige lag eine verlassene und erloschene Feuerstelle.
Meine Matrosen tummelten sich um diese Käfige, aus denen erfreut die befreiten Sklaven strömten.
Die Marinesoldaten behielten in lockerer Formation sowohl die jubelnden Sklaven, als auch den undurchdringlichen Waldrand im Auge.
Eleonore, ich und zwei meiner Kapitäne, Toris von der „Siegreich“ und Chalid von der „Unbezwingbar“ standen auf einer kleinen Düne und betrachteten das Schauspiel.
Nur wenige Leichen der Sklaventreiber lagen am Strand, meist hinter uns, als diese versuchten entweder ihre Schiffe zu erreichen oder am Ende von diesen zu fliehen.
Ich weiß nicht, was mich dazu brachte Eleonore anzusehen, aber wahrscheinlich war ihre fast starre Haltung und ihr suchender Blick Auslöser dafür.
Und gerade in dem Moment, als ich mich zu ihr zu ihr wandte, hob sie den Arm und brüllte in bester Unteroffiziersstimme: „Feind – Waldlinie – Links außen !“
Die jetzt irgendwie jeden Infantristen in seine Grundausbildungszeit versetzende Stimme hatte den gewünschten Effekt.
Sofort wandten sich über sechzig Augenpaare dem Wald zu.
Kaum hatten wir den Feind erkannt, es waren wieder Suel Händler mit leichten Rüstungen und Entermessern, brüllte wieder die Stimme:
„Feind- Waldlinie – Rechts außen !“
Dann benannte Eleonore in Stakkato die Männer die am nächsten am linken Waldrand standen: „Ihr -Armbrüste laden – links feuern wenn fertig. Freie Zielwahl.“
Und die am rechten Rand standen: „ Ihr Armbrüste laden – rechts feuern wenn fertig. Freie Zielwahl.“
Die Befehle an die Matrosen an den Käfigen waren genauso eindeutig, diese sollten zur Hälfte eine Verteidigungslinie aufbauen, die anderen weiter die Sklaven befreien.
Aber kaum als die ersten Suel fielen, trat eine neue Bedrohung auf den Plan.
Der gesamte Wald schien sich in Bewegung zu setzen und über einhundert Menschen mit suel-ähnlicher, wenn auch etwas dunklerer Hautfarbe, ihre Häupter auch gekrönt von den flammend-roten Haaren der Suel stürmten goldglitzernde Waffen schwingend und mit gelblich leuchtenden Brustpanzern versehen daraus hervor.
Inmitten dieser Woge standen etwa gleichweit voneinander entfernt Gestalten in roten Roben, haarlos mit nackten Armen und Füßen.
Ein höchst undamenhafter Fluch entfuhr unserer Freifrau und während selbst mir die Ohren rot anliefen, hörte ich von ihr die Worte: „Rotroben der Bruderschaft und eingeborene Suel...fantastisch.“
Dann wieder lauter und im Befehlston an unsere vor Überraschung schon zurückweichenden Soldaten: „ Jeder zweite: Nachladen ! Schuß auf Rotroben. Alle anderen Nahkampfverteidung. Keine Angst – die Waffen und Panzer sind aus weichem Bronze !!!“
So kam es, daß meine gesamte Mannschaft, ohne einen einzigen Befehl von mir sich beherzt dem Feind entgegenstellte.
Durch die erste Salve waren schon einige der Sklavenhändler verwundet und so am Weiterkommen gehindert worden.
Die zweite, etwas geringere Salve konzentrierte sich jetzt auf die Rotroben. Bolzen flogen auf diese zu und … wurden entweder mit den Händen abgelenkt oder die Ziele bogen sich aus der Schussbahn der Geschosse.
Nur zwei Bolzen trafen, glücklicherweise den selben Körper, dessen Robe jetzt ein tieferes Rot an nahm.
Toris riss einen Anhänger Tritherions, dem Gott des Meeres und des Sturms, aus seinem Hemd hervor, flehte seinen Gott an, den am rechten Rand stehenden Kahlkopf zu vernichten, und wirklich, ein Strahl gleißenden Lichtes traf den Gegner während dieser noch von den Armbrustschützen abgelenkt war. Haare konnten ihm ja nicht zu Berge stehen, aber kleinere Flammen loderten auf seiner Robe während er auf die Knie fiel.
Ich hätte Toris nie für einen Gläubigen, schon gar nicht für einen Priester gehalten.
Chalid war auf dem Weg ins Schlachtgetümmel, seinen riesigen Säbel in beiden Händen haltend als sein Hinterkopf explodierte.
Von der Wucht eines Projektils getroffen riß es seinen gesamten Kopf herum und ich mußte in seine völlig zerstörte Augenhöhle blicken bevor er starb.
Schnell postierte ich zwei Matrosen zwischen dem Gegner und Eleonore, an die ich im Geiste völlig das Kommando über die Marinesoldaten abgegeben hatte.
Ein zweiter Blitz traf den sich gerade aufrappelnden Gegner, der nun endgültig reglos und mit verdrehten Gleidern im Sand liegenblieb.
Die rechte Flanke war so recht stabil, vor allem da, wie von Eleonore angekündigt, wir einen ungeheuren Qualitätsvorteil in der Bewaffnung hatten.
Links sah es nicht so günstig aus. Der Scharlachrote hatte sich wieder etwas wankend in Bewegung gesetzt und trieb seine Leute vor sich her.
Bevor die Infantristen wieder nachladen konnten, war der Gegner mitten unter ihnen.
Ein unübersichtliches Gemetzel entbrannte, in dem unsere Männer stark in der Unterzahl waren.
Die Mitte sah noch bedrohlicher aus. Hier hatte Eleonore den Gegner ausgemacht, der Chalid niedergestreckt hatte.
Eine zierlich wirkende Frau stand etwas im Schatten hinter dem letzten der Bruderschaft.
Sie schwang eine Schleuder und suchte immer wieder nach lohnenden Zielen.
Zudem waren hier nur wenige Infantristen und meine Matrosen.
Die befreiten Sklaven aber hoben Knüppel aus dem Holz der zerstörten Käfige auf, der ein oder andere bewaffnete sich mit den Entermessern der Gefallenen oder mit Hilfe einer Männer und stürmten dem Feind entgegen.
Der Keil der Sklaven wurde aber brutal gestoppt, als der unverletzte Kahlkopf ihnen entgegentrat.
Gezielte Tritte und Schläge mit der B´bloßen Hand zertrümmerten nicht nur die improviesrten Keulen, sondern auch Kniescheiben, Kehlköpfe und Knochen.
Wie ein Wirbelwind wütete der Mann in der Robe unter ihnen, immer in Bewegung nicht zu erreichen geschweige denn zu treffen.
In seinem Fahrtwasser glitt die kleine Frau jetzt mit zwei Messern bewaffnet und wer vor ihr verletzt fiel, war nach ihrem Vorbeigehen tot.
„Seltsam“, hörte ich neben mir und wieder war es als wären die Schatten dichter, Schreie tönten nur noch gedämpft zu uns, die Zeit schien still zu stehen.
Eleonore hatte ihren Stab gezogen. Diesen jetzt in beiden Händen über sich halten, verzerrte sich ihr Gesicht zu einem Ebenbild der Fratzen auf dem dunklen Material.
„Da ist doch etwas – ein Seelengebundener – das werden wir noch sehen.“
Den Stab auf einen Punkt zwischen dem Unheil meiner Matrosen und der Frau deutend, sprach Eleonore dunkle, unrein klingende Worte.
Zwischen den Fingern der Hand die den Stab hielt, floß Blut herab und ein dunkles Netz arkaner Energie ergoß in den Zwischenraum von Kahlkopf und Frau.
Dort leuchtet etwas rubinrot auf und als ob ein gespanntes Tau zwischen dem Mädchen und der Rotrobe reißen würde, flogen diese auseinander.
Die Rotrobe in eine Pulk von Sklaven, das Mädchen war frei von Feinden. Zertrümmerte Leiber unter sich lassend, richtete sich der Kahlköpfige wieder auf, blickte uns direkt an und begann einen unaufhaltsam scheinenden Lauf auf uns zu.
Das Mädchen aber reagierte noch schneller, während sich ihr Halter erst aus den Leichen befreien mußte, erschien sie schon hinter ihm.Ohne jegliche Chance zur Gegenwehr wurden der Rotrobe beide Dolche mit solcher Wucht in den Rücken gerammt, daß ihre Spitzen vorne wieder austraten.
So wendete sich das Blatt. Von unserer rechten Flanke her vereinigten sich die Marinesoldaten mit den Matrosen und befreiten Sklaven und überrollten den restlichen Widerstand an unserer linken Flanke.
Angeführt wurde dieser Gegenangriff von niemand anderem als dem Mädchen mit den Dolchen.
Kurze Zeit später war das Gemetzel zu Ende , getreu ihrem Ruf hatten die Suel völlig unnötig bis zum letzten Mann gekämpft.
Wir wußten zunächst nicht, was wir mit der jungen Frau machen sollten, bis Eleonore uns darüber aufklärte, daß diese genauso ein Sklave wie die in den Käfigen gewesen war.
Nur war diese magisch an die Rotrobe gefesselt gewesen, unfähig sich gegen dessen Befehle auflehnen zu können, sogar dazu gezwungen diese mit vollem Einsatz ihres Könnens auszuführen.
Kitti, so gab sie ihren Namen an, wurden zwar noch böse Blicke zugeworfen, letztendlich hatte sie aber im Sturm auf die linke Flanke vielen meiner Männer das Leben gerettet, so daß sie einfach als ein anderer, neuer Mensch, völlig unterschiedlich zu der Mörderin Chalids betrachtet wurde.
Kitti war sich durchaus bewußt, daß sie ohne Eleonores Hilfe wahrscheinlich nie ihre Freiheit erlangt hatte und dankte ihr überschwänglich. Eleonore schien auf seltsame Weise berührt und genauso froh Kitti befreit zu haben.
Die Ureinwohner Hepmonalands wurden mit den Waffen der Möchtegernsklavenfänger und der besiegten eingeborenen Suel ausgestattet.
Unsere Verluste waren geringer als befürchtet ausgefallen.
Toris konnte einigen der Verletzten helfen und so kamm es, daß wir nur siebzehn Marinesoldaten und zwölf Matrosen verloren hatten. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich nicht genau weiß, wieviel Sklaven starben, aber ich befürchte es waren gut die Hälfte.
Wir machten uns noch einer Zeit der Erholung mit der Strömung und wieder recht günstigem Wind auf den Heimweg.
Chalids Posten mußte ich leider neu vergeben, hatte aber auch die erfreuliche Aufgabe, einen Kapitän für unser neues Schiff, welches wir „Freifrau“ tauften, ernennen zu können.
Dieses sollte schnellstmöglich Pontylver anlaufen, während wir nach Asperdi zurückkehrten.
6. Die Rückkehr
Kitti war äußerst geschickt und behände. Sie arbeitete mit in den Wandten und bei allen anfallenden Arbeiten, die mehr Geschick als reine Stärke erforderten.
Eleonores Auftauchen am Morgen des dritten Tages auf See erstaunte uns wieder.
Mit einem strahlenden Lächeln, mit einer gut sitzenden Arbeitskleidung erschien sie auf Deck.
Die Aufmachung verkörperte sowohl die Rüstungen der Marinesoldaten, Eleonore selbst und auch die Aufmachung unserer Matrosen.
Auch ihr weiteres Vorgehen schockierte uns zunächst, lies sie uns dann aber nur noch weiter ans Herz wachsen.
Sie fragte, wo sie helfen könne, da die See ja nicht ganz ihr Element sei und ich und meine Offiziere ja offensichtlich alles so kompetent im Griff hätten.
Ich wagte nicht irgendetwas vorzuschlagen und so kam es, daß diese Freifrau, die Gesandte des Überkönigs, anfing Risse in unseren Segeln zu reparieren und Seile zu spleißen.
Und ich sage euch, diese Frau war eine Magierin in allem was Stricke, Seile und Nähte betraf. Ihr Können stellte alles in den Schatten, was ich bis dahin gesehen hatte.
Auf der restlichen Fahrt rissen ihre Nähte nie auf, ihre gepleißten Seile gaben nicht nach kurzum sie war auch dadurch eine wirkliche Bereicherung.“